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Verbrauchsfolgebewertung: warum man LIFO unterlassen sollte

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flying Horst
Gast
Der hier: http://www.bwl-bote.de/20090227.htm

Ein paar kritische Meinungen von mir:

Zitat
Wir vergegenwärtigen uns jetzt, daß LIFO ja Last In First Out bedeutet, was zuletzt ins Lager hineingeht, das kommt zuerst wieder heraus. Umgekehrt bedeutet dies aber, das was am Anfang schon im Lager lag, am Schluß noch bewertet wird.
- So und nicht anders. Ganz genau. Das bedeutet aber auch, wenn man steigende Preise (Inflation etc.) mit bedenkt (OK: das mag nicht immer und überall zutreffen), dass eben ceteris paribus die günstigeren Güter noch auf dem Lager liegen.

Somit sinkt das Umlaufvermögen wertmäßig. Ein plumpe Bilanzanalyse könnte also schicker aussehen: "Hey der hat wenig auf Vorrat! Das ist ein guter "Justin Timer"!" :wink: - Der Unternehmer könnte also Interesse an LIFO haben.


Desweiteren muss ich auf das hier Eingehen:
Zitat
Am Monatsschluß am 27. Februar sind aber noch 390 Stück vorhanden. Diese müßten sich also aus dem Anfangsbestand i.H.v. 100 Stück und einem Teil von 290 Stück des ersten Zuganges im Umfang von insgesamt 500 Stück zusammensnetzen. Das aber kann offensichtlich nicht zutreffend sein, weil das Lager ja nach dem Datum des 1. Zuganges mindestens ein Mal völlig leer war. Tatsächlich ist also kein einziges Exemplar aus dem Anfangsbestand oder aus dem 1. Zugang vom 9. Februar am 27. Februar noch vorhanden.

Die LIFO-Methode kann also keinesfalls richtige Ergebnisse erbringen, auch dann nicht, wenn formal richtig gerechnet wird.


Die Zahlenwerte sind mir klar und ich verstehe die Problematik und auch den Ansatz, dass die Bilanz möglichst realitätsnah sein sollte. Wenn aber allein schon eine vereinfachende Methode herangezogen wird, dann ist es doch vorprogrammiert, dass da eben Unterschiede zur Realität, eben genau so einer, wie du ihn beschrieben hast, auftreten. Ich nämlich würde dann die fehlenden Stück durch die nachfolgenden Bestände ergänzen, also immer im Datum ein Schrittchen weitergehen und diese Zwischenbestände solange aufaddieren, bis eben der Schlussbestand i.H.v. 390 Stück erreicht ist. So haben wir das jedenfalls immer auf der FH gemacht. (Sag jetzt nicht, das man das nicht darf, dann dreh ich am Rad!!!)

Desweieteren kann LIFO sehr wohl die Realität abbilden. Beispiel Baumarkt mit den riesigen Sandhaufen, womit sich der Endverbraucher seinen Anhänger vollladen kann und den Krempel für Sandkasten oder eine Strandterasse verwendet. Dort ist irgendwie ganz häufig der Anfangsbestand da. Sand gammelt nicht.

Ich freue mich auf heitere Antworten!

Gruß,
Mario
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Hi,

Zitat
Desweieteren kann LIFO sehr wohl die Realität abbilden.


Ja, kann. Dieses kleine Wort macht einen wesentlichen Unterschied, denn wenn kurz nach Periodenbeginn das Lager leer (oder kleiner als am Schluß) ist, dann stimmt es eben nicht mehr. Oder anschaulicher: wenn der große Kieshaufen im Laufe des Jahres ein mal weg war, dann sind die am Schluß liegenden Steinchen eben nicht mehr die, die am Anfang schon da waren. Dann ist LIFO rein fiktiv. Das ist das Problem, das der Artikel zeigen soll... und es ist, warum das in IAS 2 schon vor ein paar Jahren abgeschafft wurde...
flying Horst
Gast
Naja ich bin eh dafür nach der Durchschnittsmethode zu rechnen und das verpflichtend für alle zu machen. Ohne jetzt nachgedacht zu haben: Würde gegen eine solche zwanghaft eingeführte Durchschnittsmethode (ich rede jetzt nicht von irgendwelchen Schmierölen für Maschinen, die nur alle 3 Jahre einer Inventur unterzogen werden müssen) irgendetwas sprechen?
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Hmmm... mindestens spricht eine Menge dagegen, in einem Regelwerk eine Methode zuzulassen, die in einem anderen gleichermaßen und gleichzeitig geltenden Regelwerk verboten ist. Ein einheitliche Festlegung auf eine Methode ist mE nach unbedingt falsch; durch den Widerspruch zwischen Handels- und Steuerrecht passiert das faktisch ohnehin schon. FIFO ist andererseits bei verderblichen Güternsinnvoll...

Ach ja, der LIFO-Artikel: das war übrigens (mit etwas anderen Zahlen) eine Klausuraufgabe. In einer Klausur, die heute geschrieben wurde :-)
flying Horst
Gast
Hahahahah bist du "fies".

Ich fordere außerdem die Gleichbehandlung von Handels- und Steuerbilanz!

Ich habe das schon immer für äußerst bürokratisch empfunden. Eine Steuerbilanz? Mal ganz ehrlich? Braucht man sowas? Nein! Meiner Meinung nach ist das Thema externes Rechnungswesen teilweise echt mit Ausnahmeregelungen und einem Wust aus Gesetzen völlig überfrachtet. Man kann meiner Meinung nach vieles Vereinfachen. Einfach Durchschnitt für alle oder konkrete Einzelbwertung. FIFO hin, FIFO her, LIFOLOFOHOFO bla bla bla - grade das sollen Vereinfachungen sein? Das mochte stimmen in Zeiten, als die EDV noch in den Kinderschuhen steckte.
Heute aber ist das alles kein Problem mehr.
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Moin,

Zitat
Eine Steuerbilanz? Mal ganz ehrlich? Braucht man sowas? Nein!


Richtig. Steuern zu zahlen ist eigentlich auch überflüssig. Ich habe schon mal Steuern bezahlt, und es hat mir nicht gefallen :-(

Zitat
Ich fordere außerdem die Gleichbehandlung von Handels- und Steuerbilanz!


Nirgendwo ist der Unterschied in den Zwecken der Bilanzierung größer als zwischen Handels- und Teuerbilanz, zwischen Offenlegung und Kapitalmarktwerbung auf der einen Seite und staatlicher Einnahmeerzielung ("Abzocke") auf der anderen. Andernorts, z.B. in den IFRS oder auch in US-GAAP, wird daher schon gar nicht mehr versucht, ein Maßgeblichkeitsprinzip zu installieren, und in Deutschland ist dieses 1999 mit der Verschröderung des Steuerrechts faktisch verloren gegangen, und mit dem BilMoG wird es vermutlich formal abgeschafft.
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@Trennung Steuer/Handelsbilanz: Maßgeblich für die Steuerbilanz ist die Handelsbilanz, so where is the big problem, dude?

@Steuern zahlen: War das jetzt grundsätzlich? Grundsätzlich GEGEN Steuern oder in der HÖHE?

Falls grundsätzlich: Mit der Spezies Mensch unvereinbar, bevor wir eine Gesellschaft von Freien haben, bekommen wir DDR 3.0 (2.0 ist ja momentan dank Onlineüberwachung etc.).
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Hi,

Zitat
@Trennung Steuer/Handelsbilanz: Maßgeblich für die Steuerbilanz ist die Handelsbilanz, so where is the big problem, dude?


Das große Problem liegt daran, daß dieses Prinzip eben kaum mehr als eine Theorie ist – gerade an der widersprüchlichen Regelung hinsichtlich Verbrauchsfolgebewertung gut zu sehen. Es ist daher ehrlicher, und letztlich auch besser, gleich zwei separate Regelwerke zu machen und die Reste der Maßgeblichkeit zu entsorgen. Genau dahin geht ja auch die Reise...

Zitat
@Steuern zahlen: War das jetzt grundsätzlich? Grundsätzlich GEGEN Steuern oder in der HÖHE?


Bitte mal den Seitenquelltext angucken. Da gibt es einen <IRONIE>neuen HTML-Tag</IRONIE> 8)
flying Horst
Gast
"HZingel" schrieb
Hi,

Zitat
@Trennung Steuer/Handelsbilanz: Maßgeblich für die Steuerbilanz ist die Handelsbilanz, so where is the big problem, dude?


Das große Problem liegt daran, daß dieses Prinzip eben kaum mehr als eine Theorie ist – gerade an der widersprüchlichen Regelung hinsichtlich Verbrauchsfolgebewertung gut zu sehen. Es ist daher ehrlicher, und letztlich auch besser, gleich zwei separate Regelwerke zu machen und die Reste der Maßgeblichkeit zu entsorgen. Genau dahin geht ja auch die Reise...


Ja und deswegen wird die ganze Chose noch deutlich verkompliziert. 2 verschiedene Regelwerke! WOZU?? Ich habe das schon immer als hochgradig lachhaft empfunden. Das kann man auch deutlich unbürokratischer Regeln.

Zitat
Zitat
@Steuern zahlen: War das jetzt grundsätzlich? Grundsätzlich GEGEN Steuern oder in der HÖHE?


Bitte mal den Seitenquelltext angucken. Da gibt es einen <IRONIE>neuen HTML-Tag</IRONIE> 8)


Bitte einmal in meine Signatur gucken!

In jedem Verein entscheiden die beitragszahlenden Mitglieder, was mit der Kohle passiert. Da herrscht zumindest eine ganz andere Kommunikation. Und was passiert mit unserem Steuergeld? Kriege werden bezahlt, die Politker können sich den Arsch mit Blattgold abwischen etc.
Steuern bzw. besser gesagt ABGABEN sind daher sinnvoll, aber nicht so, wie es in Deutschland gehandbat wird. Mein Bruder ist Dipl. Inf. und der ärgert sich schwarz über die Hohe Steuer/Abgabenlast. Leistung wird bestraft - Stichwort Steuerprogression. Daher sage ich: die Progression sollte zu 90% abgeschafft werden. Niedrigsteinkommen sollten bis zu 1000€ monatlich erst gar nicht besteuert werden :wink:

Aber lasst uns das jetzt nicht ausufern! Hier ging es ja um LIFO etc.

Mit dem Ansatz, dass die Preise steigen, ist LIFO (= das erste, also billigste ist noch da) für den Staat eh doof, da eben das Vermögen kleiner ist und man so nicht so viel aus dem Unternehmen raus- bzw. erpressen kann!
:twisted:
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„Wie viel Last hätten’s denn gerne und wie viel First darf ich noch zurücklegen…?“
Diese Frage stellt sich mir, wenn ich verstehen will, wann Last anfängt und First aufhört. :roll:

Gruß
Raffnix :wink:
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@Horst,

Zitat
Ja und deswegen wird die ganze Chose noch deutlich verkompliziert


Die Intentionen der beiden Bereiche sind so unterschiedlich, daß sie sich mE nach nicht unter einen Hut bringen lassen. "Halbe" Sachen (wie die gegenwärtige Scheinmaßgeblichkeit) sind da unklarer und unlogischer als gleich ganz getrennte Regelwerke. Sicher, bürokratisch ist das schon, aber wneigstens logischer und weniger mit Problemen befrachtet.

@Raffnix

Zitat
„Wie viel Last hätten’s denn gerne und wie viel First darf ich noch zurücklegen…?“


Das verstehe ich nicht... was soll diese Frage?
flying Horst
Gast
Das mit den Intentionen ist schon klar und wirklich ein Problem. Aber dann wirklich gleich 2 völlig unterschiedliche Regelwerke, sodass man nicht lang überlegen muss und sich effektiver einsetzbare Zeit spart, wenn man denn die Steuerbilanz erstellt.
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Beiträge: 25
Hallo Harry.
Sorry!
Verzeih meine flapsige Art Fragen zu stellen… :oops: :?
Steh ein bisschen auf’m Schlauch, was die Festlegung der Bestände angeht, die zuletzt reingegangen („Last in“) und die zuerst rausgegangen („First out“) sind.
Wo macht man die Grenze?
Horst sprach was von „aufaddieren bis es passt…“
Ich brauch hier (auch) mehr Details…

Gruß
Raffnix :)
Mitglied
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Was heißt hier "wo macht man die Grenze"? Das sind zwei Methoden, die einander völlig ausschließen. Es gibt keine irgendwie variable Abgrenzung!
flying Horst
Gast
Harry hatte insofern Recht, als das Lager irgendwann wirklich mal leer war und LIFO in so einem Fall den GOB widersprechen würde.

Aber wir haben dieses Problem umgegangen, in dem wir aus den chronologisch nachfolgenden Bestände hinzuaddierten. Somit also die Tatsache, dass das Lager mal leer war übergangen sind.

Ist das etwa nicht zulässig?
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Hallo Harry.
Hallo Horst.
Um mein reines Lifo-Problem griffig zu machen, beziehe ich mich jetzt mal direkt auf die BWL-Boten-Aufgabe.
Hier sind Lagerzugänge von 1.900 Stück vom 06.02.2009 bis 27.02.2009 eingetragen. Diese ergeben mit dem Eröffnungsbestand 2.000 Stück.
Entnommen werden hiervon in der Zeit vom 05.02.2009 bis 23.02.2009 ganze 1.610 Stück. Endbestand demnach 390 Stück.

Was bedeutet hierbei zuletzt reingekommen („Last in“)?
Sind das die Teile nur vom 27.02.2009 oder auch vom 20.02.2009 oder die kompletten Zugänge vom 06.02.2009 bis 27.02.2009?
Das gleiche Problem habe ich bei den zuerst rausgenommenen („First out“)!
Ein Grundsatzverständnisproblem zum Lifo-Verfahren für mich (zurzeit) sozusagen.

Ich hoffe jetzt ist das angerichtete Chaos nicht perfekt!

Gruß
Raffnix
aus dem Tal der Ahnungslosen… :roll: :? :)
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Hi,

Zitat
Was bedeutet hierbei zuletzt reingekommen („Last in“)?


Na das steht doch schon in der Frage? Ich verstehe nicht, was hier unklar sein kann? Last in heißt "zuletzt reingekommen". Was kann daran unklar sein?

Zur grundlegenden rechenweise, bitte http://www.zingel.de/zip/07fifo.zip angucken. Bei FIFO wird der Schlußbestand in der Liste von unten nach oben und der Aufwand von oben nach unten gerechnet; bei LIFO ist der Schlußbestand in der Liste von oben nach unten und der Aufwand von unten nach oben zu rechnen.

In dem Artikel wäre der LIFO-Schlußbestand also 100 x 5 + 290 x 5,2 und der FIFO-Schlußbestand wäre 300 x 6,9 + 90 x 6,3.

Die Hauptkritik an LIFO ist ja gerade, daß wenn das Lager zwischendurch mal leer war (was hier der Fall ist), die Bewertung der Anfangsmengen als Schlußbestand immerfiktiv und damit falsch ist.

Das ist auch in http://www.zingel.de/pdf/07disp.pdf visualisiert.
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Die Klausur, in deren Zusammenhang das hier stand, ist jetzt in http://www.zingel.de/showcase.htm veröffentlicht worden. Wer will, kann sich daran versuchen ;-) Die Publikation im Showcase ist vorübergehend und endet voraussichtlich im Laufe des Monats März.
flying Horst
Gast
Die hab ich mir gesaugt, die Klausur.

Zitat
Definieren Sie mit wenigen Wirten den Begriff des
„weichen“ Standortfaktors, und nennen Sie ein praktisches Beispiel.


:P :P :P :P :P :P :P :P :P
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Ups! Jetzt sehe ich Klara.
Ich glaube, ich war heute Mittag noch medium und nicht ganz durch…
Gut, dass das keiner mitgekriegt hat…

Verlegen grüßt
Raffnix :oops: :lol:
flying Horst
Gast
Solange du jetzt mehr raffst als nix, Raffnix, ist ja alles bestens!


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