Zuschlagskalkulation, Teil 2 von 4: Wenn der Kalkulator zuschlägt…

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Nachdem wir uns gestern an dieser Stelle über die der Zuschlagskalkulation zugrundeliegenden Definitionen verbreitet haben, schauen wir uns heute die häufigste Aufgabengestaltung an, die der Vorkalkulation. Grundlegendes Verständnis der Definitionen wird vorausgesetzt. Das Beispiel ist in einer Vielzahl von Aufgabenvarianten relevant und seinerseits die Grundlage für die folgenden beiden Artikel.

 

    Materialeinzelkosten   200,00 €
+ Materialgemeinkosten 8,00% 16,00 €
= Materialkosten   216,00 €
  Lohneinzelkosten   150,00 €
+ Lohngemeinkosten 175,00% 262,50 €
= Lohnkosten   412,50 €
= Herstellkosten   628,50 €
+ Verwaltungsgemeinkosten 10,00% 62,85 €
+ Vertriebsgemeinkosten 6,00% 37,71 €
= Selbstkosten   729,06 €
+ Gewinn 10,00% 72,91 €
= Barverkaufspreis   801,97 €
+ Kundenskonto 3,00% 24,80 €
= Zielverkaufspreis   826,77 €
+ Provision 6,00% 49,61 €
= Zwischensumme   876,38 €
+ Kundenrabatt 5,00% 46,13 €
  Listenpreis netto   922,50 €

Kerngedanke ist die Zurechnung der Gemeinkosten durch prozentuale Schlüsselung. Das passiert hier einfach mehrfach. Für jede Hauptkostenstelle des Betriebsabrechnungsbogens gibt es einen eigenen Rechenschritt. Fangen wir mal von oben an:

 

Zunächst werden den 200 Euro Materialeinzelkosten 8% Gemeinkosten zugeschlagen. Das kennen wir ja schon aus dem vorigen Artikel. Die 8% sind natürlich zustandegekommen, indem die Gemeinkosten einer relevanten Vergleichsperiode mit den Einzelkosten derselben Vergleichsperiode verglichen werden. Sie sind, wie alle weiteren Zuschlagssätze in diesem Schema, ein Normzuschlag.

Genauso wird mit den Lohneinzelkosten verfahren. Die 150 Euro tragen die anteiligen Lohngemeinkosten der Produktivkostenstelle. Die Summe der Kosten in der Material- und in der Produktivkostenstelle heißt Herstellkosten. Sie ist der Betrag, der zur Herstellung des Produktes erforderlich ist.

Auf die Herstellkosten i.H.v. 628,50 Euro werden die Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) und die Vertriebsgemeinkosten (VtGK) zugeschlagen. Dies entspricht der zugrundeliegenden Rechenmethode im Betriebsabrechnungsbogen. Einfache Beispiele für solche Betriebsabrechnungsbögen findet der Leser hier und etwas komplexe Beispiele hier (jeweils Excel ab Version 97).

Die entstehende Summe heißt Selbstkosten. Sie repräsentiert die Summe aller von dem geplanten Auftrag verursachten Einzel- und Gemeinkosten und muß insgesamt erlöst werden, um kostendeckend zu sein. Der Sebstkostenwert entsteht in der Vorkalkulation durch Normzuschlagssätze, die aus vergleichbaren Vorperioden ermittelt werden, und prognostiziert die Verhältnisse in der Periode der Auftragsdurchführung. Die Rechnung ist daher eine Vorkalkulation.

Jenseits der Selbstkostensumme, die nicht mit einem Deckungsbeitrag verwechselt werden darf, beginnt die "Rentabilität", also der Gewinn. Diesen plant die Zuschlagsrechnung durch Aufschlag eines (willkürlichen) Plangewinnes, im Beispiel 10%. Die Summe ist der Barverkaufspreis.

Auf den Barverkaufspreis schlagen wir zunächst das Kundenskonto auf, um es hernach wieder werbewirksam abziehen zu können. Das aber geschieht, anders als im bisherigen Rechengang, im-Hundert (statt vom-Hundert): Bei den bisherigen Rechnungen war die Ausgangsgröße die 100%-Basis. Beispielsweise sind ganz oben die 200 Euro = 100%. Die aufgeschlagenen 8% basieren auf diesem Wert. Eine einfachere Rechnung wäre also auch, die 200 Euro gleich mit 1,08 zu multiplizieren. In der Kundenskonto-Rechnung aber ist der resultierende Zielverkaufspreis erst die 100%-Basis. Der Barverkaufspreis i.H.v. 801,97 Euro entspricht nur 97%, auf die die 3% Kundenskonto aufgeschlagen werden, in dem der Barverkaufspreis durch 0,97 dividiert (anstatt mit 1,03 multipliziert) wird. Erst von dem resultierenden Zielverkaufspreis i.H.v. 826,77 Euro darf das Kundenskonto vom-Hundert durch Multiplikation mit 0,03 berechnet werden.

Anders ist dies beim Aufschlag der Verkäuferprovision: da diese Provision (im Beispiel 6%) auf der Basis des Zielverkaufspreises berechnet wird, ist dies wieder eine vom-Hundert-Rechnung (826,77 Euro = 100%).

Im letzten Schritt wird der Kundenrabatt wiederum im-Hundert aufgeschlagen, d.h. die 876,38 Euro Zwischensumme entsprechen 95%, wenn 5% Provision hinzugerechnet werden sollen. Es müssen also erst die 876,38 Euro durch 0,95 dividiert (und keinesfalls mit 1,05 multipliziert) werden, um zum Listenverkaufspreis i.H.v. 922,50 Euro zu kommen. Von dieser Zahl dürfen dann die 5% Kundenrabatt berechnet werden.

Bisweilen entstehen Debatten über die richtige Reihenfolge: Das Skonto muß stets zuerst aufgeschlagen werden, weil es zuletzt abgezogen wird. Schließlich weiß der Verkäufer bei Vertragschluß ja nicht, ob der Kunde mit Skontoabzug schnell oder ohne Skontoabzug später zahlt. Die Provision darf nicht auf den Bar-, sondern muß auf den Zielverkaufspreis berechnet werden, weil der Verkäufer nichts dafür kann, ob der Kunde mit oder ohne Skontoabzug zahlt. Schließlich wird als letztes der Kundenrabatt aufgeschlagen, weil dieser als erstes subtrahiert wird: der Abzug eines Rabattes ist ja, anders als die Skontominderung, von Anfang an gewiß.

Auf der Treppe zum Prüfungserfolg ist das hier eigentlich ein einfaches Ding, denn man kann es durch Auswendiglernen erschlagen. Das aber ändert sich in den nächsten Beispielen, die bisweilen mutwillige Veränderungen dieses Schemas verlangen. Um es verändern zu können, muß man es zuvor aber gründlich verstanden haben…

Lösungen für dieses Problem (und die beiden folgenden Fallgestaltungen) findet der Leser übrigens auf der BWL CD in der Datei "Kalkulation Produktion Grundmodell.xls" (Versionsdatum 19.12.2006).

Links zum ThemaZuschlagskalkulation, Teil 1 von 4: Wie richtig zugeschlagen wird | Drei Betriebsabrechnungsbogen für Fertigungsbetriebe | Betriebsabrechnungsbogen mit Simultanverrechnung | Wissen, Können und Erkennen, oder von der Treppe, die zum Prüfungserfolg führt (interne Links)

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