Betriebswirt IHK: Bericht zur Herbstprüfung im Fach "Schwerpunkte angewandter Betriebswirtschaftslehre"

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Nachdem zuvor schon über die Fächer "Qualitätsmanagement" und "Europäische und internationale Wirtschaftsbeziehungen" berichtet worden ist, liegt mir nunmehr auch die Prüfung im Fach "Schwerpunkte angewandter Betriebswirtschaftslehre" vor, und auch hierzu verrate ich an dieser Stelle Details, die alle, die es noch vor sich haben könnten, sicher interessieren werden.

Grundsätzliche Struktur der Prüfung

Hier hat sich im Vergleich zu den vorherigen Prüfungen nichts verändert: nach wie vor gibt es einen Teil 1 mit zwei Fallstudien und dazugehörigen Fragen, aus denen einer auszuwählen ist. Die Fallstudie A richtet sich auf Marketing und strategisches Management; die Fallstudie B zielt auf mathematische Lösungsverfahren aus der Kostenrechnung und der Investitionsmathematik. Im Teil 2 schließlich, der von allen Teilnehmern bearbeitet werden soll, befinden sich Fragen zu allen Bereichen, also auch mathematische Probleme. Man kommt damit nicht um die Mathematik herum; man kann ihren Anteil nur erheblich verringern. Wie ebenfalls schon in den Vorjahren hat auch diesmal wieder eine Mehrheit der Teilnehmer die mathematische Fallstudie abgewählt, also in Teil 1 die Fallstudie A bearbeitet.

Teil 1 – Fallstudie A

Wie bei strategischen Problemen üblich, beginnt der Aufgabenteil mit der Schilderung der Ausgangssituation eines fiktiven Unternehmens. Diese Falldarstellung erstreckt sich über eineinhalb Seiten und ist recht komplex. Hierauf folgen 5 Fragen zu strategischen- und Marketingproblemen.

Aufgabe A1

Hier geht es um die Stärken-Schwächen-Analyse und die Chancen-Risiken-Matrix. Das sollte kein Problem sein: ein typischer Vertreter der "Aufzählfrage" – und der bringt satte 12 Punkte.

Aufgabe A2

In der Fallschilderung am Anfang wurde ein Patent des fiktiven Unternehmens dargestellt, das nun vermarktet werden soll. In dieser Aufgabe soll der Teilnehmer sich für 10 Punkte über die Vor- und Nachteile der Fertigung als Eigenmarke Gedanken machen. Das klingt schlimmer als es ist; man braucht kaum Kenntnisse über die Rechtsverhältnisse des Patent- und Markenrechts. Es geht lediglich um die Vermarktung, also die Absatzstrategie und ihre Vor- und Nachteile.

Aufgabe A3

Das eingangs geschilderte Unternehmen verfüge über ein schmales aber tiefes Produktprogramm, und der Prüfungsteilnehmer soll sich jetzt Gedanken über die Vorteile und die Nachteile dieser Sortimentsstruktur machen – ein Heimspiel, hoffe ich, für 5 Punkte. Teil b) der Frage skizziert eine horizontale Diversifikation, und auch über deren Vor- und Nachteile soll man sich Gedanken machen, was weitere 5 Punkte einbringt.

Aufgabe A4

Hier geht es um preistaktische Maßnahmen, die ergriffen werden können, um auf Preissenkungen der Konkurrenten zu reagieren – 4 Punkte für die Nennung der Maßnahmen und weitere 4 Punkte für die Entscheidung für einen Vorschlag und die Begründung der Entscheidung.

Aufgabe A5

Jetzt muß man die Produkt-Markt-Matrix nach Ansoff kennen – sonst geht gar nix. Für 2 Punkte soll zunächst die grundlegende Strategie nach diesem Modell erklärt werden; dann folgen drei Möglichkeiten ihrer Umsetzung (6 Punkte) und schließlich soll man sich für 3 Punkte für eine Variante entscheiden. Das ist alles im Prinzip nicht schwer, aber man scheitert, wenn man den Namen nicht kennt.

Teil 1 – Fallstudie B

Die hier vorausgehende Fallstudie ist mit gerade einer Viertelseite viel kürzer als die, die Teil A einleitete, und hat mit Teil A nichts zu tun: man soll ja entweder Fall A oder Fall B bearbeiten. Dargestellt werden die finanziellen Daten einer Maschine, die ein Existenzgründer einsetzen will. Für die Anlage werden u.a. die Anschaffungskosten, die Nutzungsdauer und die erwarteten Ein- und Auszahlungen während der Nutzung genannt. Hierauf folgen drei Aufgaben:

Aufgabe B1

Zunächst soll mit "einem dynamischen Investitionsrechenverfahren" die Vorteilhaftigkeit bei einem Kalkulationszinsfuß von 10% ermittelt werden – die Kapitalwertmethode läßt grüßen, und zwar mit 10 Punkten. Dann sollen zwei statische Verfahren für je 1 Punkt genannt werden (nur genannt, nicht angewandt!), und für 4 weitere Punkte soll deren eingeschränkte Nutzbarkeit im vorliegenden Fall begründet werden. Ein leichter Start, denke ich!

Aufgabe B2

Hier wird es etwas schwieriger: der Aufgabentext stellt zwei mögliche Finanzierungsalternativen dar, die "in einer aussagekräftigen Tabelle" verglichen werden sollen (16 Punkte). Für 4 weitere Punkte soll hieraus ein Ratschlag an die Geschäftsführung abgeleitet werden. Im Kern ist das ein Vergleich der Annuitäten- mit der Tilgungsdarlehensfinanzierung. Die Annuitätenformel ist im Aufgabentext angegeben, muß also nicht gewußt, aber richtig angewandt werden. Diesmal sind es zwar nur 5 Jahre (und nicht 14, wie in einer früheren Prüfung!), aber durch die zu vergleichenden Alternativen ist es immer noch viel Schreiberei.

Aufgabe B3

Hier soll aufgrund von Angaben u.a. über Fertigungsmaterialverbrauch, Lagerdauer usw. der voraussichtliche Kapitalbedarf errechnet werden (10 Punkte); in Frage b) muß der Begriff "Kontokorrent" erläutert werden, und weshalb die Bank das in gerade dem geschilderten Fall vorschlägt.

Teil 2

Dieser Prüfungsteil ist von allen Prüfungsteilnehmern zu bearbeiten und umfaßt Fragen aus allen möglichen Bereichen.

Aufgabe 1

Hier geht es um Markenstrategie: die Abgrenzung der Produktmarken- von der Markenstrategie (4 Punkte) und die Ursachen für den Ausbau von Produktmarken zu Markenfamilien (6 Punkte) sollten kein allzugroßes Problem sein. Insgesamt ist das offensichtlich ein Trend: um Markenstrategie ging es schon in der vorherigen Prüfung. Ein Zufall?

Aufgabe 2

Hier soll der Teilnehmer sich um Finanzierungsformen Gedanken machen, zunächst um Beteiligungsfinanzierung, dann um die Kosten dieser Finanzierungsarten (was natürlich ungenau ist, denn Finanzierung verursacht keine Kosten sondern Aufwendungen), und schließlich soll die Gesellschaftsform mit den höchsten Finanzierungs"kosten" genannt werden – für insgesamt 10 Punkte kein allzugroßes Problem so ganz ohne Zahlen, setzt aber Kenntnisse der Unternehmensrechtsformen voraus.

Aufgabe 3

Wiederum für 10 Punkte sollen zunächst die Finanzierungs"kosten" aufgrund einer einfachen Fallstudie ermittelt werden – das geht ohne Finanzmathematik ab. Man muß nur die Zahlen finden und addieren. Es kommt also nur darauf an zu wissen, was dazugehört und was nicht. Dann soll die grundlegende Problematik der Tilgung erläutert werden – wiederum ohne Zahlen auf der "Laberebene" eigentlich einfach aber vielleicht doch problematisch, wenn man nicht genau weiß, worauf die Prüfung zielt.

Aufgabe 4

Hier geht es um Signalpreise: "Gebrochene Preise", die Wirksamkeit von Preisen in Abhängigkeit von Nachfrageelastizitäten und ein Lösungsvorschlag bringen 10 Punkte.

Aufgabe 5

In der letzten Aufgabe soll der Teilnehmer die Kalkulation für den "Domino-Day" aufstellen – ob sich die Prüfungslyriker damit besonders witzig vorkommen, weiß ich natürlich nicht. Zahlen zur Halle und zu den Dominosteinen sind genannt, und müssen – wiederum für 10 Punkte – im Wege einer Zuschlagskalkulation zu einem Eintrittspreis unter Annahme von 10% Gewinn verrechnet werden. Das ist zwar im Prinzip einfach, aber insofern interessant als dies seit Jahren die erste Kalkulationsaufgabe ist. Deutet sich hier ein Sinneswandel der Prüfungslyriker an, weg von abstrakten, weltfremden Managementmodellen und hin zu handfesten, im Leben wirklich nutzbaren Rechenverfahren? Das wäre freilich sehr zu begrüßen, ist aber u.U. erst in einigen Monaten genauer zu beurteilen.

Meine Wertung

Mit 150 Minuten plus 15 Minuten Einlesezeit zum Verarbeiten der Fallstudien bietet diese Prüfung einen schönen Querschnitt durch das Themengebiet. Das Vorkommen einer Kalkulationsaufgabe ist ebenso ein Novum wie das Fehglen einer so richtig heftigen Break Even Aufgabe – das war's nämlich, womit die Prüfungslyriker früher die Teilnehmer immer gekippt hatten. Im Grunde fair und frei von den Problemen so mancher älterer Prüfung – um so verwunderlicher finde ich das bisweilen schlechte Ergebnis. In einem Wort: man bekam sicher nichts geschenkt, hätte es aber auch schaffen müssen. Daß diese Prüfungen systematisch schwerer werden, wie manchmal behauptet wurde, kann ich nicht bestätigen (oder ich bin zu betriebsblind – kann auch sein). Meine Meinung: Bei entsprechender Vorbereitung muß sowas klappen!

Übrigens…

Hier in Erfurt haben wir im Unterricht manchmal nur mit der halben Mansnchaft getagt – zu wenig Zeit, zu viel Streß, der Beruf: bei berufsbegleitenden Lehrgängen muß man sich aber die erforderliche Zeit freihalten. Auf den Prüfungsexemplaren stehen nur Nummern, keine Namen: ich weiß also nicht, wer was geschrieben hat. Das erfahre ich erst nach der Benotung. Und dann werde ich sehen, ob die, die oft gefehlt haben, durchgefallen sind: das wird interessant zu sehen, auch mit Blick auf den jetzt laufenden Lehrgang, wo es oft noch leerer ist…

Die früheren Prüfungsberichte

"Qualitätsmanagement" | "Europäische und internationale Wirtschaftsbeziehungen" (interne Links)

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