Studien- und Diplomarbeiten: wenn Mama mauert…

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Nicht nur die Projektarbeiten an den Industrie- und Handelskammern sondern auch Diplomarbeiten an Fachhochschulen und Universitäten sollen immer einen Praxisbezug haben, denn der Bearbeiter eines Themas soll ja seine Fähigkeit unter Beweis stellen, selbständig fachbezogen zu arbeiten. Hierfür muß er die abstrakten Konzepte und Modelle der betriebswirtschaftlichen Theorie mit dem Leben der rauhen Wirklichkeit füllen, was das zentrale Erfolgskriterium bei der Beurteilung des Ergebnisses der ganzen Mühe ist. Leider stellen sich dabei manchem Kandidaten unerwartete Hindernisse in den Weg.

Schon vor einiger Zeit gaben wir an dieser Stelle Hinweise zur Themenwahl, die gleichwohl stets einen Praxisbezug voraussetzen – und damit die Kooperation des Arbeitgebers, denn dieser muß dem Prüfungsteilnehmer Zugang zu den jeweils relevanten Daten und Informationen gewähren, damit ein Praxisbezug überhaupt erst möglich wird. Das aber scheitert bisweilen aus mehreren Gründen.

Da ist zum einen die Furcht vor der bösen Konkurrenz, die das Ergebnis der Mühen des Diplomkandidaten mitlesen könnte. Auf diese Weise, so die nicht immer unberechtigte Befürchtung vieler Arbeitgeber, könnten Geschäftsgeheimnisse offenbar werden. Hierbei ist dem Teilnehmer zu empfehlen, einen Sperrvermerk anzubringen. Die fertige Arbeit sollte dann von der jeweils prüfenden Institution weder veröffentlicht noch in der Bibliothek eingestellt werden (und erst Recht nicht im Internet erscheinen). Leider vertrauen nicht alle Arbeitgeber auf solche Sperrvermerke.

Eine andere häufige Besorgnis ist die meist unausgesprochene Angst, der Diplomkandidat könne etwas besser als die eigenen Mitarbeiter. Hier steckt oft die ebenfalls nicht immer unberechtigte Furcht eines Vorgesetzten vor seiner eigenen Überflüssigkeit dahinter. Das ist besonders bei inkompetenten Arbeitgebern häufig – und alles andere als selten: manche Arbeitgeber wünschen ja ausdrücklich keine Fortbildung der Mitarbeiter. Hier ist dem Betroffenen Prüfungsteilnehmer nicht mehr viel zu raten außer sich möglichst schon vor Beginn des Studiums bzw. der Fortbildung einen neuen Job zu suchen – was natürlich nach wie vor leichter gesagt als getan ist, denn der Aufschwung kommt mit der Bahn.

Die unfairste Spielart dieses Problems, die mir bisher begegnete ist aber die Mama, die mauert: da hatte eine Studentin eine sehr hoffnungsvolle Diplomarbeit mit dem theoretischen Teil schon fertiggestellt als sie entdeckte, daß die Konzernmuttergesellschaft die ursprünglich zugesagten Daten nun doch nicht rausrücken würde: Mama mauert, und das entgegen einer ursprünglichen Zusage. Eine böse Falle: so blieb aus der beabsichtigten konkreten Strategieempfehlung nur eine ausführliche Literaturrecherche mit vielen wenn und aber. Und das ist natürlich bewertungsrelevant aber kaum zu verhindern wenn ein Vorgesetzter es sich erst später anders überlegt.

Unterm Strich bleibt ein schaler Beigeschmack, denn gegen solche Fallstricke gibt es keine Versicherung. Sich vorher rückzuversichern daß es nachher nicht schiefgeht ist aber erste Pflicht jedes Autoren einer solchen Arbeit, und zwar bevor das Thema eingereicht und vom Prüfungsausschuß definitiv vergeben wird.

Links zum Thema: Hinweise zur Anfertigung von Studienarbeiten | Tips zur Themenwahl bei Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten | Der heimliche Betriebswirt: über die Weitsichtigkeit einiger Arbeitgeber | Erfolgstips für Studien- und Diplomarbeiten | Wer mit der Maus tanzt: Häufige Fehler in Studien- und Diplomarbeiten | Studien- und Diplomarbeiten: Schummeltips für Prüfer und Kandidaten | Hinweise zur Verteidigung von Studien- und Diplomarbeiten | Studien- und Projektarbeiten: häufige Fehler bei der Präsentation der Arbeit | Gravierende Schwächen in Studien- und Diplomarbeiten: wie man es nicht machen sollte (interne Links)

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