Forum

berufliche Fortbildung vor dem AUS ?

Gesperrt

Seite: 1

Autor Beitrag
Mitglied
Registriert: Oct 2005
Beiträge: 54
Ort: überall und nirgends
Hi,
nachdem auch mit dem weiteren Konjunkturpaket auch ein Bildungsprogramm für die Zukunft beabsichtigt ist, das sich nur auf die Schulen und Hochschulen bezieht, frage ich mich: STEHT DIE BERUFLICHE FORTBILDUNG VOR DEM ENDGÜLTIGEN AUS?

Offensichtlich ist der Stellenwert auch der beruflichen Weiterbildung nicht nur in der Wirtschaft sondern ganz besonders in der Politik umstritten. Nachdem die Industrie- und Handelskammern schon keinen großen Wert auf zufriedene Kunden legen, förderd die Politik nun auch das generelle AUS.

Das einzige was in Deutschland wohl noch zählt ist die akademische Hochschulausbildung. Nur ich frage mich, wer soll in 10 oder 15 Jahren noch eine Wasserleitung reparieren oder Häuser bauen? Vielleicht kommt dann die Zeit, da wir nicht nur IT Fachleute aus Indien oder Osteuropa brauchen sondern auch bald Handwerker.

Thiemu
Mitglied
Registriert: Apr 2004
Beiträge: 7407
Ort: Erfurt
Hi,

der Niedergang der beruflichen Fortbildung ist ja schon seit Jahren im Gange. Die Arbeitsämter fördern schon seit längerer Zeit kaum noch Fortbildungsveranstaltungen, aber der ESF tut es noch (und ist von deutschen Befindlichkeiten weitgehend unbeeinflußt). Das öffentliche Image, das solche Maßnahmen genießen, ist llerdings nicht das beste. Hinzu kommt aber, daß das Klientel hier im Osten ein ganz anderes ist als im goldenen Westen. Die Struktur der Arebitslosigkeit unterliegt großen regionalen Unterschieden, oder politischer gesprochen, die deutsche Einheit ist noch lange nicht vollendet. So oder so...

Am Ende ist es doch nur die "neue" Variante einer alten Erkenntnis: Bildung ist in Deutschlang gering geschätzt. Man schwadroniert noch von der universitären Bildung, die freilich auch in einem Prozeß des Niederganges begriffen ist, aber in Wirklichkeit wird kaputtgespart. Das ist eine Erfahrung, die jeder Dozent macht...
Mitglied
Registriert: Jun 2004
Beiträge: 229
Ort: Bayern
"Thiemu" schrieb
Hi,
nachdem auch mit dem weiteren Konjunkturpaket auch ein Bildungsprogramm für die Zukunft beabsichtigt ist, das sich nur auf die Schulen und Hochschulen bezieht, frage ich mich: STEHT DIE BERUFLICHE FORTBILDUNG VOR DEM ENDGÜLTIGEN AUS?

Offensichtlich ist der Stellenwert auch der beruflichen Weiterbildung nicht nur in der Wirtschaft sondern ganz besonders in der Politik umstritten. Nachdem die Industrie- und Handelskammern schon keinen großen Wert auf zufriedene Kunden legen, förderd die Politik nun auch das generelle AUS.

Das einzige was in Deutschland wohl noch zählt ist die akademische Hochschulausbildung. Nur ich frage mich, wer soll in 10 oder 15 Jahren noch eine Wasserleitung reparieren oder Häuser bauen? Vielleicht kommt dann die Zeit, da wir nicht nur IT Fachleute aus Indien oder Osteuropa brauchen sondern auch bald Handwerker.

Thiemu


Das ist gut möglich. Berufliche Ausbildung im dualen System als notwendige Vorstufe zur beruflichen Fortbildung ist in vielen Unternehmen unerwünscht. Lieber holt man sich FH- oder Uni-Absolventen, deren Ausbildung ja der Steuerzahler bezahlt hat.

Gerade in den Stabs- und Verwaltungsabteilungen größerer Unternehmen (den „Kernbelegschaften“) ist oft schon eine Akademisierung bis runter auf Sachbearbeiter-Ebene gegeben. Auch wenn die Aufgaben dieser untersten Ebene problemlos auch von einschlägig ausgebildeten IHK-Beruflern gemacht werden könnte.

In der Produktion holt man sich dann für die sog. „Randbelegschaft“ lieber billige Leiharbeiter anstatt selber auszubilden. Gerade die Automobilindustrie setzt sich mit immer mehr Druck für 2-jährige Lehrberufe mit verminderten Anspruchsniveau ein. Diese Form der Ausbildung gab es bislang nur als Sonderform, um auch Lernbehinderten, die sonst in einer Behindertenwerkstatt gelandet wären, eine Ausbildung zu ermöglichen. Zusammen mit Rückschritten in der Arbeitsorganisation (Taylorismus statt teilautonomer Gruppenarbeit) sollen so austauschbare Belegschaften für global einheitlich organisierte Fabriken entstehen. Fertigungen, die man per „copy-n-paste“ überall aufbauen kann.

Berufliche Fortbildung macht aus austauschbarem Humankapital Experten mit individuellem Profil. Sowas stört die Abläufe in vielen Firmen nur und beeinträchtigt das Hierarchiegefüge. Das ist unerwünscht. Lieber wird im Chor über angeblichen "Fachkräftemangel" geklagt. Wenn Dummheit weh täte, wären das grausamste Schmerzensschreie.

Innovation findet dann eben woanders statt. Den Konzernen reicht es dann völlig solche Innovationsfirmen ggf. aufzukaufen. Selber machen und selber ins Risiko gehen ist da nicht erforderlich.
Mitglied
Registriert: Apr 2004
Beiträge: 7407
Ort: Erfurt
Das paßt gut hiermit zusammen:
http://www.bwl-bote.de/20090107.htm

Auch das ist so ein Symptom des Verfalls...
Mitglied
Registriert: Jan 2009
Beiträge: 95
Was mir persönlich momentan auffällt:

Ist das hochgelobte BA-Studium nicht im Endeffekt die gute alte Berufsausbilung in neuem Gewand?

Soviele Leute können doch gar nicht "studierfähig" sein, wie das Leute machen/machen wollen. Ich denke BA wird mit der Zeit, wenn es so weitergeht, die klassische Ausbildung immer mehr abdrängen - ohne dass das Niveau im Endeffekt steigt.
Mitglied
Registriert: Apr 2004
Beiträge: 7407
Ort: Erfurt
Hi,

es wäre zu überlegen, ob nicht zumindest im Bereich der Betriebswirtschaft jede Erstausbildung erstmal eine Berufsausbildung ist. Ich mißtraue der verbreiteten Wissenschaftsrhetorik, http://www.bwl-bote.de/20070508.htm. Betriebswirtschaft ist die Kunst der oberzielkonformen Unternehmensführung, und das ist keine Wissenschaft, sondern ein durch udn durch utilitaristisches Ding. Über Wissenschaft kann man erst viel später reden...

Daß aber möglichst jeder studieren soll, entspricht der Ideologie der Zeit, die die Hauptschule abschaffen will und nicht erkennt (odern iht wahrhaben will), daß die Hauptschüler dann halt an der Universität herumlungern - mit den entsprechenden Auswirkungen auf Niveau und Wert der Abschlüsse.
Mitglied
Registriert: Apr 2004
Beiträge: 7407
Ort: Erfurt
Ach ja, noch ein Nachsatz: "Berufsausbildung" ist ein Wort, das man nicht mit negativem Unterton verwenden sollte. Wenn ich sehe, was für Pfeifen manchmal in Führungspositionen herumhängen, dann frage ich mich, ob die Ausbildungen früher wirklich besser waren... ohne eine ordnungsgemäße Ausbildung sollte niemand einen höheren Bildungsweg einschlagen. Das wäre gerade der Vorteil der Kammerlehrgänge gewesen, doch leider leiden die an den vielen unseriösen Anbietern und den nicht minder zahlreichen Fehlern der Kämmerlinge in Prüfungen und Lehrmaterial...


Gesperrt

Seite: 1

Parse-Zeit: 0.0811 s · Memory usage: 1.48 MB · Serverauslastung: 1.43 · Vorlagenbereich: 2 · SQL-Abfragen: 8