Wichtige Darstellungs- und Argumentationsmethoden in Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten

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Immer wieder finden Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten auf meinen großen Korrekturschreibtisch, die zu bewerten eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Neben formalen Kriterien spielt hier auch immer die verwendete Darstellungs- und Argumentationsmethode eine Rolle. Hierbei mache ich niemandem Einschränkungen darüber, welche Vorgehensweise er benutzen soll, doch die einmal gewählte Methode sollte konsistent durch die ganze Arbeit hindurch beibehalten werden.

Die Darstellungs- und Argumentationsmethode ist dabei die systematische Art der Gewinnung von Erkenntnissen. Ein Fachgebiet und ein Untersuchungsgegenstand müssen jeweils so in kleine geistige Häppchen unterteilt werden, daß aus diesen Einzelgedanken ein sinnvolles Ganzes entsteht. Das Ergebnis sollte dabei zwar nicht von vorne herein festgelegt werden (ich habe gerade eine Arbeit gesehen, in der in wohlbegründeter Art und Weise von einer Investition abgeraten wird), aber Methode und Untersuchungsobjekt sollten zueinander passen.

Analytische und synthetische Argumentation

Die analytische Methode besteht hierbei in der Zerlegung eines Gesamtsachverhaltes in seine Komponenten zur Gewinnung von Erkenntnissen über das Ganze aus seinen Teilen. Beispiele sind etwa die mathematischen Verfahren der Prozeßforschung, die die Komponenten eines Problems untersuchen um insgesamt eine Optimierung eines Zielwertes zu erreichen. Die synthetische Methode hingegen besteht in der sinnvollen Kombination von Teilen zu einem neuen Ganzen. Sie ist in der Unternehmensführung und der Organisation häufig die kreativste Art des Systementwurfes. Nur die sogenannte Bottom-Up-Technik, die aus Teilen hierarchisch nach oben fortschreitend ein organisatorisches Ganzes formt, ist hierbei aber synthetisch: die gegenläufige Top-Down-Technik, die das Ganze nach unten hin in seine Teile zerlegt, ist wiederum ein analytisches Verfahren.

Deduktive und induktive Darstellung

Die deduktive Methode besteht in der Ableitung einer Erkenntnis oder Wahrheit aus einer anderen Erkenntnis oder Wahrheit. Das ist insbesondere bei der Anwendung von Rechtsvorschriften als übergeordneten Erkenntnisquellen von Bedeutung, wo oft auch die analoge Anwendung von Vorschriften eine Rolle spielt. Die induktive Methode hingegen besteht in der Anwendung von Analogien, um verdeckte Zusammenhänge zu erkennen. Das ist besonders in der Didaktik von Bedeutung: demonstriert ein Lehrender einen Kalkulationsfaktor von 1,2 und einen Zuschlagssatz von 20%, so sollte der Lernende in der Lage sein, aus der Analogie zwischen 1,2 und 20% (oder 0,2) zu erkennen, daß beide Verfahren im Grunde das Gleiche leisten.

Dialektische und darstellende Methode

Die dialektische Methode beruht auf der Entwicklung von Sätzen und Wahrheiten aus Begriffen und Definitionen. Der einst vom Marxismus geprägte Begriff geht eigentlich auf die griechische Philosophie zurück und bezeichnet eigentlich nur die logische Bewegung des Denkens von einem Begriff zum anderen mittels Aufhebung von Widersprüchen durch sachlich-logische Argumentation. Das ist insbesondere im Rechnungswesen bedeutsam, wo bekanntlich spitzfindige Definitionen die Basis aller Verfahren bilden. Die darstellende Methode hingegen beruht auf der Verwendung von Modellen, die Grundlagen für betriebliche Entscheidungen sind. Das Modell reduziert daher die komplexe Wirklichkeit auf die wesentlichen Aspekte, die erforderlich sind, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Entscheidungstheorie ist im Grunde nichts als die Lehre von der Anwendung der darstellenden Methode. Die darstellende Methode ist praktisch und die dialektische Methode eher theoretisch orientiert.

Experimentelle und spekulative Herangehensweise

Die experimentelle Methode schließlich besteht in der Durchführung und Auswertung von Experimenten. Das ist im Rahmen der Betriebswirtschaft eigentlich selten, kommt aber z.B. im Bereich der Marktforschung oft vor. Die spekulative Methode hingegen besteht in der Bildung hypothetischer Aussagen über die Wirklichkeit und deren Prüfung an der Realität. Die konstruierende Phantasie entwirft hier Gedankengebäude, die oft erst als Ganzes einer Prüfung unterzogen werden. Dies ist insbesondere bei den Kreativitätstechniken bekannt und dient dazu, neuartige Lösungen zu bekannten Problemen zu finden und hierdurch einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

Eingeschränkte Wahlfreiheit

Welche Methode der Autor einer Diplomarbeit wählt, ist gänzlich ihm selbst überlassen, aber die Methode sollte stets zum Thema passen. Verschiedene Methoden passen dabei selten gut untereinander zusammen, so daß es ratsam ist, eine einmal gewählte Darstellungsweise vom Anfang bis zum Schluß durchzuhalten. Dies ist, jedenfalls bei mir, ein wesentlicher Aspekt der Bewertung solcher Arbeiten.

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