Berufsausbildung in Deutschland: Krise oder verkannte Chance?

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In Deutschland gibt es mehr als 320 Ausbildungsberufe – aber scheinbar immer weniger junge Menschen, welche an diesen Interesse haben. Dabei kann eine Berufsausbildung durchaus gute Karrierechancen bieten – vorausgesetzt, man entscheidet sich für die Richtige.

ausbildung-duales-studiumDie Berufsausbildung in Deutschland scheint in der Krise zu stecken; laut dem aktuellen Berufsbildungsbericht 2016 wurde auch im letzten Jahr wieder ein neues Rekordhoch an unbesetzten Ausbildungsstellen erreicht. Ganze 41.000 offene Stellen fanden 2015 keinen passenden Bewerber; das sind fast 4.000 mehr als noch 2014. Als Gründe
für diesen Negativtrend werden immer wieder die geburtenschwachen Jahrgänge der letzten Jahrzehnte, Passschwierigkeiten zwischen Anbietern und Bewerbern so wie die zunehmende Beliebtheit des akademischen Studiums aufgeführt: Uni ist in, Ausbildung ist out. Das belegen auch die Zahlen; aktuell stehen in Deutschland ca. 2,7 Millionen Studenten rund 1,4 Millionen Auszubildenden gegenüber.

Dieses Ungleichgewicht wird langfristig durch die Tatsache verschärft, dass nach und nach immer weniger Betriebe überhaupt noch eine Ausbildung anbieten. Das betrifft vor allem kleinere Unternehmen; während die großen Firmen die besten Schulabgänger mit überdurchschnittlichen Löhnen und anderen Boni locken, haben Familienbetriebe das Nachsehen. Deutlich seltener erhalten sie Bewerbungen, bei denen das Profil und die Qualifikation des Bewerbers auch mit den Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle übereinstimmen. Das Ergebnis: Bereits jetzt bildet in Deutschland nur noch jeder fünfte Betrieb aus.

Gute Perspektiven und hohe Gehälter möglich

Dabei ist die Berufsausbildung bei weitem nicht so schlecht wie ihr aktuelles Image: In vielen Branchen hat man nach wie vor richtig gute Karrierechancen und kann zusätzlich auch noch ordentlich verdienen. Das gilt zum Beispiel für das Bankenwesen und das Handwerk; hier ist es möglich, auch ohne Hochschulabschluss langfristig in eine Führungsposition aufzusteigen oder als Meister mit einem selbstständigen Unternehmen erfolgreich zu sein. Die Möglichkeit eines schnellen Aufstiegs wird auch dem Hotelgewerbe nachgesagt: Hier wird der Großteil der Führungskräfte mit Personal besetzt, welches den Einstieg in den Beruf über eine Ausbildung gefunden hat. Zwar sind die Gehälter hier in der Regel nicht so hoch; wer es aber mit den entsprechenden Weiterbildungen und der nötigen Berufserfahrung in eine leitende Managerposition schafft, kann auch hier später richtig gutes Geld verdienen. Über eine überdurchschnittlich hohe Bezahlung direkt nach der Ausbildung können sich aber auch Fluglotsen (Spitzenreiter mit bis zu 8.000 Euro im Monat), Versicherungskaufleute (ca. 3.000 Euro), Sekretäre (ca. 3.000 Euro), Chemielaboranten (rund 3.000 Euro) oder Angestellte des öffentlichen Dienstes (tarifliche Vergütung) freuen.

Die Verlierer sind…

Leider bieten aber längst nicht alle Ausbildungsberufe so gute Aufstiegs- und Verdienstchancen – und haben dementsprechend am stärksten mit dem Problem des Nachwuchsmangels zu kämpfen. Die meisten unbesetzten Lehrstellen finden sich laut Berufsbildungsbericht vor allem im Reinigungsgewerbe, im Gastgewerbe und in der Lebensmittelverarbeitung. Neben einer geringen Bezahlung während und oft auch noch nach der Lehre sind es vor allem die regelmäßigen Schichtdienste und der geringe gesellschaftliche Status, welche die Ausbildungen so unattraktiv machen. Deswegen finden sich immer weniger junge Menschen, die ernsthaftes Interesse an einer Lehre zum Restaurantfachmann, Koch, Fleischer, Bäcker oder Gebäudereiniger haben. In anderen Fällen ist es hingegen vor allem die Zukunftsperspektive, die potentielle Bewerber abschreckt: So wird zum Beispiel eine Ausbildung als Krankenpfleger gut vergütet (in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes sind bis zu 1.100 Euro im Monat drin), bringt einem aber mit großer Wahrscheinlichkeit ein langfristig eher unterdurchschnittliches Gehalt ein. Schuld ist in diesem Fall das geringe Lohnniveau der Branche.

Eine gute Alternative: das duale Studium

Während sich viele Schulabgänger noch mit der Entscheidung zwischen Studium und Lehre oder der Wahl zwischen verschiedenen Ausbildungsberufen herumschlagen, hat längst ein weiterer Bildungsweg Fuß gefasst und zunehmend an Beliebtheit gewonnen: das duale Studium. Dieses verbindet eine berufliche Ausbildung mit einem akademischen Studium und wechselt in regelmäßigen Abständen zwischen Theorie und Praxis. In dieser Ausbildungsform hat man deswegen nicht nur den Vorteil, dass man sie gleich mit zwei verschiedenen Abschlüssen beendet; sie bietet außerdem auch hervorragende Karriere- und Aufstiegschancen. Das beginnt bereits bei Übernahme in den Betrieb: Mehr als zwei Drittel aller Azubis kommen nach dem Ende ihres dualen Studiums direkt in dem Unternehmen unter, in dem sie gelernt haben. Durch die Kombination aus Praxiserfahrung und akademischen Wissens steigen die jungen Absolventen darüber hinaus überdurchschnittlich schnell auf und können bereits nach einigen Jahren leitende Positionen im unteren oder mittleren Management besetzen – und auch ein entsprechendes Gehalt verdienen.

Bilder: mirpic, Coloures-pic/ fotolia

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