Technische Betriebswirtschaft: Statische und dynamische Maschinenersatzrechnung (Teil 2 von 3)

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Im ersten Beitrag dieser kleinen Serie haben wir untersucht, wie man für ein gegebenes Investitionsproblem eine Kostenvergleichsrechnung macht. Das ist im Prinzip kein Problem, und ein viel umfangreichererer Artikel könnte zu diesem Problem herangezogen werden. Das Problem bestand aber darin, daß den verglichenen Anlagen keine Einzahlungen zugeordnet werden können. Wie also macht man eine Amortisationsrechnung?

Um den folgenden Artikel zu verstehen, benötigen Sie die dem Rechengang zugrundeliegenden Ausgangszahlen des Problems. Sie können diese auch in einem separaten Fenster hier anzeigen lassen (Popups müssen zugelassen sein).

Amortisation ohne Einzahlungen

Amortisation ist der Rückfluß von investierten Mitteln. Investierte Mittel sind immer nur Geldmittel, denn man braucht Geld, um zunächst in die Anlage zu investieren, und genau dieses Geld muß nachher wieder an den Investor zurückfließen. Das Problem ist hier aber, daß der Anlage keine Einzahlungen zugerechnet werden können. Die Anlage ist eine "eingebettete" Maschine. Sie erwirtschaftet nicht slebst Verkaufserlöse oder sonstige Einzahlungen. Nue eine Vielzahl von Anlagen (z.B. die ganze Produktionsstraße) tut dies.

Das Problem kann man lösen, indem man die Einsparungen, die die Anlage verursacht, als Einzahlungen definiert. Wichtig ist aber, daß man dann wirklich in Einzahlungen denkt – und nicht in irgendwas ganz anderem. Hier nämlich liegt ein häufiger Fehler:

Fehlende Definitionen führen zu unrichtigen Ergebnissen

Wer nämlich zunächst eine Kostenrechnung veranstaltet hat, was eine häufige und im Prinzip ja auch sinnvolle Eröffnung einer Projektarbeit ist, läßt sich oft vom folgenden, aus dem vorigen Beitrag bekannten Ergebnis blenden:

 

  Posten Manuelle Lösung Automatische Anlage
25 Gesamtkosten 83.870,00 €/Jahr 80.760,00 €/Jahr

 

Hier liegt es nämlich nahe zu vermuten, daß die Kostendifferenz auch eine Einsparung ist. Die automatische Anlage (rechts) ist aber um 83.870 – 80.760 = 3.110 Euro pro Jahr kostengünstiger. Das ist schön und gut, aber für die Zwecke der Amortisationsrechnung völlig unbrauchbar. Wer nämlich dem vorigen Artikel gefolgt ist weiß, daß von den beiden Gesamtkostenwerten jeweils 1.970 Euro (manuelle Anlage) oder 24.160 Euro (automatische Maschine) Fixkosten sind. Diese Kosten sind aber keine Zahlungen. Sie sind also nicht für die Amortisationsrechnung geeignet.

So macht man eine statische Amortisationsrechnung ohne Zahlungszuflüsse

Wichtig ist also, die Rechnung auf die zahlungsgleichen Posten zu beschränken. Diese sind in unserem Beispiel die variablen Kosten und die Hallenmiete. Während die Kostenvergleichsrechnung die Gesamtkosten ermittelt und vergleicht, müssen wir jetzt die Differenz der variablen Kosten bestimmen.

Zunächst betragen die variablen Kosten der automatischen Anlage nur 35 Euro/Stunde im Vergleich zu 51 Euro/Stunde bei der manuellen Lösung. Das entspricht einer Ersparnis von 16 Euro/Stunde an Löhnen und Material, die zahlungsgleich sind. Bei 1.600 Stunden pro Jahr macht das eine jährliche Ersparnis i.H.v. 16 x 1.600 = 25.600 Euro. Diese Summe ist eine Weniger-Auszahlung, und entspricht damit eigentlich einer der Anlage zurechenbaren Einzahlung.

Die automatische Anlage ist aber größer. Sie nimmt die doppelte Fläche ein. Statt 300 Euro/Jahr Hallenmiete müssen daher 600 Euro/Jahr gerechnet werden. Das entspricht einer mehr-Miete von 300 Euro pro Jahr. Dieser Betrag ist eine Zusätzliche Auszahlung, und muß vom vorherigen Wert abgezogen werden. Die jährliche Ersparnis beträgt also nur noch 25.600 Euro – 300 Euro = 25.300 Euro pro Jahr. Dieser Betrag ist die Minder-Auszahlung, die mit der automatischen Anlage erreicht wird. Aus diesem Betrag amortisiert sich die Investition.

Jetzt bedenken wir noch, daß wir ja nicht die ganzen Anschaffungskosten i.H.v. 138.000 Euro amortisieren müssen, weil am Schluß der Nutzungsdauer noch ein Restwert i.H.v. 8.000 Euro übrig bleibt. Also können wir rechnen:

 

Die statische Amortisation

Die Anlage hat sich also in ca. 5,1 Jahren amortisiert. Das ist wesentlich weniger als die technische Nutzungsdauer von zehn Jahren. Die Investition in die automatische Anlage ist damit sowohl aufgrund der Kostenvergleichsrechnung als auch aufgrund der statischen Amortisationsrechnung als vorteilhaft zu bewerten.

Im nächsten und letzten Artikel dieser Serie betrachten wir, wie man aus der statischen Rechnung eine dynamische Analyse macht. Das demonstriert erneut, daß die Investitionsrechnung eigentlich der Kostenrechnung sehr nahe steht, denn dieselben Ausgangsdaten und Konzepte gelten auch dort.

Links zum Thema: Technische Betriebswirtschaft: Statische und dynamische Maschinenersatzrechnung (Teil 1 von 3) | Investitionsrechnung: so macht man eine Kostenvergleichsrechnung | Amortisationsrechnung: wenn die Kröten springen… (interne Links)

Literatur:
Zingel, Harry, "Investitionsrechnung", Weinheim 2009, ISBN 978-3-527-50468-8, Amazon.de | BOL | Buch.de.
Zingel, Harry, "Kosten- und Leistungsrechnung", Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-50388-9, Amazon.de | BOL.

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