Wie die Windenergie Arbeitsplätze und Rohstoffe vernichtet

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Tausende Arbeitsplätze habe die Windenergie in Deutschland geschaffen, tönt Jürgen Trittin, als wäre das ein Argument, können doch ein paar Bedienmannschaften einiger großer Kernkraftwerke mehr leisten als die in der Tat vielen Tausend Arbeitnehmer in der planwirtschaftlich reglementierten Windbranche. Aber wie sieht die volkswirtschaftliche Bilanz aus? Gibt es, da der Strom durch Zwangsabnahmepreise weit über dem Marktpreis immer teurer wird, wirklich neue Jobs?

Mannfred Bahlburg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover, sieht das anders. Die trittinsche Milchmädchenrechnung geht nämlich nur beim Bau der Anlage auf, wo einmalige Beschäftigungseffekte von ca. 17 Mannjahren entstehen, also rein rechnerisch 17 Arbeitnehmer ein Jahr Arbeit hätten. Im Laufe der 20jährigen Abschreibungszeit der Anlage entstehen durch Wartung, Reparatur, Verwaltung und dergleichen nochmal 13,5 Mannjahre Beschäftigung. Das alleine sieht auf den ersten Blick ganz gut aus für den deutsche Arbeitsmarkt. Aber eben nur auf den ersten Blick.

Der Betreiber des Windrades erhält staatliche Subventionen in Form von Zwangsabnahmepreisen, die weit über dem Marktpreis für elektrischen Strom liegen. Er kann damit die Gesellschaft mit seinen Kosten belasten, was der Stromverbraucher in Form ständig steigender Energiekosten spürt. Nach einer Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung beim liegt alleine der Unterschied zwischen Marktpreis und Zwangsabnahmepreis für eine 1,2 Megawatt Windenergieanlage bei ca. 130.000 Euro pro Jahr. Diese Summe wird durch die planwirtschaftlichen Zwangspreise auf die Gesellschaft externalisiert, steht also den Stromverbrauchern, deren Nachfrage weitgehend starr ist, nicht mehr für andere Ausgaben zur Verfügung. Damit aber, so die Studie, gehen im Laufe der 20jährigen Betriebszeit der Anlage ca. 38 Mannjahre verloren – eine negative Bilanz. Die Windkraftanlage vernichtet also im Saldo Arbeitsplätze anstatt welche zu schaffen.

Diese Betrachtung kann man noch erweitern. Der Wind weht bekanntlich eher unstet, während die Energienachfrage bestimmten relativ gut bekannten Gesetzmäßigkeiten gehorcht. Um Stromausfälle zu vermeiden, muß daher parallel zur Windkraft konventionelle Kraftwerksleistung im Leerlauf vorgehalten werden, denn bis ein konventionelles Kraftwerk Energie liefert, vergehen Stunden. Kohle-, Öl- oder Kernenergieanlagen müssen also schon in Betrieb sein, um sofort einspringen zu können, wenn der Wind plötzlich und unvorhersagbar nachläßt.

Dies bedeutet aber, daß in erheblichem Maße Brennstoffe verschwendet werden müssen, um das ökologistische Experiment der Windenergie am Leben zu erhalten. Produziert eine einzelne Windkraftanlage zwar noch mehr Energie als sie zu ihrer Herstellung benötigt, so kippt die Energiebilanz auch ins Negative, bedenkt man, daß ein großer Teil der Nennleistung der Windkraftanlage aus konventioneller Energieerzeugung vorgehalten werden muß, um die Windkraft überhaupt sinnvoll nutzen zu können.

Windenergie vernichtet also nicht nur Arbeitsplätze sondern auch Rohstoffe. Das ökologistische Experiment geht nach hinten los, es schadet der Volkswirtschaft. Insgesamt ist die Windenergie damit ein Musterbeispiel für die alte Lehre von der Optimierung der Faktorallokation durch freie Märkte: je mehr man Preise und Mengen reglementiert desto weniger produktiv werden Betriebe und desto mehr Rohstoffe werden verschwendet – oder, viel knapper, auch Herr Trittin kann den Markt nicht betrügen.

In der DDR fragte man einst bitter was passiere, wenn man einen sozialistischen Ökonomen in die Wüste schicke: drei Jahre nichts, und dann wird der Sand knapp. Heute könnte man gleichermaßen bitter fragen was uns bevorsteht, wenn man die ökologistischen Ökonomen auf die Energiewirtschaft losläßt: erst wird die Landschaft verschandelt und dann wird der Strom knapp. Wie knapp, haben wir letzten Sommer bereits erlebt. Und die Energierationierung ist uns bereits angekündigt worden. Gute Aussichten in einer Wirtschaft, die schon jetzt 8,6 Millionen Arbeitslose versorgen muß!

Links zum Thema: Vom Niedergang der Energieversorgung | EU-Kommissarin warnt vor Energie-Engpässen ab 2007 | 8,6 Millionen Arbeitslose – schon vor Beginn der Energierationierung | »Bild der Wissenschaft«: Stromversorgung am Limit, Rationierung droht | Photovoltaik-Kostenrechnung: 2,22 Euro pro Kilowattstunde! | Nachlese zum Jahrhundertsommer: Über Hitze, Energie und Fürsorgepflicht (interne Links)

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