Percentage-of-Completion: Abrechnung von Bauaufträgen nach IAS 11

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Während im Handelsrecht auch nach der Bilanzrechtsmodernisierung langfristige Fertigungsaufträge erst nach Fertigstellung abgerechnet werden dürfen, auf diese Weise also u.U. erhebliche stille Reserven entstehen können, sieht IAS 11 mit der sogenannten Percentage-of-Completion-Method eine Abrechnung nach anteiligem Fertigstellungsgrad vor. Das erlaubt einen richtigeren Erfolgsausweis, vermindert die stillen Reserven und ist inzwischen auch weitgehend prüfungsrelevant. Schauen wir uns also ein kleines Beispiel an.

Zweck des IAS 11 ist die periodengerechte Aufteilung der Baukosten und der Erträge, die der Bauauftrag vermittelt, aufgrund des Prinzips der Periodenabgrenzung (accrual basis of accounting). Wenn das Ergebnis eines Bauauftrages zuverlässig prognostiziert werden kann, d.h., sich die Baustelle im wesentlichen im planmäßigen Bauablauf befindet, dann sind die Erträge und die Baukosten, auch wenn über sie noch keine Rechnungen geschrieben wurden, gemäß dem anteiligen Zustand der Fertigstellung anzugeben (IAS 11.22). Dies führt zu einem richtigeren Ausweis in Bilanz und GuV und damit zu mehr Informationsnutzen für den Abschlußleser.

Ein Beispiel demonstriert, wie das funktioniert. Für einen Bauauftrag wird ein Preis i.H.v. 40.000 Euro veranschlagt. Die Dauer der Herstellung des Bauwerkes betrage fünf Jahre. Die Gesamtkosten werden zunächst auf 22.000 Euro geschätzt. Der anteilige Fertigstellungsgrad (percentage-of-completion) muß für jede Periode ermittelt werden. Hierzu wird nach IAS 11.31 die kumulierte Kostensumme durch die geschätzte Summe der Gesamtkosten geteilt. Sind im ersten Jahr beispielsweise tatsächliche Kosten i.H.v. 2.200 entstanden, so ist der Fertigstellungsgrad nach dem ersten Jahr 10%. Es müssen also auch 10% des Ertrages bereits ohne Rechnungstellung ausgewiesen werden.

 

Jahr 1. 2. 3. 4. 5.
Vereinbarter Preis: 40.000,00 40.000,00 40.000,00 40.000,00 40.000,00
Geschätzte Gesamtkosten: 22.000,00 25.000,00 28.000,00 28.000,00 28.000,00
Tatsächliche Kosten: 2.200,00 2.300,00 5.300,00 9.800,00 8.400,00
Kumulierte Kosten: 2.200,00 4.500,00 9.800,00 19.600,00 28.000,00
Fertigstellungsgrad: 10% 18% 35% 70% 100%

 

Die Methode erlaubt auch eine Anpassung von Schätzungen. Im zweiten Jahr seien Kosten i.H.v. 2.300 angefallen, so daß die bis zum zweiten Jahr einschließlich kumulierte Kostensumme 4.500 beträgt. Die Schätzung der Gesamtkosten ist aber von 22.000 auf 25.000 angestiegen. Der Fertigstellungsgrad wird jetzt auf dieser neuen Basis berechnet und beträgt 18%.

Die Percentage-of-Completion-Method (PoC-Methode) ist also nicht wirklich komplex, und damit in Klausuren und Prüfungen ein ausgezeichneter Punktelieferant. Einige Hürden finden sich allerdings bisweilen in den Einzelvorschriften des IAS 11. Dies erfordert, wie stets, den Text des Standards möglichst im Originalwortlaut zu lesen. Einen Überblick kann man sich auch in meinem IFRS-Skript verschaffen.

Im Handelsrecht wird die grundlegende Vorschrift, erst nach Fertigstellung abzurechnen (Completed-Contract-Method) übrigens regelmäßig durch die vertragliche Vereinbarung von Zwischenabrechnungen umgangen. Das ist nicht an sich illegal, und kann, wenn die Abrechnung baufortschrittsgerecht erfolgt, ebenso richtige Ergebnisse vermitteln. Das Handelsrecht hat sich damit informell längst dem internationalen Rechnungswesen angepaßt.

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Links zum ThemaBilanzrechtsmodernisierung: Gesamtübersicht über die Reformen | Umfangreiches IFRS-Skript (interne Links)

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