Heimliche Spuren: werden Sie von Ihrem Drucker ausspioniert?

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Schon vor einiger Zeit berichteten wir über Bildbearbeitungssoftware wie Adobe PhotoShop (ab Version 8) und PaintShop Pro (ab Version 8), die Bilder von Banknoten nicht mehr öffnen. Während man dies zur Verhinderung von Fälschungen im Prinzip gutheißen kann, verhindert es auch legitime Zwecke wie die Gestaltung von Webseiten oder Büchern. Wir haben die Technik, die die EU-Kommission zwangsweise einführen will, daher als Zensurmaßnahme bezeichnet. Inzwischen gibt es ein neues Anwendungsfeld dieser Technologie: die heimliche Markierung von Farblaser-Ausdrucken zur Rückverfolgung des Urhebers.

Seit selbst Farblaserdrucker, einst nur für Preise über 10.000 Euro zu haben schon deutlich unter 500 EUR käuflich geworden sind, verbreiten sie sich immer weiter, und mit ihnen auch ihr Mißbrauch. So ist Banknotenpapier zwar noch immer kaum irgendwo aufzutreiben, aber auch ein auf Normalpapier in Farbe ausgedruckter Geldschein ist schließlich nur ein Geld-Anschein, also eine Fälschung, wenngleich eine sehr schlechte, aber halt auch dann ein Verbrechen – wobei den Fälschern natürlich geraten wird, Programme wie CorelPhotoPaint zu verwenden, denn die verarbeiten nach wie vor auch Scans von Banknoten, jedenfalls bis zur derzeit noch aktuellen Version 12. Um solche Lücken zu schließen, drucken jetzt auch einige Farblaser Geräteidentifikationen aufs Papier, für das menschliche Auge unsichtbar aber maschinell identifizierbar.

Das aber könnte ein Problem werden, denn mit geeigneten technischen Mitteln kann nun auf Ausdrucken festgestellt werden, mit welchem Gerät sie angefertigt wurden – und unter Umständen auch von wem. Das ansonsten auch im Internet garantierte Recht auf anonyme oder pseudonyme Rede (§6 Abs. 3 TDDSG) ist also auf Papierform in Gefahr.

Die heimliche Markierung von Farblaser-Ausdrucken ermöglicht auch die Codierung von Datum und Zeit des Ausdruckes und u.U. sogar einen Kopienzähler, der in dem nur unter UV-Licht oder mit starker Vergrößerung sichtbaren Bitmuster verborgen werden kann. Das eröffnet freilich ganz neue Anwendungsgebiete: da so wenig Fälscher Farblaser und Normalpapier 80 g/m² holzfrei verwenden, könnte man beispielsweise mit Farblaser ausgedruckte CD-Cover identifizieren – um den bösen Kopisten dingfest zu machen, beispielsweise. Auch Tintenstrahldrucker sollen diese Technik übrigens bald beherrschen – wie z.B. solche, die wir verwenden, um die BWL CD Rückseite ansprechend zu gestalten. Auch Firmen interessieren sich für diese Technik, um Kopien interner Dokumente identifizieren und zurückverfolgen zu können. Und wer behauptet, daß kopierfähige Rückseiten vorhandener CDs und DVDs nicht längst heimlich mit Urhebermerkmalen versehen sind, die dann vom Kopierer um eine Geräteseriennummer ergänzt werden?

Wie einst die Kontenspionage zum Aufspüren von Terroristengeldern erdacht wurde, jetzt aber zur Steuer-Rasterfahndung gegen jedermann eingesetzt wird, ist auch hier eine Technologie, die eigentlich der Verhinderung von Geld- und Wertpapierfälschungen dienen sollte auf dem besten Weg, Alltagsrechte wie das auf Privatkopie einzuschränken. Mit der bekannten Salamitaktik werden und schleichend Rechte genommen und Kontrollen auferlegt, die staatlichen Stellen wie privaten Rechteinhaber wieder einmal erlauben, Dinge über uns zu wissen, von deren Existenz wir gar nichts ahnen. George Orwell hätte seine helle Freude an diesem System gehabt.

Links zum Thema: Zensur: Bildverarbeitungssoftware öffnet keine Bilder von Euro-Scheinen | EU-Kommission für elektronische Zensurmaßnahme | TCPA: Auf dem Weg in die totale Kontrolle | TCPA: Eine Prognose des Scheiterns (interne Links)

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