Vom Niedergang der Energieversorgung

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Für Außenstehende und Nichttechniker ist es schwer zu ermessen, inwieweit die Stromversorgung schon durch den rot-grünen Ökowahn in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Da fielen dem BWL-Boten schon aufgrund des ihm eigenen Fachgebietes betriebswirtschaftliche Argumentationen leichter, etwa daß Solarstrom derzeit 2,22 EUR/KWh kostet, was möglicherweise die Richtung für die zukünftige Energieversorgung vorgibt.

Interessanter ist möglicherweise eine statistische Untersuchung über manifeste Probleme mit der Stromversorgung, d.h., über Stromausfälle. Dabei meine ich nicht die Ein-Sekunden-Flackerausfälle, die wir hier recht gut kennen, oder die 14 Stunden Dunkelheit, die die Stadtwerke Erfurt dem Autoren dieses Beitrages mitten in einer deutschen Landeshauptstadt schon beschert haben, sondern richtig große Blackouts, die ganze Städte betreffen, und damit zusammenhängende Probleme. Fassen wir das also mal zusammen:

 

September 2003 Möglicherweise durch einen Schaltfehler und vom Sturm beschädigte Hochspannungsleitungen kommt es in Südschweden und Dänemark zu stundenlangen Stromausfällen, die ca. zwei Millionen Menschen betreffen.
August 2003 500.000 Menschen sind von einem Stromausfall in London betroffen.
August 2003 Im Nordosten der USA und Kanada sind mehr als 50 Millionen Menschen ohne Strom – teilweise bis zu drei Tage. Offenbar haben kleinere einzelne Störungen eine große Kettenreaktion ausgelöst.
August 2003 Deutsche Energieversorger kündigen Stromrationierungen an, da der erneuerbare Ökostrom sich in der Sommerhitze nicht schnell genug erneuert. Zum Glück kommt es nicht mehr dazu, aber es war kurz davor.
Sommer 2003 In Frankreich sterben ca. 13.000 Personen an der Hitze, vorwiegend alte Menschen, deren Leben durch Klimaanlagen hätte gerettet werden können, aber dafür fehlt der Strom. Erst als Leichen liegen sie in wohlklimatisierten Kühlzelten und warten auf ihre Bestattung, oft wochenlang. Der widerliche Verdacht liegt in der Luft, daß das die Rentenversicherer freut. Deutschland führt keine Statistik über Hitzetote.
Juli 2003 Aufgrund der Hitzewelle kommt es in Italien zu Mangelrationierungen.
Frühjahr 2001 Nach zahlreichen Blackouts und der Pleite des größten kalifornischen Energieversorgers PG&E trotz (oder wegen?) einer Vertausendfachung der Strompreise kommt es zu stunden-, ja sogar tagelangen Stromausfällen.
Sommer 2000 In Kalifornien kommt es zu Energieknappheit. Die Preise steigen.
März 1999 In Rio de Janeiro, Sao Paulo und Brasilia sind 26 Millionen Einwohner zwei Stunden ohne Strom, damals ein undenkbarer Vorfall.
August 1997 Fünf Millionen Einwohner von Caracas sind ohne Strom.
November 1993 In Athen fällt für vier Millionen Einwohner mehrere Stunden der Strom aus.
Mai 1987: Für einige Stunden sind 11 Millionen Einwohner von Bombay ohne Strom.
Juli 1984 In New Delhi fällt für sieben Millionen Einwohner vier Stunden der Strom aus.

Während es in den 80ern und 90ern nur alle paar Jahre mal ein größeres Problem irgendwo auf der Welt gab, scheinen sich Probleme mit der Energieversorgung seit 2000 und besonders in 2003 auffällig zu häufen. Ein Zufall? Möglicherweise nicht: Die unheilvolle Mischung aus "Nachhaltigkeit", "Atomausstieg", Privatisierung und Trennung von Netzbetreiber und Versorger mit entsprechendem Investitionsstopp zur Kostenreduktion hat einst zuverlässige Versorgungssystemen nachhaltig ruiniert. Und neues Unheil droht: ab 2005 soll der Zertifikatehandel zwangsweise eingeführt werden. Dann können wir uns wohl von kontinuierlicher Energieversorgung endgültig verabschieden.

Links zum Thema: Grün wirkt: Stromrationierung jetzt auch bald in Deutschland | Nachlese zum Jahrhundertsommer: Über Hitze, Energie und Fürsorgepflicht | Erste Stromabschaltungen in Italien: wann wird auch in Deutschland rationiert? | Treibhausgasemissionsberechtigungen: Es wird ernst | Photovoltaik-Kostenrechnung: 2,22 Euro pro Kilowattstunde! (interne Links)

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