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Archiv für die Kategorie ‘Marketing’

Psychologie bei der Zielgruppenbestimmung

Dienstag, 29.06.10 13:19

Der Schlüsselfaktor für die Entwicklung einer jeden Strategie ist die Nähe zur Zielgruppe. Nur wenn ich auch im Dunkeln in den Köpfen der Mitglieder meiner Zielgruppe ein und aus spazieren gehen kann, kann ich zielsicher eine Strategie entwickeln. Und ich kann am ehesten im Dunkeln in den Köpfen anderer spazieren gehen, wenn ich erstens viel mit diesen Menschen zusammen bin und zweitens starke Emotionen gegenüber diesen Menschen habe – vorzugsweise positive Emotionen. Wenn Ihnen die Menschen, für die Ihr Unternehmen Produkte oder Leistungen erbringt, egal sind, werden Sie niemals dauerhaft eine gute Strategie verfolgen können. Mit anderen Worten: Der Schlüsselfaktor für die Auswahl der Zielgruppe ist die Intensität Ihrer Beziehung zu den Mitgliedern der Zielgruppe.

Rationale oder emotionale Entscheidungen?

Neben Ihrer eigenen Psychologie spielt aber auch die Psychologie Ihrer Kunden eine immens wichtige Rolle. Und auch hier kommt es zu einem schwerwiegenden Missverständnis. Bislang ging man davon aus, dass ein Unternehmen seinem Kunden einen möglichst hohen Nutzen bringen muss. Die Idee dahinter ist die, dass der Kunde ein rational entscheidendes Wesen ist. "Nutzen" ist ja eine rationale Kategorie. Nach den Erkenntnissen der Neurowissenschaften aus den letzten 20 Jahren ist der Mensch jedoch nicht vorrangig rational. Der Mensch entscheidet emotional, unbewusst und oft entgegen seinem Nutzen.

In den USA gab es eine Untersuchung, warum Menschen Demokraten oder Republikaner wählen. Klassisch ging man davon aus, dass Menschen rational die Parteiprogramme (oder was sie davon kennen) gegeneinander abwägen und die Partei wählen, die ihnen den größten Vorteil bringt. Die Untersuchung brachte zum Vorschein, dass dies nicht so ist: Die Menschen wählten eine der beiden Parteien weil sie Republikaner oder Demokraten waren – es war eine Frage der Identität oder des Selbstbilds. Das war selbst dann noch so, wenn die jeweils andere Partei den Wählern einen größeren Nutzen gebracht hätte. Und selbst dann noch, wenn die Wähler dies wussten!

Es gab einer weitere Untersuchung in den USA: Wer kauft Schornsteinreinigungsmittel? Das Ergebnis war, dass nicht die mit den schmutzigsten Schornsteinen, sondern die mit den saubersten Schornsteinen die Käufer waren. Den Menschen mit den schmutzigen Schornsteinen war es schlicht und ergreifend egal, ob ihr Schornstein verrußt war, während sich der Putzfimmel der anderen sogar auf die Innenseite der Schornsteine erstreckte. Die Menschen kauften also nicht nach dem Nutzen, sondern nach Ihrer Identität: „Ich bin ein Sauberkeitsfanatiker“ oder „Ich bin ein Schmutzfink“.

Wenn dem so ist, dann heißt das auch, dass eine Zielgruppe nur in den wenigen Bereichen, in denen streng nach Nutzen entschieden wird (das sind weniger Bereiche als man glaubt), eben auch nach den (rationalen) Problemen und dem zugehörigen potenziellen Nutzen gebildet werden kann. Oftmals fährt man mit einer Zielgruppenbildung entlang emotionaler Motive oder gar der Identität und dem Selbstbild der Menschen (oder Organisationen) wesentlich besser.

Modelle zur Erfassung von Motiven

Damit stellt sich die Frage, wie man Menschen nach diesen Motiven erfassen kann. Hierzu gibt es viele verschiedene Modelle. Alle haben gewisse Schwächen – einige sind ziemlich nützlich. Ich persönlich halte das Zürcher Modell der sozialen Motive und die daraus entwickelte Limbic Map von Hans Georg Häusel einerseits und das Modell von Tony Robbins andererseits für die beiden Modelle mit der höchsten Erklärungskraft und dem größten praktischen Nutzen.

Im Modell von Hans-Georg Häusel wird von drei Grundmotiven: Balance, Stimulanz und Dominanz ausgegangen. Alle menschlichen Emotionen und Motive sind nun Mischformen. Zum Beispiel ist das Abenteuerbedürfnis eine Mischform aus Stimulanz und Dominanz. Und Wellness hat vorrangig mit Balance zu tun, dem ein Schuss Stimulanz beigeordnet ist. Poesie liegt eher im Bereich Stimulanz mit einem Schuss Balance. Und so weiter.

Dieses Modell halte ich für das wissenschaftlich modernste und abgesichertste (und sämtlichen DISG-, HDI- und ähnlichen Modellen für überlegen). Dennoch hat es Grenzen: Die Bedürfnisse nach persönlichem Wachstum oder nach Sinn – also das, was bestimmte Menschen als eher spirituelle Bedürfnisse bezeichnen – lassen sich in diesem Modell nicht schlüssig erfassen.

Hier hilft das Modell von Tony Robbins weiter, der von sechs grundsätzlichen Bedürfnissen ausgeht: Dem Wunsch nach Sicherheit und dem gegenteiligen Wunsch nach Unsicherheit. Dem Wunsch nach Bedeutsamkeit und dem gegenteiligen Wunsch nach Zugehörigkeit/Liebe. Und schließlich den Wünschen nach persönlichem Wachstum und nach Sinn/Geben. Auch hier lassen sich menschliche Emotionen gut einordnen.

Beides sind jedoch bis zu diesem Punkt ziemlich grobe Modelle. Wenn ich z.B. heraus finde, dass meine Zielgruppe sehr Sicherheits- bzw. sehr Balance-orientiert ist, dann weiß ich natürlich schon mal mehr als die meisten anderen Unternehmer. Aber mir fehlt noch etwas ganz Entscheidendes.

Sicherheitsbedürfnisse mit Glaubenssätzen befriedigen

Jeder Mensch hat nämlich Vorstellungen, Regeln, Erfahrungen, Bilder etc., also Glaubenssätze im Kopf, wie er zum Beispiel sein Sicherheitsbedürfnis (oder jedes andere Bedürfnis) erfüllen kann. Manche erfüllen dies über Geld. Der Glaubenssatz dazu: Je vermögender ich bin, desto eher kann ich auf Krisensituationen reagieren und bin für die Zukunft abgesichert. Andere erfüllen dies über einen möglichst großen Freundeskreis. Der Glaubenssatz: Wenn es mir schlecht geht, ist immer jemand da, der mir hilft. Wieder andere erfüllen dies über möglichst hohe Kompetenzen in bestimmten Krisensituationen. Der Glaubenssatz: Je höher meine Fähigkeiten, desto weniger kann ich durch irgendetwas überrascht werden. Und wieder andere erwarten diese Sicherheit einfach von außen. Der Glaubenssatz: Der Staat (die Familie etc.) ist für meine Sicherheit verantwortlich.

Wohlgemerkt: Allen ist die Sicherheit wichtig! Aber dem ersten kann ich eine Lebensversicherung, dem zweiten ein enges Wohnumfeld, dem dritten ein Seminar und dem vierten die SPD verkaufen. Mit anderen Worten: Kenne ich das Grundbedürfnis meiner Zielgruppe, dann fängt die Arbeit eigentlich erst richtig an: Welche Vorstellungen und Ideen hat diese Zielgruppe im Kopf, wie sie dieses Grundbedürfnis befriedigen kann? Welche Geschichten „beweisen“ den Mitgliedern meiner Zielgruppe, dass ihr Weg der richtige ist?

Und erst, wenn ich es schaffe, mein Produkt und meine Produktpräsentation auf einer Art und Weise zu gestalten, die nicht nur kompatibel zu den Grundbedürfnissen, sondern auch zu den Glaubenssätzen und Geschichten meiner Zielgruppe ist, habe ich wirklich einen Zugang.

Aus dem Buch von Stefan Merath: "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer"

Anfragen zum Autor: www.onlinemarketingcoach.de


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Probleme bei der Zielgruppenbestimmung

Dienstag, 22.06.10 13:21

Eines der schwierigsten Themen bei der Entwicklung einer Unternehmensstrategie ist die Bestimmung der Zielgruppe. Das liegt an mehreren Gründen. Erstens am fehlenden Wissen um Strategielehren wie zum Beispiel der engpasskonzentrierten Strategie. Zweitens an konzeptionellen Problemen dieser Strategielehren. Und drittens an neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen, vor allem aus dem Bereich der Neurowissenschaften, die noch nicht in diese Strategielehren eingeflossen sind.

Fehlendes Wissen

In den Bereich des fehlenden Wissens fällt eine Unkenntnis über das grundsätzliche Vorgehen bei der Strategieentwicklung und der Prinzipien, wie sie zum Beispiel die EKS (engpasskonzentrierte Strategie) bietet. Nach 6 Jahren Beschäftigung mit allen wichtigen Strategiekonzepten halte ich die EKS immer noch für den praktikabelsten Ansatz für Kleinunternehmen.

Aufbau der engpasskonzentrierte Strategie (EKS)

Die EKS arbeitet mit 4 Prinzipien (Spitz statt breit, Konzentration auf den Engpass, Immaterielles vor Materiellem und Nutzen vor Gewinn) sowie 7 methodischen Schritten (1. Stärken, 2. Spezialgebiet, 3. Zielgruppe, 4. brennendstes Problem, 5. Innovation, 6. Kooperation und 7. permanentes Grundbedürfnis). Entscheidend in Bezug auf die Zielgruppe sind zwei ganz wichtige Faktoren.

Erstens sollte die Zielgruppe möglichst klein sein. Idealerweise so, dass der Gesamtmarkt etwa 10- bis 20-mal so groß ist wie die aktuelle Kapazität des Unternehmens. Damit ist man in der Lage, sehr schnell Marktführer in seinem kleinen Markt zu werden. Und für den Marktführer gelten andere - bessere - Regeln. In der Praxis sind die meisten Zielgruppen viel zu groß. Das hat zur Folge, dass die Bedürfnisse der Zielgruppe viel zu inhomogen sind, diese nicht richtig adressiert werden können und das Unternehmen zudem nach innen zu komplex wird.

Ausschluss traditioneller Zielgruppen

Zweitens ist das, was traditionell unter einer Zielgruppe verstanden wird: z.B. Frauen ab 50 oder Arztpraxen etc. überhaupt keine Zielgruppe. Das sind lediglich Indizien für eine Zielgruppe. Nach der EKS ist eine Zielgruppe eine Gruppe von Menschen oder Organisationen mit denselben Problemen, Bedürfnissen, Wünschen oder Träumen. Michael Gerber bringt dies mit seiner Trennung zwischen demographischen und psychographischen Zielgruppen schön auf den Punkt. Frauen ab 50 sind eine demographische Zielgruppe. Wir suchen jedoch eine psychographische Zielgruppe. Zielgruppen sind also durch ihre Psychologie und nicht durch ihre äußeren Merkmale bestimmt.

Was die Sache so schwierig macht, ist die Tatsache, dass uns dann oft die Begriffe zur Beschreibung fehlen. Frauen ab 50 ist ein einfach adressierbares Kriterium. Gehe ich dann in die Tiefe – z.B. wenn ich ein Wellness-Produkt verkaufe, dann stelle ich fest, dass die Motive dahinter völlig unterschiedlich sein können: Gesundheit, Schönheit, Genuss, soziale Zugehörigkeit usw. Damit habe ich völlig unterschiedliche Teilzielgruppen, die sich durch die Bedürfnisse bestimmen und natürlich unterschiedlich adressiert werden müssen. Und für ein Kleinunternehmen heißt das zwingend, sich auf eine dieser Teilzielgruppen festzulegen.

Konzeptionelle Probleme

Hat man diese ersten Hürden genommen, kennt also das Strategiekonzept und weiß, wie Zielgruppen beschaffen sein müssen, gerät man bei der EKS in ein konzeptionelles Problem. Die EKS geht von einer Schrittfolge aus. Im Schritt 3 bestimme ich die Zielgruppe und im Schritt 4 das brennendste Problem der Zielgruppe.

Jetzt ist aber die Zielgruppe eine Gruppe von Menschen oder Organisationen mit gleichen Problemen, Bedürfnissen, Wünschen oder Träumen – und zwar im Hinblick auf das subjektiv wichtigste dieser Probleme, Bedürfnisse oder Wünsche. Wenn ich in Phase 3 die Zielgruppe bestimme, kenne ich diese Probleme jedoch noch gar nicht – die Identifikation der brennendsten Probleme geschieht ja erst in Phase 4. Und um Phase 4 durchführen zu können, benötige ich zuerst eine kleine Zielgruppe, muss also Phase 3 abgeschlossen haben. Letztlich bin ich in einem Zirkelschluss gefangen.

In der Praxis führt dies fast immer dazu, dass die Bestimmung der Zielgruppe und des brennendsten Problems nicht zwei nacheinander folgende Schritte sind, sondern dass man mehrfach hin und her wechselt. Man bestimmt also zuerst grob eine Zielgruppe, findet dann das brennendste Problem, verkleinert dann die Zielgruppe, so dass nur noch diejenigen drin sind, die dieses Problem wirklich haben, analysiert diese Zielgruppe nochmals und verkleinert sie wiederum. In meiner Beratungspraxis sind 3 bis 6 solcher Iterationsschritte durchaus normal.

Beispiel

Man könnte z.B. die Zielgruppe eines Hotels von allen Gästen auf Wellness-Reisende eingrenzen. Dann auf solche, denen es bei Wellness vor allem um Schönheit geht. Um Schönheit geht es vor allem denen, die in irgendeiner Art in der Öffentlichkeit stehen. Also könnte ich meine Zielgruppe weiter auf Celebrities eingrenzen. Mit jeder Eingrenzung der Zielgruppe sind völlig neue Aspekte in der Problem- und Bedürfnisstruktur verbunden. Und dementsprechend wären alle diese Hotels unterschiedlich aufgebaut und hätten unterschiedliche Angebote.

Da diese Schritte jeweils immer mit einem vertieften Kennenlernen der letzten Teilzielgruppe und auch gewissen Änderungsschmerzen verbunden sind, kann man nicht davon ausgehen, dass man diese 3 bis 6 Iterationen mal eben an einem Tag oder einem Wochenende macht. Oft zieht sich dies über Monate – manchmal auch Jahre – hin.

Im zweiten Teil gehen wir näher auf die Psychologie bei der Zielgruppenbestimmung ein.

Aus dem Buch von Stefan Merath: "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer"

Anfragen zum Autor: www.onlinemarketingcoach.de

 


 


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Ethno-Marketing: Spezifische Ausrichtung der Marketingaktivitäten auf Ausländer

Samstag, 20.03.10 09:19

In Zeiten, in denen immer mehr Unternehmen um dieselben Kunden kämpfen, wird es zunehmend wichtiger, Marketingmaßnahmen zielgruppenspezifisch auszurichten. Im Rahmen dieser Entwicklung kristallisiert sich in der jüngeren Vergangenheit ein neuer Marketing-Trend heraus – das Ethno-Marketing.

Was ist Ethno-Marketing?

Das Ethno-Marketing konzentriert alle Marketingaktivitäten auf die spezielle Zielgruppe der Ausländer. Deutschland ist heutzutage ein multikulturelles Land, dessen Bevölkerung sich aus den verschiedensten Nationalitäten und Ethnien zusammensetzt. Konzentrieren sich die Werbemaßnahmen ausschließlich auf das deutsche Publikum geht den Unternehmen ein großer Marktanteil durch die Lappen. Bei der Beurteilung der Zielgruppenzugehörigkeit sind weniger die Staatsangehörigkeit oder der Wohnsitz relevant, sondern vielmehr die ethnische Herkunft der Menschen.

Was sich hier jedoch recht einfach anhört, erfordert in der Praxis ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen. Nicht wenige große Konzerne haben in der Vergangenheit versucht, bestimmte Ethnien durch die Übersetzung ihrer Werbekampagnen anzusprechen. Und nicht wenige verärgerten ihre Zielgruppe sogar noch zusätzlich, statt sie für die Produkte des Unternehmens zu begeistern. Woran das liegt? Die Unternehmen haben es versäumt, auf die kulturellen Besonderheiten ihrer Zielgruppe einzugehen. Was bei uns ganz normal ist, beleidigt unter Umständen viele ausländische Einwohner. Dabei geht es beispielsweise um heilige oder unreine Tiere oder einfach um die Frage, was höflich und was unhöflich ist.

Ausländische Zielgruppen in Deutschland

Die größte ausländische Bevölkerungsgruppe sind die Türken. An zweiter Stelle steht die russischstämmige Bevölkerung. Natürlich sind noch weitere mögliche Zielgruppen vertreten, so beispielsweise Einwanderer aus Italien, Griechenland oder dem ehemaligen Jugoslawien. Allerdings werden diese meist nicht gesondert verfolgt, da sie zahlenmäßig zu gering vertreten sind.

Die türkischstämmige, deutsche Bevölkerung stellt für die Unternehmen ein enormes Umsatzpotenzial dar. Diese relativ junge Zielgruppe verfügt über ein hohes Einkommen, das sie gerne in Konsumgüter investiert, und ist aufgeschlossen gegenüber neuen und innovativen Produkten. Zirka 70 Prozent der Türken, die in Deutschland leben, sind noch keine 36 Jahre alt. Sie zeichnen sich durch ein hohes Markenbewusstsein aus und legen Wert auf Statussymbole.

Auch die russischstämmige Bevölkerung ist zahlenmäßig stark vertreten. Besonders ist an dieser Zielgruppe, dass diese Menschen, die größtenteils deutsche Aussiedler aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion sind, über ein besonders hohes Bildungsniveau verfügen und überdurchschnittlich häufig selbständig tätig sind. Sie verfügen über eine jährliche Kaufkraft, die aufgrund des hohen Einkommens sogar das der Türken übersteigt.

Auswirkungen auf die Marketingmaßnahmen

Produkte, deren Ausgestaltung sehr stark von der jeweiligen Kultur abhängt (beispielsweise Süßigkeiten oder Kleidung), müssen im Rahmen der Produktvariation, der Produktdifferenzierung und der Produktdiversifikation an die jeweilige Zielgruppe angepasst werden. Hier einige Beispiele aus der Praxis:

  • Das Spiel Playstation Singstar in der türkischen Variante „Singstar Turkish“
  • Trolli Weingummis, die mithilfe von Gelatine von geschächteten Rindern produziert werden

Auch die Preis- und Konditionenpolitik kann abstellend auf das hohe Markenbewusstsein der ausländischen Zielgruppen individuell angepasst werden. Allerdings ist diese Maßnahme grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Im Rahmen der Distributionspolitik kann vor allem auf eine spezielle und individuelle Beratung der ausländischen Kunden gezielt werden.

Die Kommunikationspolitik des Ethno-Marketings bedient sich vor allem ausländischer Medien. So gibt es in Deutschland zahlreiche türkische TV-Kanäle, Radiosender und Zeitungen, die als Werbeträger dienen können. Dabei muss jedoch dringend auf die moralischen Vorstellungen der Kunden eingegangen werden.

Quelle: „Ausländer als Marketingzielgruppe – Besonderheiten des Ethno-Marketing“ von Cand. rer. pol. Fatima Tanis
 


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Maßgeschneidertes Marketing für Jugendliche

Samstag, 06.03.10 10:25

Marketing, das sich speziell an Jugendliche richtet, muss anders gestrickt sein als Werbung für Erwachsene. Während dieser Phase des Heranwachsens entwickeln Jugendliche ihre eigene Identität und übernehmen eine Rolle in der Gesellschaft.

Spezielles Konsumverhalten

Die Einkäufe von Jugendlichen sind häufig durch Spontaneität gekennzeichnet. Weder denken sie über ihre Ausgaben lange nach noch wägen sie ab, ob sie wirklich erforderlich sind. Auch Preisvergleiche erfolgen eher selten. Jugendliche investieren im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen überdurchschnittlich hohe Beträge in die Bereiche Kleidung, Mode und Hobby. Nur ein eher geringer Teil des Einkommens wird gespart, viele konsumieren es sogar komplett. Zudem können Jugendliche heutzutage im Vergleich zu früher in einem wesentlich höheren Grad darüber entscheiden, was mit ihrem Einkommen geschehen soll.

Für Unternehmen eröffnen sich durch diese Tatsachen fantastische Möglichkeiten. Diese Zielgruppe verfügt über ein verfügbares Einkommen, das teilweise sogar höher ist als das einiger älterer Zielgruppen, und ist gegenüber Innovationen sehr aufgeschlossen. Die Platzierung neuer Produkte ist also auf diesem Markt wesentlich einfacher.

Zudem nehmen Jugendliche heutzutage eine weitere wichtige Position ein. Sie beeinflussen das Kaufverhalten des gesamten Haushaltes. Während früher größtenteils die Mütter bestimmten, was gekauft wurde, entscheiden heute in vielen Fällen die Jugendlichen mit oder teilweise sogar allein. Vor allem bei technischen Geräten hat ihre Meinung großes Gewicht auf die Kaufentscheidung.

Die Rolle der Marken

Für sehr viele Jugendliche spielen Marken eine große Rolle, ganz besonders im Bereich der Bekleidung. Nur wer die richtigen Marken trägt, wird von der Gruppe akzeptiert und geachtet. Die Herausforderung besteht für eine Marke heute darin, eine ganz bestimmte Stilrichtung dauerhaft zu verkörpern und dabei aber dennoch immer in Bewegung zu bleiben, sich zu aktualisieren, die Jugendlichen immer wieder mit Neuem zu überraschen.

Was bedeutet all das für das Marketing?

Im Rahmen der Produktpolitik gibt es zwei Möglichkeiten, diese Erkenntnisse umzusetzen. Bei der Line Extension wird ein vorhandenes Produkt abgewandelt und um „jugendkonforme“ Eigenschaften ergänzt. Ein Beispiel hierfür sind Kosmetik- und Pflegeprodukte speziell für junge Haut. Bei der Brand Extension wird ein Produkt aus einer anderen Produktsparte gewählt und auf Jugendliche ausgelegt. Zudem können Unternehmen eine komplett eigene Marke speziell für Jugendliche etablieren. Diese Strategie wird beispielsweise bei Zeitschriften für Teenager oder bestimmten IN-Getränken verfolgt.

Die Kommunikationspolitik

Jugendliche können in den klassischen Kommunikationsmedien speziell angesprochen werden. Ihre Hauptfernsehzeit ist ab 19.30 Uhr, weshalb auch um diese Uhrzeit jugendspezifische Werbespots platziert werden sollten. Auch Radiowerbung bietet sich an, jedoch vor allem für regionale Produkte und Dienstleistungen. Jugendmagazine sind ein hervorragendes Medium für gezielte Werbung, da es sich rein an diese Zielgruppe richtet.

Anstelle der klassischen Medien wird immer häufiger auf innovative Werbekanäle zurückgegriffen:

  • Events: Je spezieller ein Event auf die Jugendlichen zugeschnitten ist, desto eher wird die Marke, das Unternehmen erlebbar und scheint zum Greifen nah zu sein.
  • In-Game-Advertising: Wenn in Computerspielen Produkte vorkommen, werden diese mit reellen Markennamen versehen.
  • Buzz-/  Virales Marketing: Durch kostenlose Produktproben, die gezielt an Meinungsführer ausgeteilt werden, sollen Mundpropaganda und Empfehlungen gefördert werden.
  • Mobile Advertising: Beim Mobile Advertising wird das Handy als Werbeträger genutzt, meist als Ergänzung zu anderen Werbemaßnahmen.


Richtig eingesetzt, können all diese Maßnahmen zum größtmöglichen Erfolg bei der jugendlichen Zielgruppe verhelfen.

Quelle: „Jugendliche als Marketingzielgruppe – Besonderheiten, Konzepte, Beispiele“ von Cand. rer. pol. Anne Fleischmann
 


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Was Nicht-Betriebswirte über Marketing wissen sollten

Montag, 18.01.10 15:50

Marketing-Fachwissen wird heute auch von immer mehr Absolventen anderer Abschlüsse gefordert. Im Vertrieb werden gern Fachleute anderer Disziplinen als der Betriebswirtschaftslehre eingesetzt. Wer im Maschinenbau komplexe Maschinen vertreibt, kommt oft bei den Einkäufern besser an, wenn er die Maschine selber aus dem FF versteht. Pharmareferenten können kompetenter mit den Ärzten kommunizieren, wenn sie einen medizinischen Background haben. Wer z.B. als Fachfremder im Marketing eine berufliche Herausforderung ergreift oder aber auch nur firmenintern Neuheiten „verkaufen“ muss, der sollte sich dennoch mit einigen wichtigen Prinzipien des Marketings vertraut machen.

Das wichtige Basiswissen im Bereich Marketing gehört heute zum Glück schon zum Allgemeingut. Das Kommunikationsprinzip AIDA (attention, interest, desire, action) wird schon auf den meisten Gymnasien vermittelt. Und dass man die Menschen im Marketing gern in Zielgruppen aufteilt, ist ebenfalls trivial. Diese beiden Modelle entspringen auch eher dem gesunden Menschenverstand als der Wissenschaft.

Zwei ganz wichtige Prinzipien, die aber keinesfalls trivial sind, aber großen Einfluss auf den Marketingerfolg haben, sind die Prinzipien des „relevant sets“ und des „information overload“. Diese werden selbst von Marketingabsolventen immer wieder vergessen oder zu wenig zur Kenntnis genommen.

Das Prinzip des „relevant sets“ besagt, dass die meisten Menschen aus einer Menge an möglichen Alternativen in der Regel nur eine kleinere Auswahl wahrnehmen. Aus einer Grundgesamtheit von z.B. 10 möglichen Automarken, werden vielleicht nur die bekanntesten vier von den meisten Menschen wahrgenommen. Die Kaufentscheidung wird dann aus diesem „relevant set“ getroffen. Wer also erfolgreiches Marketing betreiben will, muss Sorge tragen, dass das eigene Produkt in den „relevant set“ der Zielgruppe vertreten ist.

Um in die potentielle Auswahl der Konsumenten zu gelangen, kann z.B. Fernsehwerbung ein probates Mittel sein. Diese Werbung muss allerdings so gemacht sein, dass der Kunde die Werbung überhaupt wahrnimmt. Eine Hürde für die Kundenwahrnehmung könnte der „information overload“ sein. Die Theorie des „information overload“ besagt, dass jeder Mensch nur in der Lage ist, eine bestimmte Menge an Informationen wahrzunehmen. Dies gilt für alle Formen der Information, nicht nur für die Werbeinformationen. Dennoch müssen gerade in der Werbung diese Hürden genommen werden, andernfalls steht der Werbeerfolg in Frage.

Wer diese beiden Prinzipen verinnerlicht und beherzigt, wird mit einer größeren Wahrscheinlichkeit Erfolg im Marketing haben. Ausgerüstet mit dem Wissen um diese Beiden Denkansätze, werden auch Ingenieure und Mediziner im Marketing erfolgreich agieren können.


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