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Archiv für die Kategorie ‘Unternehmensführung’

Die Organisation eines Profitcenters

Donnerstag, 11.03.10 10:01
Serienteil 1 von 1 in der Serie Profitcenter - Von der Theorie in die Praxis

1. Profitcenter-Konzept

Der Center-Gedanke hat in der Betriebswirtschaft eine lange Tradition. Im Laufe organisatorischer Veränderungen von Unternehmen entstand in den letzten Jahrzehnten ein dezentrales Steuerungsverständnis, um auf veränderte Kundenbedürfnisse der Wettbewerbskonstellationen schnellst möglichst reagieren zu können. Vorteil dieser gedanklichen Aufteilung eines Unternehmens in mehrere kleine organisatorische Teilbereiche ist die größere Transparenz, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit durch die Schaffung kleinerer
Unternehmenseinheiten. Bei einer sinnvollen Profitcenter-Struktur können Gewinn- und Verlustbringer identifiziert und entsprechend reagiert werden. Um den Erfolg eines Unternehmens zu verbessern gibt es zwei Möglichkeiten, die Erlöse zu mehren oder die Kosten zu senken. Dessen sollten sich Mitarbeiter bewusst sein und danach handeln. Um eine solche Einstellung und Verhaltensweise herbeizuführen, ist die Einrichtung von Profitcentern ein organisatorisches sinnvolles Mittel.

1.1 Geschichtliche Entwicklung

Der Center-Gedanke ist eine erfolgreiche betriebswirtschaftliche Konzeption, welche mittlerweile
auch in mittleren und sogar kleinen Unternehmen Fuß gefasst hat. Betrachtet man die Ursprünge der Profitcenter-Organisation, so lassen sich zwei Hauptrichtungen nachweisen. Der literarische Ursprung der Aufteilung eines Gesamtbetriebes in Unterbetriebe mit ziemlich großer Selbstständigkeit kann bei Schmalenbach gesehen werden. Im Vordergrund stand die Überlegung, durch Übertragung der marktwirtschaftlichen Ordnung von der volkswirtschaftlichen auf die betriebswirtschaftliche Ebene ein sich weitgehend selbst regelndes System zur Erzielung größtmöglicher Gesamteffizienz einrichten zu können.

In der betriebswirtschaftlichen Praxis, als zweite Hauptrichtung, gelten amerikanische Großkonzerne als Erfinder der Profitcenter-Organisation. Bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts begannen Unternehmen wie DuPont und General Motors sich zu divisionalisieren. DuPont führte z.B. 1919 eine divisionale Organisationsstruktur ein, verbunden mit einem umfangreichen System der Koordination und des Controllings. Obgleich sich niemand auf die Idee Schmalenbachs nachweislich berufen hat folgte eine regelrechte Diversifikationswelle. Um dem Wachstum des eigenen Unternehmens und dem damaligen Druck zunehmender Internationalisierung standhalten zu können, wurden die Vorteile einer solchen Reorganisation früh erkannt. Herkömmliche zentralistischen Organisationsstrukturen wurden kritisch überdacht mit der Feststellung, dass Organisationen nicht mehr von einem zentralen Ort der Willensbildung geleitet werden können. Dabei stand die Bestrebung im Vordergrund sich in der zunehmenden Dynamik der Absatzmärkte, welche mehr Flexibilität und Reaktionsvermögen verlangten, zu behaupten.

Waren Anfang der fünfziger Jahre etwa erst ein Drittel der Unternehmen in Amerika divisionalisiert, so waren es bereits Ende der siebziger Jahre 96 Prozent der Unternehmen, welche eine Profitcenter-Organisation übernommen hatten. Wie stark sich dieser Prozess im genauen vollzogen hat, ist aufgrund unterschiedlicher Stichproben vorliegender empirischer Berichte ohne weiteres nicht zu beurteilen.
In Europa begann dieser Prozess erst in den sechziger Jahren, dabei aber um einiges intensiver. Waren in Deutschland 1965 lediglich 2 Prozent der Unternehmen divisional organisiert, waren es bereits 1972 ca. 60 Prozent. Angefangen bei Großunternehmen der Industrie (Siemens bereits im Jahr 1940) setzte sich diese Art der Dezentralisation auch bei kleineren Unternehmen und bei Großunternehmen anderer Branchen durch.

1.2 Begriff und Merkmale des Profitcenters

Eine allgemein verbindliche Definition des Begriffs des Profitcenters existiert in der Literatur nicht. Aufgrund der Tatsache, dass diesem immer wieder ganz neue und eigenwillige Bedeutungen zugemessen werden, lässt sich eine lange Liste von in diesem Zusammenhang bedeutungsgleich verwendeten Begriffen zusammenstellen. Dabei dominieren Begriffe beginnend bei Übersetzungen wie Gewinnzentrum und endend beim Unternehmensbereich.

Da demselben Inhalt oft ganz andere Namen gegeben werden gibt es dennoch für die in der Literatur und Praxis auffindbaren Definitionen eines Profitcenters einen gemeinsamen Nenner. Als allgemeinste Definition stellt es eine organisatorische Einheit innerhalb eines Unternehmens dar, für welche ein Gewinn ermittelt werden kann. Diese Definition beinhaltet eine zweifache Dimension des Begriffes, indem ein Profitcenter sowohl als abrechnungstechnische Einheit (accounting entity), als auch als Verantwortungsbereich (responsibility center) betrachtet werden kann. Eine Begriffsbestimmung hängt somit vom jeweiligen Betrachtungswinkel ab.
Obgleich jeder organisatorische Teilbereich innerhalb eines Unternehmens als Verantwortungsbereich bezeichnet werden kann, dem notwendige Kompetenzen übertragen werden, besteht die Zielsetzung jedoch in einer verursachungsgerechten Leistungsbeurteilung anhand zu definierender Kriterien.

Aus Sicht der Organisation und Führung handelt es sich um ein Anreiz- und Motivationssystem.
In Abhängigkeit des Ausmaßes an Delegation von Verantwortung können Bewertungsmaßstäbe wie Gewinn und Rentabilität zugrunde gelegt werden. Vorausgesetzt wird somit, dass unabhängig von der damit im Zusammenhang stehenden Verantwortung von Profitcentern, als abrechnungstechnische Einheit ein System der Ergebnisrechnung vorhanden sein muss. Eine reine Betrachtung als Organisationsthema entfällt da die Möglichkeit gegeben sein muss, mögliche mangelnde Transparenz sowie Kontrollierbarkeit durch die Messung der Profitabilität einzelner Unternehmenseinheiten zu entgehen. Ob eine organisatorische Einheit innerhalb eines Unternehmens als Profitcenter bezeichnet werden kann hängt wesentlich davon ab, inwieweit solche Größen zu ermitteln sind.

Demzufolge ist die Profitcenter-Konzeption nicht nur eine Frage der Organisation, sondern zieht
entsprechende Konsequenzen in den Funktionsbereich des Rechnungswesens nach sich.

Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von: uni-fachwissen.de

Über den Autor

Name des Autors: matthias1981


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Was ist Projektmanagement?

Mittwoch, 10.03.10 09:59
Serienteil 1 von 1 in der Serie Grundlagen des Projektmanagements

Nach der DIN 69 901 wird Projektmanagement als Gesamtheit von Führungsaufgaben, Führungsorganisation, Führungstechniken und Führungsmitteln für die Abwicklung eines Projektes verstanden. Mit einfachen Worten ausgedrückt ist Projektmanagement der Dachbegriff für alle Prozesse und Elemente, die für die Durchführung eines Projektes notwendig sind. Im Rahmen eines Projektes sollen gesetzte Ziele personell, technisch, terminlich und finanziell umgesetzt werden.

Die Hauptelemente des Projektmanagements sind die Organisation sowie der Aufbau und Ablauf des Projektes, die Projektlenkung, Planung, Steuerung und Kontrolle, die Instrumente und Werkzeuge sowie Methoden und das Verfahren, die Führungsgrundsätze und -funktionen.

Operatives und strategisches Projektmanagement

Unterschieden wird zwischen einem operativen und einem strategischen Projektmanagement. Das operative Management ist für alle Fragen, Probleme und Aufgaben verantwortlich. Man spricht hier auch vom klassischen oder ausführenden Projektmanagement. Diese Variante kommt der DIN-Definition am Nächsten. Das strategische Projektmanagement ist umfassender als die klassische Variante. Es beschäftigt sich mit der Frage, wie sich das Management als Führungsinstrument in die Unternehmensorganisation einbinden lässt, und verbindet strategische Unternehmensziele mit dem operativen Projektmanagement, sodass strategische Ziele leichter in operative Projektziele umgesetzt werden können. Damit soll erreicht werden, dass Projekte nach definierten Regeln effizienter durchgeführt werden.

Wofür ist ein Projektmanagement dienlich?

Das Projektmanagement soll den Gesamtablauf erleichtern und so Schwachstellen im Unternehmen kräftigen. Umfragen zufolge sind viele Unternehmen zu schwerfällig, reagieren auf organisationsübergreifende Problemstellungen zu langsam und können ihre Ziele durch das unstrukturierte Vorgehen nicht erreichen. Oftmals gibt es keine definierten Hierarchien im Unternehmen, sodass es zu Entscheidungsproblemen kommt. Teams arbeiten nicht Hand in Hand, da die Zuständigkeiten und freie Kapazitäten nicht geklärt sind.

Nur selten gehen Projekte problemlos vonstatten. Konflikte, die durch unterschiedliche Zielsetzungen entstehen, behindern den reibungslosen Ablauf. Mit dem Projektmanagement sollen diese Zielsetzungen klarer definiert und gesteuert werden. Unter anderem müssen Ausfall- und Krankheitszeiten einkalkuliert, zusätzliches Personal für Zusatzwünsche der Kunden bereitgestellt, Ziele und Aufgaben punktgenau definiert, Führungspersonal bestimmt sowie Möglichkeiten in Worst-Case-Situationen vorbereitet werden. Das Projektmanagement bestimmt die Zielarten, Änderungen, Kürzungen oder Erweiterungen. Auch wenn damit nicht alle unvorhersehbaren Konflikte gelöst werden können, kann durch einen strukturierten Aufbau sowie der Flexibilität und Kompetenz der Projektleiter eine gute Umgangsweise mit Konfliktsituationen den positiven Abschluss des Projektes fördern.

In welche Phasen wird ein Projekt aufgegliedert? In der nächsten Woche erfahren Sie mehr.

Quelle: Projektmanagement für Dummies, Stanley E. Portny, Wiley-VCH Verlag
 

Über den Autor

Name des Autors: Hutter

Ich bin Sabine Hutter und bin hauptberuflich als Personalreferentin und Assistentin tätig. Als Personalfachkauffrau und Staatlich geprüfte Betriebswirtin schreibe ich bevorzugt über Themen aus den Bereichen Personalwesen, Management und Betriebswirtschaft.


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Führungskräfte mit Incentives bei Laune halten

Montag, 01.03.10 09:56
Die aktuelle Wirtschaftskrise macht es nötig, gerade Führungskräfte in Unternehmen zu halten. Dennoch sinkt das Budget für motivierende Geschenke stetig. Es sei in diesen Tagen kaum denkbar, Führungskräfte mit Incentives zu belohnen, so sehen zumindest viele Unternehmer die Problematik. Andererseits gilt es, gerade jetzt fachlich versierte Leistungsträger im Unternehmen zu halten und an dieses zu binden, um nach der Krise wieder voll durchstarten zu können. Die Gratwanderung zwischen beiden Anforderungen ist alles andere als einfach.

Verschlankte Budgets

Viele der Unternehmen, die Incentives für die Führungsetage bereits seit Jahr und Tag gewähren, wollen auch in der Krise nicht davon Abstand nehmen. Allerdings werden die Budgets derzeit drastisch gekürzt. So finden Veranstaltungen nicht mehr fernab der Heimat statt, sondern sie werden in die nähere Umgebung verlegt. Maximal zwei Stunden mit dem Auto darf ein Veranstaltungsort vom Firmensitz entfernt liegen. Aber die Unternehmer beteuern auch, sobald die Krise vorüber ist und wieder ein Licht am Ende des Tunnels zu erblicken ist, werden wieder größere Incentive-Budgets zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter müssen schließlich bei Laune gehalten und langfristig an das Unternehmen gebunden werden.

Sachzuwendungen statt Prämien

Ebenfalls sollten sich Unternehmer für Sachzuwendungen entscheiden. Eine Reise, ein Ausflug, eine Feierlichkeit - all das bietet nachhaltige Vorteile. Wird eine Prämie ausgezahlt, weiß der Mitarbeiter bereits wenige Wochen später nicht mehr, wofür er das zusätzliche Geld ausgegeben hat. Bei Sachzuwendungen, wie abenteuerlichen Reisen, die ein einzigartiges Erlebnis darstellen, kann dagegen noch Jahre später darüber berichtet werden. Insbesondere Reisen, die es so nicht zu buchen gibt, sind dabei besonders beliebt. Etwa individuell geplante Touren im Oman, die angeboten werden. Eine Safari durch Afrika oder vieles mehr kommen ebenfalls in Frage.

Incentives sind keine Geldverschwendung

Im Volksmund wird oft darüber geredet, dass Incentives für Führungskräfte Geldverschwendung seien. Dem ist jedoch gerade nicht so, denn die Gewährung solcher Geschenke an die Mitarbeiter wird in der Regel an die Erreichung bestimmter Ziele gekoppelt. Wenn diese erreicht werden, wird meist zusätzliches Geld in die Betriebskasse gespült, so dass sich das Ganze wieder rechnet. Zudem müssen Führungskräfte derzeit ohnehin eine deutliche Mehrbelastung hinnehmen. Um die Motivation nicht zu verlieren und auch weiterhin erfolgreich zu arbeiten, ist die Anerkennung des Chefs enorm wichtig. Vermieden werden sollten jedoch Programme, die versteckte Aufträge zum Wohle des Unternehmens beinhalten. Diese können bei den Führungsetagen schnell auf Ablehnung stoßen und werden dementsprechend nicht oder nur widerwillig angenommen. Quelle: Pro Firma 12/2009, S. 30 - 32

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Electronic Content Management – arbeiten ohne Papier

Samstag, 27.02.10 09:56
Das papierlose Büro ist seit Jahren ein Traum und ein solcher wird es wohl auch bleiben. Nichtsdestotrotz besteht mittlerweile durchaus die Möglichkeit, die Aktenberge, die sich nach wie vor in fast jedem Büro ansammeln, deutlich zu verkleinern. Alleine 1.200 Blatt kopiertes oder bedrucktes Papier verbraucht ein Sachbearbeiter pro Monat im Durchschnitt. Viele dieser Blätter wandern noch am Tag, an dem sie erstellt wurden, in den Papierkorb. Das ist die pure Geldverschwendung, wissen Experten.

Kosten sparen durch elektronische Ablage

Auch Unternehmen, die mit Laufzetteln, Bestellscheinen und Co. arbeiten, können jede Menge einsparen. Nicht nur das Papier, das nicht mehr länger unnötig bedruckt werden muss, spart Geld. Werden wichtige Dokumente gescannt und digital abgelegt, entsteht auch ein Zeitvorteil. Wichtig ist hierbei, dass eine hochgradige Vernetzung stattfindet. So sollte jeder einzelne Mitarbeiter auf die eingescannten Dokumente zugreifen können. Moderne Software, die auch in der Schrifterkennung stets verbessert wird, kann automatisch ein gescanntes Schriftstück einem bestimmten Vorgang zuordnen. Dies geschieht beispielsweise mittels Erkennung der Kunden- oder Vorgangsnummer. Insbesondere der Zeitvorteil ist hierbei entscheidend. Am einfachen Beispiel erklärt: Ein Kunde ruft im Unternehmen an und wünscht eine Auskunft. Bei der elektronischen Ablage kann der Mitarbeiter sofort alle relevanten Unterlagen für den Sachverhalt aufrufen und ist sofort im Bilde. Langes Suchen oder Weiterverbinden, bei dem der Kunde nicht selten in der Warteschleife „verhungert", werden so eingespart. Hinzu kommt die erhöhte Zufriedenheit des Kunden und diese ist nach wie vor einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Unternehmen.

Kosten einsparen durch elektronische Rechnungen

Auch in punkto Rechnungsversand könnten Unternehmen deutliche Einsparungen erzielen. Pro Jahr könnten diese in Milliardenhöhe erfolgen. Denn bei einer Rechnung, die auf elektronischem Wege versandt wird, wird nicht nur das Porto gespart. Insgesamt fallen für das Erstellen einer einfachen Papierrechnung Kosten von etwa 3,90 Euro an, die beim E-Billing vollständig entfallen. Als Hürde geben Unternehmen immer wieder die digitale Signatur an. Doch diese wird bei der elektronischen Übermittlung der Steuererklärungen, sowie bei ELENA ohnehin benötigt. Insofern ist das kein Grund, dass gerade einmal fünf Prozent der Rechnungen auf elektronischem Wege versandt werden.

Klare Kennzeichnung

Allerdings bedingt das Electronic Content Management im Unternehmen auch Disziplin. Die Umstellung fällt nicht immer leicht, denn jedes Dokument muss genau gekennzeichnet werden. Bei der Benennung der Dateien muss eine einheitliche Basis geschaffen werden, damit die Unterlagen später wieder gefunden werden. Die Ablage darf nicht mehr auf der eigenen Festplatte stattfinden, sondern muss zentral erfolgen. Quelle: Pro Firma 12/2009, S. 50 - 53

Über den Autor

Name des Autors: Torsten

Ich bin Dipl. Betriebswirt (FH), gelernter Steuerfachangestellter, KfW Gründungsberater im Spezialgebiet Onlinemarketing und Chefredakteur dieses Blogs. Ich hoffe der Blog informiert regelmäßig gut. Welche Themen möchtest du gern hier lesen? Einfach mal im Forum posten. Oder möchtest du selbst mal einen Artikel veröffentlichen? Dann anmelden und Gastartikel schreiben.


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Mitarbeiter richtig motivieren

Sonntag, 06.09.09 15:29

Alle wissen was zu tun ist, aber keiner wie

Motivation ist ein zentrales Thema in den Unternehmen in den letzten 40 – 50 Jahren, ob es sich dabei um Manager, erfahrene Mitarbeiter, Berufsanfänger oder Auszubildende handelt. Kein anderes Thema wurde stärker in den Sozialwissenschaften beachtet und untersucht. Trotzdem wird es schwer sein, eine Antwort zu erhalten auf die Frage, wie motiviert man Mitarbeiter richtig.

Häufige Annahme von Führungskräften ist, mit dem Einsatz der „richtigen Technik“ im persönlichen Umgang mit den Mitarbeitern kann die Motivation noch um ein erhebliches gesteigert werden. Als geeignetes Mittel um Mitarbeiter zu mehr Leistung zu beeinflussen, wird gern die professionelle Menschenführung in Theorie und Praxis empfohlen.

Gelegentlich befrage ich Teilnehmer in meinen Seminaren zu dem Thema „Motivation“. Den Teilnehmern schildere ich zunächst, sie wären für drei Auszubildende zuständig und frage, „was ist ihre wichtigste Aufgabe bei der Erstausbildung als Führungskraft oder Ausbilder/ in“. Die prompte Antwort ist durchgängig motivieren, wir haben die Auszubildenden immer zu motivieren. Worauf ich antworte, „gut, jetzt wissen sie was zu tun haben und das macht mich neugierig“. „Wie motivieren sie die Auszubildenden den genau“, frage ich im Anschluss. Nun wird es spannend, denn die Antwortenden brauchen Zeit, sie finden so leicht keine Antwort. Manche wiederholen sich einfach, ja ich motiviere halt, allerdings mit leicht irritiertem Blick. Andere sagen, sie würden erstmal über ein gemeinsames Thema mit den Auszubildenden sprechen, so dass die Auszubildenden zu ihnen Vertrauen gewinnen. Wieder andere würden die Atmosphäre verbessern, in dem sie eine interessante Geschichte erzählen oder einen Witz machen. Wenige sagen, ich setze Ziele für die nächste Ausbildungseinheit und bestärke die Auszubildenden bei ihrer Arbeit.

Das Wissen über den Begriff Motivation ist wohl bei vielen Führungskräften und Mitarbeitern lückenhaft, überspitzt formuliert kann man sagen, alle wissen was zu tun ist, aber keiner wie. Im Bewusstsein von Führungskräften scheint nur vage ein Bild vorhanden zu sein.

Wenn motivieren die wichtigste Aufgabe einer Führungskraft ist, dann steht doch die Grundannahme dahinter, dass unmotiviert sein normal ist. Dies entspricht wohl kaum der Realität, denn Mitarbeiter reagieren nicht nur auf Anregungen von außen, sie verfolgen auch ihre eigenen beruflichen Ziele in Unternehmen. Besser wäre es also zu fragen, was demotiviert die Mitarbeiter, denn das setzt ihre Eigenmotivation voraus und gibt konkrete Hinweise auf zu lösende Fragen im Arbeitsablauf.

Motivieren abseits der Bedürfnistheorien


Welche Einflussgrößen besitzen Führungskräfte nun abseits der Bedürfnistheorien und der Seminarwelt „Motivation leicht gemacht“.


Sinn ermöglichen


Führungskräften empfiehlt Fredmund Malik das Wort "Motivation" zu streichen, wenigstens für eine Woche, als Experiment. Probehalber kann man für sich selbst einmal akzeptieren, dass niemand weiß, wie man motiviert. Es stellt sich dann die Frage: Woher bekommt man die Kraft, die man braucht, wenn alle Motivation aufgebraucht ist? Viktor Frankls (Begründer dritten Wiener Schule) kurze Antwort ist: Die Kraft kommt aus dem Sinn.
Frankl sagt, Sinn kann nicht gegeben, nicht gemacht werden. Sinn kann nur gefunden werden und finden muss ihn jeder selbst. Führungskräfte können aber Bedingungen schaffen, in denen es möglich ist, dass Menschen ihren Sinn sehen und finden können.

Führungskräfte haben zu dem die Aufgabe Menschen aller Organisationsstufen leistungsfähig zu machen. Dies geschieht, indem man ihre Stärken herausfindet und ihnen Aufgaben gibt, bei denen sie mit ihren Stärken eine Leistung erbringen können, die für sie Sinn hat.

Den Sinn der Arbeit erläutern, ist für die Mitarbeiterführung wichtig. Wenn man will, dass Menschen in ihrer Arbeit Sinn sehen und Sinn finden können, so muss man ihnen wohl auch gelegentlich erklären, welchen Sinn eine Arbeit für das Unternehmen hat.


Struktur geht vor Psyche


Führungskräfte haben in einem Unternehmen die Arbeitsteilung und den Austausch zwischen den Beteiligten zu koordinieren. Aufgaben und Abläufe sind so zu gestalten, dass in einem hoch arbeitsteiligen Unternehmen, gleichzeitig die Beteiligten sich austauschen können und eine effektive Wertschöpfung stattfinden kann. Es geht vornehmlich um die Arbeitsorganisation und nicht um die Menschenführung.

Fazit


Motivationstheorien sind Scheinhilfen für die tägliche Arbeit von Personalverantwortlichen. Der wirksamere Weg ist es: den Sinn der Arbeit zu erläutern, für Ziele zu sorgen und eine Arbeitsstruktur vorzugeben, in der sie selbst bestimmt arbeiten können und sie dort einzusetzen, wo sie ihre  Stärken entfalten können.

Der Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiter ist über die Rahmenbedingungen der Arbeit und die Steuerung des Mitarbeitereinsatzes wesentlich größer, als über einen psychologisierenden Umgang im täglichen Miteinander. Unter welchen Bedingungen leisten nun Menschen gute Arbeit? Menschen leisten gute Arbeit, wenn ihnen:

Der Sinn der Arbeit erläutert wird
so dass, die Mitarbeiter die Notwendigkeit dazu einsehen, d.h. der Sinn der Arbeit klar ist.

Die Arbeitsumgebung organisiert ist
Mitarbeiter brauchen:
* Ausrüstung
* Verfahrensweisen
* Material
* Know-how und
* ausreichend ungestörte Zeit, um ihre Arbeit ausführen zu können
*
Ein Management da ist, was den Mitarbeitereinsatz steuert
* den Einsatz der Menschen anerkannt und würdigt
* ihnen keine Vorwürfe macht, wenn jemand »versagt« und
* Mitarbeiter entsprechend ihrer Stärken einsetzt

Literatur

Wilhem Backhausen:
der Tag. "Die Wohlfühlfalle, oder: Die Illusion vom Sinn der Arbeit." hr2, 13, Januar 2009.
Bennis,Warren;Nanus,Burt: Führungskräfte. Die vier Schlüsselstrategien erfolgreichen Führens, Heyne-BücherMünchen: 1996, S. 117-118

Malik, Fredmund, in m.o.m.®-Letter:
"Sinn – wenn die Motivation aufgebraucht ist: Irrelevante Motivationstheorien • Viktor E. Frankl 12/ 2005, S. 177-188, St. Gallen
"Bauplan für ein Sinn erfülltes Leben: Zukunftsperspektiven, Zeithorizont."  1/ 2006, S.1–15, St. Gallen
Motivation durch Sinn. Die Lehre Viktor Frankls ¨ im Management fast unbekannt ¨ aber sehr wichtig, 3/1997 S. 36–54, St. Gallen. "

Malik, Fredmund: Gefährliche Managementwörter und warum man sie vermeiden sollte. 3. Aufl.  (2005: Frankfurt am Main: Frankfurter Allg. Buch im FAZ-Institut; Motivation abschaffen, Sinn ermöglichen: Malik Kolumne." 15. Dezember 2005,  St. Gallen
Rosenstiel, Lutz von: Grundlagen der Organisationspsychologie. Basiswissen und Anwendungshinweise, 5., überarb. Aufl., Stuttgart: Schäffer-Poeschel 2003
„Viel Licht – aber auch Schatten“ vom BiBB im Juli 09

Sprenger, Reinhard K.; Plaßmann, Thomas (2002): Mythos Motivation. Wege aus einer Sackgasse. 17., überarb. und erw. Aufl. Frankfurt: Campus-Verl.
 

Über den Autor

Name des Autors: th.heitzer

Personalvermittlung und -entwicklung, Trainer Diplom Kaufmann Thomas Heitzer IBP IHK Beratungs- und Projektgesellschaft mbH Tätigkeitsfelder Personalberatung, Personalvermittlung Dozent für: Marketingkaufleute, Fachberater im Außendienst, Ausbildung der Ausbilder, Diplom Betriebswirte (FH)


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