Postmortem, oder das Desaster mit Acrobat 6

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Da trat das Ding also in mein Leben, wie immer in einer dieser immer leichter werdenderen Softwareverpackungen, in denen es klappert, weil das Handbuch kaum mehr Platz wegnimmt als die CD-Hülle, aber in nur einem Tag von Adobe zu mir, die Post hält ihr Versprechen. Und als sich die CD aus ihrer Plasteshell pellte, war die erste Überraschung fällig, denn es ließ sich nicht installieren: eine Update-Version, die die alten CDs prüfen will aber nicht erkennt. Immerhin kriege ich am Telefon von Adobe in unter 5 Minuten einen Freischaltschlüssel, der das Problem aus dem Wege räumt und Adobe Acrobat 6 zum Leben verhilft. Vorübergehend…

Nach einigem Heruminstallieren stelle ich immerhin fest, daß die Integration mit PageMaker diesmal bis auf eine klitzekleine Fehlermeldung einwandfrei funktioniert, und das ist gut, denn mit PageMaker sind alle meine Werke gezaubert. Mission critical, sozusagen, wenn es hier nicht klappt. Eine Stunde dauert es nur, Acrobat davon zu überzeugen, sein Farbmanagementsystem außer Betrieb zu nehmen und meine sorgfältig gewählten PageMaker-Farbdefinitionen unverändert in die PDF zu zaubern, denn schließlich verwende ich Farben zur Visualisierung, da muß es klappen.

Das Desaster kommt eine Stunde später. Ich habe gerade die Version 7.22 des bekannten Lexikons für Rechnungswesen und Controlling fertiggestellt, mit Updates zur Behandlung der Assets im Rahmen von IAS 2, IAS 16 und IAS 40, und wundere mich, weshalb die Datei von 31,6 MB plötzlich auf knapp 26 MB geschrumpft ist. Was schön aussieht, und Platz auf der randvollen BWL CD schafft, ist doch immerhin verdächtig.

Auf einem Rechner ist die alte Acrobat 5 noch drauf. Ich kopiere meine fertige Datei, klicke sie an und – blicke einem Fehlerprotokoll ins Gesicht. Ein Postmortem-Abbild, das mir sagt, welches Modul von Acrobat 5 wo was für einen Fehler verursacht hat vor dem erfolgreichen Dahinscheiden.

Immerhin wurde mir ein Update auf Version 6 vor dem Absturz angeboten. Wie nett. Würden alle meine CD-Leser plötzlich auf Version 6 upgraden, und alle Bildungsfirmen, die die CD einsetzen, und oft noch die Version 4 installiert haben, dann wäre es so schön gewesen mit einer kleineren und schneller zu ladenden Datei. Offensichtlich will Adobe das, denn die Konversion auf das neue Format der Version 6 ist vorgegeben und passiert, ohne daß der Anwender gefragt werden würde. Selbst wenn eine alte Datei nur gespeichert wird, dann wird sie auch schon konvertiert – klammheimlich und ohne Rückfrage. Und die "PDF Optimieren" Funktion in Acro-6 funktioniert nicht richtig, und produziert dieselben Abstürze beim Öffnen der Datei in Acrobat 5.

Offensichtlich will Adobe auf diese Art die Verbreitung seiner Produkte fördern. Nur eine nette Verbreitungsstrategie ist das nicht: morgen verschicke ich 15 CDs. Wie wäre es gewesen, wenn ich den Fehler erst von den Lesern erfahren hätte?

Ein Desaster, wie immer. Schon bei Acrobat 4 (damals, in 1999) war hier die Hölle los: keine Zusammenarbeit mit PageMaker, lief nicht auf Windows 2000, verhackstückte die Schriften. Besonders letzteres kostete schlaflose Nächte und hahnebüchene Workarounds. Acrobat 5 schien besser zu sein, aber ich brauchte eine Woche, bis es endlich mit meinen Farben umgehen konnte. Und ein Versionsproblem gab es damals schon. Wie diesmal wieder.

Adobe hat nichts hinzugelernt. Man denkt noch immer, den Leuten vorschreiben zu müssen, wie und womit sie zu arbeiten haben. Für 212,28 Euro wird es eine Deinstallation und ein anschließendes Downgrade. So komme ich nicht in den Genuß der bunter gewordeneren Knöpfchen und der vielen neuen Sicherheitsfunktionen, jedenfalls nicht auf der Hauptarbeitsmaschine. Schade. Aber solche Flops sind immerhin nicht neu. Immerhin können die Leser der BWL CD sicher sein, daß sie auch weiterhin alle Texte mit Acrobat 5 lesen können.

Links zum Thema: Adobe Systems Deutschland (externer Link) | Die BWL CD | Lexikon für Rechnungswesen und Controlling (interne Links)

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