Volkswirtschaftliche Grundlagen: das Schema der BSP-Berechnung

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Vielen Lehrgangs- und Studienteilnehmern ist die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ein Buch mit sieben Siegeln. Sie wissen zwar, daß das Bruttosozialprodukt den Wert aller in einem Land in einem Jahr erwirtschafteten Güter und Leistungen darstellt, verstehen aber die Berechnungsschemata nicht. Dabei ist das ganz einfach zu erklären, entweder durch eine Visualisierung oder durch die Gegenüberstellung mit einer unternehmerischen Gewinn- und Verlustrechnung im Wege der Analogie.

Dies wird besonders Dozenten empfohlen, denn später haben sie oft das gleiche Verständnisproblem ihrer Schützlinge erneut – im Rechnungswesen-Unterricht. Man kann also gleichsam zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen, indem man einfach die folgenden beiden Rechenschemata vergleicht:

 

  Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung     Vereinfachte Gewinn- und Verlustrechnung
 
  Verkäufe (Umsatz)     Verkäufe (Umsatz)
+ Selbsterstellte Anlagen   + Aktivierte Eigenleistungen
± Änderungen der Vorräte   ± Änderungen Fertig- und Unfertigerzeugnisse
= Produktionswert   = Produktionswert (z.B. Löhne, Material)
Vorleistungen (Produktionskosten)   Produktionskosten
= Bruttowertschöpfung   = Bruttowertschöpfung ("Rohgewinn")
+ nichtabzugsfähige Umsatzsteuer   Abschreibungen
+ Einfuhrabgaben   = Nettowertschöpfung ("Reingewinn")
= Bruttoinlandsprodukt      
± Einkommen aus der übrigen Welt      
= Bruttosozialprodukt (auch: Bruttonationaleinkommen)      
Abschreibungen      
= Nettosozialprodukt      
Indirekte Steuern      
+ Subventionen      
= Volkseinkommen      

So muß zunächst klar sein, daß der Rechnungsausgang den Umsatz darstellt. Das ist volks- wie betriebswirtschaftlich gleichermaßen zu erläutern. Die Unternehmung erzeugt aber auch einen Wert, wenn sie Anlagen erstellt und selber nutzt – was also in der 2. Zeile beider Schemata addiert werden muß. Schließlich sind Mehrungen unfertiger und fertiger Erzeugnisse ebenfalls Erträge (und Minderungen Aufwendungen), daher das "±"-Symbol. Die Summe dieser Werte ist der Produktionswert.

Jetzt muß einleuchten, daß hiervon aber der Wert der zuvor von anderen Unternehmern in Anspruch genommene Wertzufluß subtrahiert werden muß, also der Produktionswert. In der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sind das Dinge wie Löhne, Material und vieles andere mehr; in der Volkswirtschaft ist das nichts anderes, aber weniger anschaulich. Die Differenz ergibt die Wertschöpfung, die bei einem Unternehmer eine Art Rohgewinn ist.

Erst jetzt sollte man eine rein volkswirtschaftliche Debatte führen, die etwa darum kreist, daß Unternehmer die Umsatzsteuer stets als Durchlaufposten behandeln, so daß sie in der GuV nicht vorkommt, aber in der Volkswirtschaft müssen nichtabzugsfähige Umsatzsteuern ebenso wie Einfuhrzölle addiert werden. Sie mehren, jedenfalls nominal, das BSP.

Eine letzte Analogie wäre die Abschreibung für Anlagevermögensgegenstände, die das unternehmerische Ergebnis wie das volkswirtschaftliche Ergebnis mindert: übrigens der Grund, weshalb Bruttoinlands- wie Bruttosozialprodukt kein "gutes" Wohlstandsmaß sind, denn diese beide steigen auch nach Kriegen und Naturkatastrophen (durch den Wiederaufbau). Gut geht es den Menschen dann aber noch lange nicht.

Das Bruttosozialprodukt ist nicht nur Wert aller in einem Land in einem Jahr erwirtschafteten Güter, sondern gleichsam das Ergebnis der gesamtwirtschaftlichen Gewinn- und Verlustrechnung. Das muß der Lehrgangsteilnehmer grundlegend verstehen, und dies sollte der Dozent zusammenfassend vermitteln, denn so unterstützen sich volkswirtschaftliche Grundkenntnisse und die elementaren Konzepte des Rechnungswesens gegenseitig.

Links zum Thema: Volkswirtschaftliche Grundlagen: Entstehung, Verwendung, Verteilung | Die Geldmengendefinitionen, oder was man vor uns verheimlichen will (interne Links)

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