Verlogener Aufschrei über neue Euthanasievorschläge in Deutschland

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Die Idee einer zum Teil drastischen Rationaierung medizinischer Leistungen für Alte hat gestern für einen Aufschrei quer durch die Republik gesorgt. Hintergrund ist die Anfang der Woche vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Friedrich Beyer erhobene Forderung, aufwendige und kostspielige Behandlungsmethoden wie Transplantationen oder Dialyse älteren Kassenpatienten aus Kostenersparnisgründen zu verweigern. Nur noch schmerzlindernde Behandlungen sollten übernommen werden, nicht mehr aber lebensverlängernde Behandlungsmethoden.

Horst Seehofer, ehemaliger Gesundheitsminister unter Helmut Kohl, verurteilte den Vorschlag als "Verrückt"; Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe bezeichnete den Vorschlag als "Euthanasie unter anderem Vorzeichen" und sprach vom "Ökonomisierungswahn im Gesundheitswesen". Und die kassenärztliche Bundesvereinigung bezeichnete Beyers Vorschlag als "unethisch".

Dagegen hören wir vom katholischen Theologen Joachim Wiemeyer, daß nunmal nicht alle Maßnahmen für jeden finanzierbar wären und medizinische Leistungen daher vorwiegend für Jüngere bereitgestellt werden müßten. Und Wiemeyer ist nicht irgendwer, sondern Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Bochum und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sozialethiker. Ein Theologe befürwortet also beispielsweise die Verweigerung von Dialyseleistungen und damit die Euthanasie der Alten?

Vielleicht liegen solche Vorschläge doch mehr im Trend ("Zeitgeist"), als es auf den ersten Blick den Anschein zu haben scheint. So haben beispielsweise die Vereinten Nationen Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre das Insektizid Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan, besser bekannt als DDT, unter dem Ökovorwand verboten, es sammele sich in der Nahrungsmittelkette an, deren Ende bekanntlich der Mensch bildet, und schade zudem Vögeln und Fischen. Die segensreiche Substanz hatte bis zu ihrem Verbot die Malariamücke und mit ihr die todbringende Krankheit schon fast ausgerottet; auch die Cholera und Fleckfieber ließen sich mit diesem Stoff wirksam bekämpfen. All diese Krankheiten sind jetzt wieder auf den Vormarsch, und haben seit dem Millionen von Menschenleben gekostet. Nur daß es hierüber nie einen Aufschrei gab. Warum eigentlich nicht?

Wenn jemand vorschlägt, alten Diabetikern mit Nierenversagen die Dialyse zu verweigern, was einem Todesurteil gleichkommt, gibt es einen Aufschrei; wer aber ein wirksames Malariamittel verbietet, weil es angeblich der Umwelt schadet (obwohl bis heute kein einziger Fall einer chronischen DDT-Vergiftung nachgewiesen wurde, also das Argument, das zum Verbot verwendet wurde, schlüssig widerlegt ist), der stößt das auf allgemeinen Beifall – selbst dann, wenn in den vergangenen 30 Jahren auf diese Art möglicherweise mehr Menschen umkamen als einst in den Gaskammern.

Ja sind wir eigentlich verrückt geworden? So selektiv ist unsere Wahrnehmung offenbar schon: die Alten umbringen darf man – noch? – nicht, aber die viel zu vielen Menschen in der sogenannten Dritten Welt an Malaria sterben lassen, ist ohne Zweifel eine umweltfreundliche Tat. Millionenfacher Mord zum Schutz der Vögel und Fische ist politisch korrekt, aber Euthanasie zur Kostendämpfung im Gedunsheitswesen ist es noch nicht – in was für einer Republik leben wir eigentlich?

Kann es sein, daß wir das, wovon am meisten schwadroniert wird, am wenigsten haben, daß also Menschlichkeit, Freiheit und Demokratie Begriffe sind, die man – bewußt oder nicht – so oft öffentlich gebraucht, weil gerade diese hohen Güter sowenig vorhanden sind wie Frieden und Sozialismus in der ehemaligen DDR?

So weit ist es also schon mit der Ökodiktatur.

Pfui Teufel!

Links zum Thema: Zitatesammlung zum politischen Ökologismus | Kofi Annan, der Hunger und die "Treibhausgase" (interne Links)

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