Betriebswirt IHK: Bericht zur Herbstprüfung im Fach "Qualitätsmanagement"

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Vom Erstprüfer habe ich heute den Aufgabensatz, die offiziellen Lösungsvorschläge der Kammer und die Exemplare "meiner" Teilnehmer zur Zweitkorrektur erhalten, und ich nehme dies zum Anlaß, einen kleinen Bericht über die Prüfung zu veröffentlichen. Weitere Berichte zu den anderen Fächern, in denen ich Prüfer bin, werden folgen. Selbstverständlich bleibt der Datenschutz gewährt, d.h., persönliche Details werden verschwiegen. Aber auch das, was ich nicht verschweige, ist sicher interessant für die, die es noch vor sich haben.

Prüfungsinhalt

Die Prüfung besteht aus einer kurzen Fallstudie (ganze 7 Textzeilen) und nachfolgend sechs Aufgaben. Das Ganze paßt auf gerade anderthalb A4-Seiten und ist knapp und knackig.
Die Situationsschilderung stellt dar, daß ein Unternehmen verschiedentlich auf die Umstellung von ISO 9000:1994 auf ISO 9000:2000 angesprochen wurde und die Aufgaben behandeln diese Umstellung.

Aufgabe 1

Hier soll der Teilnehmer die unterschiedlichen Ansätze der beiden Normversionen nennen (4 Punkte) und das Grundmodell der 2000er-Normrevision darstellen, am besten graphisch (16 Punkte). Das sollte kein Problem sein, und ein ordentlicher Dozent sollte die ISO-Grafik präsentiert haben – Sie wissen schon, die mit Messung, Analyse, Verbesserung und dem Management der Mittel.

Aufgabe 2

In dieser Aufgabe sollen zehn Elemente der alten Normversion benannt und den Abschnitten der neuen Normversion zugeordnet werden – eine klassische Auswendiglernfrage, für die es zudem satte 20 Punkte gibt. Besitzer der BWL CD kennen sicher mein Skript, das eine detaillierte Gegenüberstellung der beiden Normversionen enthält; aus meinem eigentlichen ISO 9000 Skript hatte ich die alte Normversion wegen Veraltens gerade verbannt. Bedenkt man, daß der Umstellungsprozeß inzwischen in den Betrieben weitgehend abgeschlossen ist, würde ich diese Frage mindestens problematisch finden…

Aufgabe 3

Hier wird für 5 Punkte nach Visualisierungsmethoden zur Darstellung prozeßorientierter Abläufe gefragt und 15 Punkte bringt eine Projektübersicht über die Schritte zur Umstellung auf die neue Normversion – wer weiß noch gleich die Seitenzahl im IHK-Textband, wo das steht? Intensive Beschäftigung mit dem IHK-Material zahlt sich hier aus, oder ersatzweise eine entsprechende blühende Phantasie, die sicher mindestens in der zweiten Frage einige der Punkte bringt, denn die Lösungsvorschläge dazu gehen nicht über den gesunden Menschenverstand hinaus. Das Flußdiagramm wäre es übrigens gewesen – darüber, ob die Symbole nach DIN 66001 verwendet werden sollen, läßt sich der Lösungssatz nicht aus, so daß ich beim Bewerten nicht darauf achten werde.

Aufgabe 4

Hier geht es um das Ishikawa-Diagramm, das, wohl um Problemen vorzubeugen, auch mit seinem deutschen Namen als Ursache-Wirkungs-Diagramm erwähnt wird, und man soll eines zeichnen und die Vorgehensweise bei dieser Technik erläutern – zusammen 15 Punkte. Kein Problem, oder?

Aufgabe 5

Für 10 Punkte sollen in dieser Aufgabe fünf Schulungsmaßnahmen genannt werden, die im Zusammenhang mit der Umstellung auf die neue Norm sinnvoll sind: Schulungsthemen wie Qualitätsbewußtsein, PDCA, Beanstandungsmanagement, Messung von Kundenzufriedenheit oder einfach die neuen Norminhalte lösen schon die Aufgabe.

Aufgabe 6

Zuletzt soll der geplagte Teilnehmer schließlich für 5 Punkte fünf TQM-Merkmale nennen und den kontinuierlichen Verbesserungsprozeß für 10 Punkte an fünf Merkmalen erläutern – sollte auch nicht das Problem sein.

Wo ist das Problem?

Wenngleich auch auswendig zu lernende Elemente enthalten sind, so macht diese Prüfung doch nicht die Fehler, die der BWL-Bote in seinem Beitrag vom 25. September 2001 mit Bezug auf eine frühere Prüfung kritisiert hat. Insgesamt bestätigen die Aufgaben meine Prognose, daß man die IHK-Textbände gelesen haben muß, um zu bestehen; nach wie vor lassen sich aber eine Zahl von Aufgaben auch mehr oder weniger mit gesundem Menschenverstand (und allgemeinen Grundkenntnissen im QM-Bereich) lösen.
Die so ausgeprägte Forderung von Kenntnissen der alten Normversion wurde schon unmittelbar nach der Prüfung von Teilnehmern zu Recht kritisiert. Bedenkt man, daß der Re-Zertifizierungszyklus 3 Jahre beträgt, sollte es inzwischen mit der 1994er Normenfassung vorbei sein – ich hatte sie deshalb ja im Sommer aus meinem Skript rausgeworfen. Das jetzt nochmal aufzuwärmen, ist wenig fair – aber auch ohne oder nur mit teilweiser Kenntnis der konkreten alten Normenelemente ist es ja auch noch zu schaffen. Und die grundlegende Gliederung der ISO 9000:2000 zu kennen, kann heute verlangt werden, denke ich. Und die Umstellung steht mit allen alten Normenelement im IHK-Skript – über dessen Relevanz ich mich ja auch schon mal ausgelassen hatte!
Die Zeit zur Bearbeitung der Aufgaben betrug 90 Minuten, was vielleicht etwas knapp bemessen ist – oder anders gesagt gefestigte Kenntnisse erfordert. Das könnte das einzige Problem sein, dem ein Prüfungsteilnehmer wirklich begegnet: wer einmal hängenbleibt und immer nervöser wird, dem läuft die Zeit davon. Man muß zumindest auf die Schlüsselbegriffe (TQM, Ursache-Wirkungs-Diagramm, Graphische Darstellungstechniken) auf Anhieb eine kognitive Antwort haben – sonst sieht's schlecht aus. Die hat man aber, wenn man den IHK-Textband goutiert hat – oder, ohne hier zu viel des Eigenlobes absondern zu wollen, wenn man mein QM-Skript (und die auf der BWL CD zu findende Gegenüberstellung beider Normenversionen) gelesen hat.

Meine Wertung

Das hätte gutgehen müssen. Es gibt schlimmere Herausforderungen; das hier war eine Einladung und keine Ablehnung. Der Antrag erfordert Fleiß, aber dann ist der Erfolg sicher… oder hätte sicher sein müssen!
Weitere Berichte folgen zu den anderen Prüfungen, in denen ich als Zweitprüfer auftrete. Schauen Sie einfach von Zeit zu Zeit in den BWL-Boten!

Mehr Ressourcen zum Thema Qualitätsmanagement

Mein Skript über QM (PDF, ca. 0,5 MB) | Kritischer Beitrag zu früherer QM-Prüfung | Die IHK-Textbände: Warum sie schlecht sind, weshalb man sie dennoch braucht und wo man sie herkriegt | Herbstprüfung 2002 Betriebswirt/IHK: Die Feedbacks der Prüfungsteilnehmer | BWL CD (interne Links)

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