Der MBA ‒ Karriereplus oder „Geldfresser“?

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„Barbies und Kens im Businesslook“, spottete Thomas Sattelberger, seinerzeit im Personalvorstand der Deutschen Telekom, im Interview mit dem UniSPIEGEL (Ausgabe 3/2012). Der Top-Manager meinte damit junge Deutsche, die ein MBA-Studium in den USA absolviert hatten und nun aufgrund der Finanzkrise zurückkehrten – in der Hoffnung, der hochkarätige Abschluss bringe sie hierzulande weiter. Doch die Kritik steht auch für eine Kontroverse um den MBA-Titel im Allgemeinen: Was bringt das auch in Deutschland kostspielige Studium wirklich?

Weiterbildung zum Manager

Der „Master of Business Administration“ nimmt unter den weiterqualifizierenden Studiengängen eine besondere Stellung ein. Wie andere Masterstudiengänge auch, vermittelt er zusätzliche Kompetenzen nach einem Bachelorabschluss und anschließender Berufserfahrung. Doch der MBA zielt dabei speziell auf die Entwicklung von Führungskräften für die freie Wirtschaft. Dieser Abschluss steht also für ein betriebswirtschaftliches Studium auf oberstem Niveau. Seine Ursprünge liegen in den USA, dort etablierten das Dartmouth College und die Harvard University diesen Master-Degree. Inzwischen hat sich das Elitestudium ausgebreitet, auch in Deutschland: Mehr als 100 MBA-Studiengänge gibt es hier inzwischen, darunter auch einige mit Spezialisierung auf bestimmte Fachbereiche wie z.B. Sportmanagement oder Gesundheitsökonomie.

BWL für Besserverdiener?

Der Haken an der Sache, die Gebühren liegen bei MBA-Studiengängen meist um ein Vielfaches höher als bei anderen Masterstudiengängen. Einige Tausend Euro sind dabei eher die Untergrenze; die Kosten bewegen sich bei manchen Hochschulen auch im fünfstelligen Bereich. Daher wird das Studium gern auch als „BWL für Besserverdiener“ bezeichnet, zumal es oft auch einen besonderen Service beinhaltet, bis hin zum Spitzen-Catering und eine besonders persönliche Atmosphäre bietet. Doch es mischen sich auch unseriöse Angebote unter die Top-Akademien. Dann kann es für viel Geld genauso auch wenig Inhalt geben.

„In der Regel Zugang zu besseren Positionen“

Befürworter sind der Ansicht, dass die Sache ihr Geld wert ist und sich später umso mehr auszahlt, vorausgesetzt, es handelt sich um eine seriöse Hochschule. Dass es keineswegs eine Garantie für ein Spitzeneinkommen ist, bestätigen auch Insider. „In der Regel verschafft der MBA Zugang zu einer besseren Position und verhilft zu Gehaltssprüngen. Aber es gibt Ausnahmen“, erklärte etwa Horst Löchel, akademischer Direktor an der Frankfurt School of Finance & Management. Wie das Magazin welt.de berichtet, versucht die renommierte Hochschule daher vorzubeugen. Im zugehörigen Karrierezentrum werden alle Bewerbungen geprüft. Dabei stehen auch mögliche Erfolgsaussichten für die Zeit nach dem MBA-Abschluss im Fokus.

Im Blick der Skeptiker

Laut dem im Juli 2015 veröffentlichten Beitrag betrachtet ein Großteil der deutschen Unternehmen den MBA mit Skepsis. Der Verfasser bezieht sich dabei auf die Jobtrends-2015-Studie des Staufenbiel-Instituts, wonach lediglich rund ein Fünftel der Arbeitgeber den Elite-Abschluss bei der Jobvergabe bevorzugen. Am häufigsten wird der Titel demnach bei den Wirtschaftswissenschaftlern nachgefragt. Wer es damit geschafft hat, kann in Deutschland mit einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von 60.000 Euro oder mehr rechnen.

Sprungbrett für Quereinsteiger

Experten sind sich einig darüber, dass der MBA vor allem bzw. eher als Sprungbrett für Akademiker aus anderen Fachbereichen interessant ist, die in betriebswirtschaftliche Aufgabenbereiche gehen wollen, verbunden mit guten Aufstiegsmöglichkeiten. Der interdisziplinäre Background kann sich dann sogar als wertvoll erweisen – offenbar auch ohne einen MBA, sofern die Qualifikationen ansonsten stimmen. „Wir brauchen aber Talente mit unterschiedlichen Hintergründen und einem Verständnis von Soziologie, Psychologie oder Geschichte“, äußerte sich Ex-Telekomvorstand Sattelberger, selbst Diplom-Betriebswirt mit facettenreichem Lebenslauf, in dem besagten Interview.. „Bildung, Verlässlichkeit und nachhaltiges Wirtschaften sind nämlich wichtiger als Shareholder-Value.“

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