BWL und Medizin? Clevere Kombination mit Zukunftschancen

BWL und Medizin? Clevere Kombination mit Zukunftschancen
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Die Studiengänge BWL und Medizin gehören zu den beliebtesten Studiengängen in Deutschland. Um BWL oder Medizin studieren zu können, muss häufig ein NC eingehalten werden. Vor allem die BWL ist als Massenstudienfach bekannt, in dem die Studierenden nach ihrem Abschluss je nach Fachrichtung gute Berufsperspektiven ausrechnen können. Doch die guten Zukunftschancen in BWL sind seit einigen Jahren im Schwinden begriffen. Das gilt vor allem für beliebte Spezialisierungen innerhalb der BWL wie beispielsweise Marketing oder Personalwesen. Vielmehr sind mittlerweile passende Kombinationen gefragt. Eine solche ist BWL und Medizin.

Das Problem der aktuellen BWL-Ausbildung

Im Wesentlichen bestimmen zwei Situationen die fallenden Zukunftschancen für reine BWLer. Die aktuellen Anforderungen in der betrieblichen Praxis erfordern Kenntnisse in übergreifenden Bereichen. Beispielsweise sind mit zunehmender Digitalisierung IT-Kenntnisse, mathematische Fähigkeiten und Programmier- und Statistikkenntnisse unabdingbar. Im kreativen Marketingumfeld ist eine Kombination mit einer kreativen Berufsausbildung sehr gefragt oder psychologische und sozialwissenschaftliche Kenntnisse. Im Bereich Unternehmensführung und -organisation spielen ethische und philosophische Fragen eine immer größere Rolle. Auch Nachhaltigkeit und damit entsprechende naturwissenschaftliche oder technische Kenntnisse ist eine wichtige Schnittstelle. Und eben nicht zuletzt medizinische Kenntnisse in Kombination mit betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten.

Die aktuellen BWL-Studiengänge an den meisten deutschen Hochschulen und Universitäten bieten keine Kombinations- oder Spezialisierungsmöglichkeiten innerhalb des Studiengangs. Immerhin sind bei einigen Hochschulen und Universitäten über die letzten Jahre hinweg Inhalte mit IT-Bezug hinzugekommen und auch Wirtschaftsethik lässt sich in dem einen oder anderen Studienprogramm finden. Insgesamt jedoch weisen die BWL-Studiengänge allzu häufig verkrustete und veraltete Strukturen auf. Die vermittelten Kenntnisse können so den modernen Anforderungen in Unternehmen nicht mehr gerecht werden. Absolventen müssen daher in Kauf nehmen, sich eigenständig nach dem Studium noch weiter zu qualifizieren, um ihre Berufsaussichten zu verbessern.

BWL und Medizin als clevere Kombination

Immer mehr Studierende überlegen daher, zwei Studienabschlüsse zu erwerben, um bessere Berufsaussichten zu bekommen. Oft spielen auch breiter gefächerte Interessen eine Rolle oder erste Erfahrungen in Praktika. Ein betriebswirtschaftliches Studium mit einem medizinischen Studium zu kombinieren, ist dabei eine hochinteressante Möglichkeit. Beispielsweise können Absolventen in Krankenhäusern umfassendere Tätigkeiten übernehmen.

In Deutschland sind Krankenhäuser Wirtschaftsunternehmen, die entsprechend betriebswirtschaftlich gesteuert werden. Das bringt starke Kritik mit sich, die vor allem mangelnde Patientenversorgung beinhaltet. Als Arzt mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen kann eine Schnittstelle geschaffen werden, die betriebswirtschaftliche und medizinische Erfordernisse im Krankenhaus zusammenbringen. Ein Absolvent mit beiden Abschlüssen kann in der kaufmännischen Leitung auch die medizinischen Notwendigkeiten im Blick behalten.

Ein niedergelassener Arzt kann mithilfe seiner BWL-Kenntnisse ohne weitere Probleme die eigene Praxis auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten führen und zum Beispiel die Buchhaltung selbst durchführen. Auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens bieten sich Möglichkeiten, als Fachkraft mit beiden Abschlüssen tätig zu werden und Tätigkeitslücken zu füllen.

Lassen sich ohne Probleme zwei Fächer gleichzeitig studieren?

Im Bachelor-Master-System der deutschen Hochschulen und Universitäten lassen sich zwar auch heute mehrere Fächer studieren, aber anspruchslos ist das sicher nicht. Gerade bei vermeintlich weit entfernten Fächern wie BWL und Medizin fehlt es an interdisziplinären Modulen, die beide Fächer näher zusammenbringen. So bleibt zurzeit den Abiturienten nichts anderes übrig, als beide Fächer parallel zu studieren.

Das erfordert natürlich durchaus Zeit. Sowohl im BWL-Studium als auch im Medizin-Studium bestehen für viele Veranstaltungen Anwesenheitspflicht und hoher Lernaufwand. Das bei zwei Fächern unter einen Hut zu bringen, wird aktuell nicht in jedem Semester möglich sein. Die meisten Abiturienten sind allerdings 18 oder 19 Jahre alt, haben somit einige Jahre Zeit, in ihre Bildung zu investieren. Die guten Berufsaussichten am Ende beider Abschlüsse rechtfertigen diese Investition.

Wird es in Zukunft leichter werden, zwei Abschlüsse zu erreichen?

Nicht nur die einzelnen Studienfächer müssen sich modernisieren, auch die Hochschulorganisation muss sich verändern. Die ersten Ansätze sind in der Corona-Zeit sichtbar geworden. Mehr digitale Lehre, flexiblere Studienmöglichkeiten, mehr Interdisziplinarität sind Stichworte, auf die deutsche Universitäten und Hochschulen reagieren müssen. Werden bessere Lehrplattformen und Lehrstrukturen geschaffen, wird es für die Studierenden auch leichter, zwei Fächer parallel zu studieren.

Auf der anderen Seite steht die Öffnung der Studiengänge hin zu anderen Studiengängen. Auch solchen, die vermeintlich weiter entfernt sind. In der BWL gibt es die klassischen Öffnungen hin zur Informatik oder den Ingenieurwissenschaften, aber gerade in der BWL muss und kann sehr viel mehr getan werden. Gerade eine interdisziplinäre Öffnung hin zur Medizin ist notwendig, um akute Praxisprobleme im Gesundheitswesen angehen zu können.

Auch aus der anderen Richtung wäre mehr Interdisziplinarität von Vorteil. Studierende der Medizin sollten betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen, um auf die modernen Anforderungen im Gesundheitswesen besser reagieren zu können. Fragen wie die Patientenversorgung haben neben dem gesundheitlichen Aspekt auch einen finanziellen. Wird schlecht gewirtschaftet, gefährdet das die Gesundheitsversorgung und umgekehrt. Absolventen, die hier beide Seiten beleuchten können, werden gefragte Experten werden.

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