Tips zur Themenwahl bei Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten

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Immer wieder taucht im Forum für Betriebswirtschaft die Frage auf, welches Thema jemand für eine Studien-, Projekt- oder Diplomarbeit wählen sollte. Obwohl es zumeist sehr schwer ist, einen brauchbaren Ratschlag zu geben, wenn man die Person nicht gut kennt, wird hier dennoch versucht, einige mehr oder weniger allgemeine Tips auszuteilen, die auf meiner langjährigen Erfahrung mit Prüfungen und Prüfungsausschüssen aller Art resultieren.

Liebe, was Du tust

Das ist der grundlegendste Rat, der überhaupt gegeben werden kann: wer etwas gut machen will, der muß es auch gerne machen – sonst wird es nichts. Lassen Sie sich also nie zu etwas überreden, sondern tun Sie, was Sie glauben wirklich tun zu wollen. Natürlich gilt das schon für die Studienfachwahl: wenn Sie Betriebswirtschaft studieren, und im ersten Semester festgestellt haben, daß Ihnen das wirklich nicht liegt, dann ist die einzig richtige Entscheidung ein Studienfachwechsel. Sich jahrelang durchzuschleppen ist wenig sinnvoll und kaum erfolgversprechend – und beim Diplomthema ist es nicht anders.

Also erforsche Deinen Geist!

Und das sagt uns, daß natürlich im Vorfeld der Themenvergabe – Jahre zuvor! – ein Bild der eigenen Fähigkeiten und Neigungen entstanden sein sollte. Will heißen: der Zettel-Student, der sich dem Finale nähert, muß wissen, ob er gerne mit Zahlen oder mit Menschen, eher technisch oder eher kreativ arbeitet. Das ist trivial, nach meiner Erfahrung aber keineswegs selbstverständlich! Ach ja, rationale Überlegungen führen erfahrungsgemäß weniger zum Ziel, als auf das "Bauchgefühl" zu hören: Letzteres ist meist ein besserer Ratgeber bei sehr wichtigen Fragen als der Verstand!

Wie man einen Praxisbezug herstellt

Viele Studien- oder Diplomarbeiten werden von Leuten geschrieben, die ein Studium oder eine Ausbildung mit betrieblichem Bezug absolvieren. Das ist eine sinnvolle Art des Lernens, weil man stets anwenden kann, was man im Theorieunterricht lernt – und genau dafür ist eine Studien- oder Diplomarbeit gut. Es ist also ratsam, sich mit dem innerbetrieblichen Bedarf auseinanderzusetzen, aber die Hinweise am Eingang dieses Dokuments nicht zu vernachlässigen: beispielsweise fehlt in vielen Unternehmen ein Betriebsabrechnungsbogen oder ein Kostenrechnungssystem – das zu erstellen ist ein dankbares Thema, aber es setzt programmiertechnische Fähigkeiten, theoretisches Grundwissen und Freude an der Arbeit des Controllers voraus. Wenn Sie das nicht haben, wäre es ein großer Fehler, sich von einem Geschäftsführer, der so was von Ihnen will, überreden zu lassen!

Enge Abstimmung mit Auftraggebern

Wenn man sich entschließt, ein im Betrieb abstehendes Thema zu bearbeiten, oder sonst die Arbeit für einen Arbeitgeber oder Kooperationspartner einen konkreten Nutzen stiften soll, dann ist es stets erforderlich, sich hinsichtlich des Themas, der Grob- und Feingliederung und eventueller weiterer Inhalte (zu erstellende Software, Datenbanken, Grafiken, Webseiten usw.) stets und eng mit den Auftraggebern abzustimmen, denn diese sollen nachher einen Nutzen unmittelbar erleben, und eine entsprechend gute Note verteilen. Die allgemeinen Ratschläge in meinem Text "Der Zettel-Student im Finale" und die Erfolgstips für Studien- und Diplomarbeiten des BWL-Boten reichen zumeist nicht als Vorbereitung. Da viele schriftliche Hausarbeiten mündlich verteidigt werden müssen, ist übrigens auch eine angemessene Vorbereitung auf die entsprechende mündliche Prüfung relevant.

Nutze, was Du schon hast!

Wer sein Bücherregal, seine sicher zahlreich vorhandenen Zettelkästen oder Loseblattsammlungen, früheren eigenen Aufzeichnungen oder seine Festplatten durchforstet, findet manchmal erstaunliche Dinge: schon früher geschriebene eigene Arbeiten, fremde Untersuchungen, Datensammlungen, Studien, Dateien aus dem Internet oder manchmal sogar eine BWL CD – Material, das halt so herumlungert. Vieles davon ist brauchbar und erleichtert die Arbeit ungemein – womit nicht gemeint ist, daß man ein vorhandenes Werk abschreiben soll (das wäre ein Plagiat, und kann zu einem "Durchgefallen" führen, wenn es aufgedeckt wird), aber kann diezündende Idee enthalten, die man dann im eigenen Werk ausbaut und verwendet.

Langfristige Kampagnentätigkeit

In diesem Zusammenhang ist bedeutsam, daß die kurzfristige Literaturrecherche am Anfang eines oft knapp bemessenen Zeitraumes für eine solche Arbeit oft nichts richtig Durchschlagendes erbringt, und die besten Werke vielleicht nur über Fernleihe zu haben sind und erst ankommen, wenn man mit der Arbeit schon fast fertig sein soll. Das ist besonders ein Problem all derer, die an kleinen Einrichtungen studieren, deren Bibliotheken oft große Lücken aufweisen. Daher ist es eine gute Idee, bestimmte Themen, die man vielleicht mal bearbeiten will, schon lange vor der eigentlichen Bearbeitungszeit im Auge zu behalten, und Quellen zu sammeln – selbst wenn das zunächst keinen praktischen Nutzen hat. Natürlich heißt das, daß man sich vorher schlaumachen soll, was man später so alles zaubern muß: in der Studienordnung steht sicher drin, wann man was für eine Studienarbeit abgeben muß, und natürlich wann. Aus dem gleichen Grund ist es sinnvoll, mögliche betriebliche Anforderungen frühzeitig zu erforschen und sich daran zu orientieren – was zudem übrigens der eigenen Karriere nach dem Studium dienlich sein kann, denn man ist dann als umtriebiger und gutorientierter Mitarbeiter schon bekannt und bei den Verantwortlichen beliebt.

Studienarbeiten bei Bildungsfirmen

Während die oben gegebenen Ratschläge eher allgemein sind, gibt es bei Bildungsfirmen oft eine etwas andere Situation. Solche Unternehmen verstehen manchmal nichts von den Themen, die sie unterrichten. Dies ist ein Negativmerkmal bei der Wahl des Unternehmens, und sie sollten Firmen meiden, bei denen es so ist, oder sich ggfs. einen kompetenten externen Partner suchen, was wiederum im Rahmen eines Praktikums möglich ist. Andere Bildungsfirmen verfolgen eigene Zwecke mit den Arbeiten ihrer Teilnehmer, etwa die Erstellung ihrer eigenen Datenbanken oder QM-Handbüchern. Sie werden damit zu einem kostengünstigen, d.h., zumeist kostenlosen Mitarbeiter, und sparen Ihrer Bildungsfirma viel Geld, weil solche Arbeiten sehr kostspielig sind, wenn sie an externe Berater vergeben werden. Überlegen Sie sich vorher, inwieweit Sie ggfs. zu einer solchen Kooperation bereit sind, oder ob Sie dies als unfair oder Ausbeutung empfinden, und es grundsätzlich ablehnen, denn dauernder Ärger und Frustration sind kein guter Ratgeber beim Schreiben des Werkes.

Austausch mit Leidensgenossen

Schließlich ist es immer nützlich, sich über die eigene Situation mit "Leidensgenossen" auszutauschen. Das Forum für Betriebswirtschaft ist ein besserer Ort dafür, als mir persönlich eine Mail zu schreiben, weil sie dort mehr Meinungen hören können. Natürlich ist es erlaubt, anonym zu posten, und kostenlos ist es ohnehin – nur hoffentlich nicht umsonst 😉 Bedenken Sie auch, daß besonders im Licht der eingangs gegebenen Ratschläge ein wirklich guter Tip eigentlich nur von jemandem kommen kann, der Sie persönlich gut und seit langer Zeit kennt, und möglichst auch von der inhaltlichen Seite was versteht. Sprechen Sie über die Themenwahl also auch mit Ihnen nahestehenden Personen, nach Wahl Eltern, Kollegen, Freunde, Liebespartner oder wer Sie und den jeweils relevanten Fachbereich noch gut kennen mag. Eine solche Fremdbeurteilung Ihrer Person und Ihrer Fähigkeiten kann Ihnen unter Umständen nützliche Einsichten vermitteln.

Links zum Thema

Forum für Betriebswirtschaft | Gravierende Schwächen in Studien- und Diplomarbeiten: wie man es nicht machen sollte | Erfolgstips für Studien- und Diplomarbeiten | Überlebensstrategien für die mündliche Prüfung | Hinweise zur Erstellung von Studienarbeiten | Die BWL CD (interne Links)

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