Hallo Ringo,
Ringo schrieb
Ich bin nun 22 und habe seit meinem Studienbeginn im Okt. 2007 an der FH Nürnberg kontinuierlich sehr viel für die anstehenden Klausuren investiert, habe die meisten auch alle auf Anhieb bestanden, jedoch für den erbrachten Aufwand sind sie einfach m.E. zu schlecht ausgefallen.
Das geht vielen so. Viele Hochschulen legen es auch direkt darauf an, um eben gerade auch "auszusieben". Darüber hinaus hat man in so einem Studium die "Situation", dass es immer auch Leute gibt, die es schneller und auch besser können. Davon darf man sich aber nicht entmutigen lassen. Jeder ist und lernt v.a. anders. Das muss aber nicht heissen, dass nur solche "etwas mehr talentierten" Leute studieren sollten.
Ringo schrieb
Ich war immer in den Vorlesungen, habe weder neben meinem Studium gejobbt, hatte weder ne Freundin mit der ich viel Zeit verbracht hätte, noch
war ich groß auf Partys. Habe eigentlich tagtäglich wie verrückt gebüffellt.
Dann hast Du Dir schon einmal gar nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil, vielleicht solltest Du mal überlegen, ob Du die eine oder andere Sache nicht etwas "lockerer" angehen solltest. Man kann sich mit übertriebenem Eifer bzw. mit zu starken Selbstzweifeln (wenn man nicht ständig lernt) auch selber im Weg stehen.
Ringo schrieb
Mein Notendurchschnitt pendelt sich um die 2,5 ein. Nun gibt es Fächer bei denen Professoren eigentl jedem eine Eins geben und dies ist mir auch gelungen. Bei den anderen Fächern konnte ich aber oft nur eine 3 oder 4 erreichen und lag damit in der Notenverteilung ständig unter dem Durchschnitt. Eine elmentare Frage die ich mir aktuell stelle ist zB:
Hat man nach dem Studium mit einem 2,5-er Notendurchschnitt überhaupt wirkliche Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt??
Zunächst einmal muss man sehen, dass Noten zwar eine Rolle spielen, Ihnen aber auch nicht das Gewicht beigemessen werden sollte, wie es oft vor kommt. Im Rahmen einer Bewerbung kommt es auf sehr viele Faktoren an. So kommt es in puncto Noten v.a. auch darauf an, wo man studiert hat. Die Personaler wissen nämlich durchaus, dass eine Note 2 in München ganz anders zu bewerten ist wie eine Note 2 in Hamburg (z.B.). Will also heißen: Die Note wird nie absolut gesehen.
Darüber hinaus kommt es natürlich auch darauf an, und dies vielfach stärker, wie lange man studiert hat. Hat man relaitv fix studiert und dann eine Note zwischen 2,5 und 3,0, dann wird dies ebenfalls berücksichtigt. Hat man hingegen eine 1,... und dafür aber 15 Semester benötigt, dann wird sich der Personaler auch denken "Jo, das schaffen andere dann ja auch".
Drittens: Es kommt auch auf Deine Schwerpunkte an. Wenn Du in den Bereichen, die Du weniger stark vertieft hast, nicht so gut bist, dann wird das zwar auch zur Kenntnis genommen. Gleichwohl interessieren aber eher die Ergebnisse in dem Fachbereich, der dann auch beruflich relevant wäre. Das muss man auch schon im Studium berücksichtigen.
Ringo schrieb
Seit einem halben Jahr wohne ich mit einem neuen Mitbewohner zusammen, der soeben sein erstes Semester der BWL abgelegt hat. Er hat sich (im Gegensatz zu mir) 2 Wochen vor den Klausuren jeweils 4-5 Std am Tag darauf vorbereitet und hat als schlechteste Note 2,3 erhalten. Also überwiegend hat er nur Einsen abgesahnt!!!
Auch kenne ich einige Kommilitonen, die das Semester über nie in der Vorlesung waren, da sie Volllzeit arbeiten und haben die gleichen Noten wie ich! Das ist doch echt deprimierent!!!!!
Ja, auf den ersten Blick schon. Nur genau solche Gedanken darfst Du Dir einfach nicht machen. An einer Hochschule kommen die verschiedensten Leute zusammen und es einem sehr schnell gezeigt, dass es noch viele andere Menschen gibt, die einem
scheinbar im Lernen überlegen sind. Aber:
Diese Leute sind nicht Deine Benchmark. Du bist an der Uni und Du willst etwas lernen. Das ist etwas, was man sich am Anfang eines Studiums immer vor Augen führen muss. Es macht keinen Sinn, sich dadurch selbst zu belasten. Du musst Deinen eigenen Weg gehen und schauen, dass Du das erreichst, was Du dir vorgenommen hast. Jeder lernt da anders. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom.
Ringo schrieb
Das gab und gibt mir jetzt schon seit einigen Wochen deutlich zu bedenken und ich zweifle deshalb stark, dass ich auf dem richtigen Weg bin...
Im erste Semster war ich noch richtig euphorisch, versuchte ständig in den Vorlesungen mitzuwirken und mich mit einzubringen. Das ist aber seit dem zweiten und dritten Semester nicht mehr der Fall und ich verhalte mich sowohl im Studium als auch im Alltag teilweise total unkoordiniert.
Das ist auch in gewisser Hinsicht "normal". Eigentlich gehört auch das zum Studium. Man muss sich selbst organisieren können. Und da das viele direkt nach dem Abitur nicht können, kommen diese "Probleme" dann im Studium. Aber lass Dir gesagt sein: Auch das wissen die Personaler und auch darauf legen sie Wert. Wenn man so will, dann gehört auch das zu Deiner "Ausbildung". Solche Situationen wirst Du im späteren Berufsleben auch vorfinden und selber meistern müssen.
Ringo schrieb
Vorallem die jetztige Entscheidung ob ich weiter kämpfen oder das Studium eher abbrechen sollte, bereitet mir Sorgen und ich schieb das Problem eigentlich schon seit Wochen vor mich hin, anstatt mich damit wirklich auseinander zu setzten.
Was mir aber auch zu einem erheblichen Teil Probleme bereitet ist, dass ich mich nur fragmental an das, was ich in den letzten drei Semstern gelernt habe erinnern kann. Ist das normal??? Es ist manchmal auch so, dass ich einen Text lese und gar nicht weiß was ich eigentlich gelesen habe.
Zum ersten Frageteil: Das ist natürlich nicht so günstig. Du solltest Dich fragen, ob Du so weiter machen kannst und willst. Dabei kommt es aber mehr darauf an, festzustellen, ob man selbst mit der Situation noch klar kommt. Du darfst hierbei nicht überlegen, wie es im Verhältnis zu anderen aussieht oder wie man später (aus Personaler-Sicht) darüber urteilen könnte. Es geht nur darum zu prüfen,
ob Du selbst in der Lage bist, diesen Aufwand selber weiter tragen zu wollen/können.
Niemand hat gesagt, dass ein Studium leicht ist bzw. leicht sein soll. Wenn man ein paar Jährchen mal etwas mehr arbeiten muss, dann ist das sicher nicht schlecht. Gleichwohl darf es nicht auf die Psyche oder gar die Gesundheit durchschlagen.
Zum ersten Frageteil: Geh mal hin und frage die Leute, die erst 3 oder 4 Wochen vor der Klausur anfangen zu lernen, ob sie 2 Wochen nach der Klausur noch wissen, worum es ging und wie es ging.
Sehr viele lernen nunmal extrem für das Kurzzeitgedächtnis. Es geht darum eine Klausur mit möglichst wenig Aufwand zu bestehen bzw. gur zu bestehen. Unsere Hochschulen legen es dabei auch nahezu darauf an, dass alles so kurzfrisitig gelernt wird bzw. gelernt werden muss.
Darüber hinaus benötigt man vieles von dem, was man im Studium für eine Klausur gelernt hat, später nicht mehr. Von daher muss man das auch relativiert sehen.
Wichtig ist eben, dass man sich ein paar Basics merkt, damit man später auch in ganz grundlegenden Diskussionen bzw. Überlegungen mitmachen kann. Also so das wichtigste aus den Fächern "Grundzüge ...". Ferner sollte man in seinen Spezialisierungen fit sein. Das kommt aber automatisch, wenn man sich mal einige Zeit damit beschäftigt.
Ringo schrieb
Für Lebensunterhalt und Studiengebühren muss ich komplett selbst aufkommen und da ich nun schon fast gut die Hälfte des Studienumfangs abgeleistet habe (das Ersparte sich aber auch solangsam dem Ende zu neigt), mir aber absolut nicht sicher bin ob ich wirklich richtig am Platz bin, stecke ich wirklich in einer kniffeligen Situation ob ich weiterhin Geld, Zeit und Arbeitsaufwand in mein Studium oder doch eher in eine betriebl. Ausbildung investieren sollte.
Okay, das macht es natürlich nicht leichter. Ich fürchte aber, dass Dir diese Entscheidung keiner abnehmen kann. Gleichwohl bist Du noch jung genug, um einen Wechsel zu starten. Dabei würde Dein bisheringer Werdegang aber nicht negativ ausgelegt werden. Im Gegenteil.
Dennoch: Gehe in Dich und frage Dich, ob Du es nicht doch mit einer Fortsetzung versuchen willst. Ein Studium ist heute wichtiger denn je. Darüber hinaus bieten sich dadurch wesentlich mehr Möglichkeiten.
Du solltest mal alles was bisher gewesen ist analysieren und Dir dann überlegen, ob Du so noch eine Weile weitermachen willst. Dann solltest Du Dir auch jetzt schon mal Gedanken darüber machen, was Du später machen willst. Wenn man nämlich ein festes Ziel hat, dann lernt es sich oftmals leichter weil eine ganz andere Motivation dahinter steckt.
Nach dem Grundstudium wird es meistens aber sowieso etwas "leichter", weil man dann eben viel gezielter lernt und mehr und mehr das macht, was einen wirklich interessiert.
Ringo schrieb
Desweiteren müsste ich mir auch einmal Gedanken machen wohin ich will, welche Schwerpunkte mich interessieren. Leider bin ich auch hier im wahrsten Sinne des Wortes total planlos.
Das ist schlecht

Damit solltest Du aber auf jeden Fall anfangen und dies auch nicht mehr länger aufschieben. Was würde Dich denn so ganz grundsätzlich interessieren ?
VG
Sebastian