Elternzeit – aber ohne Karriere-Knick

Elternzeit
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Kind oder Karriere? Diese Frage stellen sich viele berufstätige Menschen meist spätestens mit Anfang 30. Wie aber lässt sich beides miteinander in Einklang bringen, ohne dass die professionelle Laufbahn langfristig leidet?

familieDie Geburt eines Kindes stellt einen entscheidenden Einschnitt dar – das gilt nicht nur fürs Privat-, sondern auch fürs Berufsleben. Junge Mütter und (mittlerweile auch immer mehr) Väter sehen sich durch ein Baby oft plötzlich vor eine große Herausforderung gestellt, wenn es darum geht, beides unter einen Hut zu bringen. Auch die Frage der Elternzeit ist mit großer Unsicherheit behaftet. Zwar bietet der Staat mit rund zwei Dritteln des bisherigen Einkommens finanzielle Sicherheit und einen gesetzlich geregelten Wiedereinstieg in den Betrieb; dennoch haben die meisten Arbeitnehmer Angst, dass sie in ihrem Unternehmen beruflich aufs Abstellgleis geraten, wenn sie zu lange ausfallen.

Dass diese Sorge trotz aller familienfreundlichen Rhetorik von Unternehmern und Politikern nicht ganz unbegründet ist, belegen auch die Zahlen: So kam zum Beispiel eine Studie des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung zu dem Ergebnis, dass 38% aller befragten Frauen und 28% aller Männer einen Zusammenhang zwischen der Babypause und einem stockenden beruflichen Fortkommen feststellen konnten. Eine Umfrage des Bundesministeriums kam zu ähnlichen Ergebnissen: Hier gab jede vierte Frau an, die Elternzeit im Nachhinein zu bereuen. Aber ist diese wirklich der Karrierekiller, als der sie immer wieder dargestellt wird? Nicht zwingend – wenn man sich an ein paar Tipps und Verhaltensregeln hält, die den Einstieg ins Berufsleben nach der Babypause deutlich erleichtern können.

Kommunikation ist das A und O
Wer die Ankündigung seiner Elternzeit bis zum letzten Moment aufschiebt, macht sich beim Chef sicher nicht beliebt. Schließlich gilt es gegebenenfalls, Projekte neu zu besetzen, die Personalplanung zu ändern und Kommunikationswege mit Kollegen und Partnern entsprechend anzupassen. Hier gilt deswegen: Je früher Sie das Unternehmen von ihrer Auszeit wissen lassen, desto besser. Besonders punkten können Sie darüber hinaus auch noch, wenn Sie sich bereits im Vorhinein überlegen, welche Probleme durch ihren Ausfall entstehen könnten und mit welchen Ansätzen man diese am besten lösen könnte. Das beweist dem Arbeitgeber nicht nur ihre vorausschauende Sichtweise und ihr Engagement, sondern auch, dass ihnen das Wohl des Unternehmens langfristig am Herzen liegt.

Ein gewisses Maß an Kooperationsbereitschaft und Entgegenkommen kann ebenfalls dabei helfen, nach der Elternzeit schneller wieder in den Job zu finden. So kann man sich zum Beispiel mit dem Arbeitgeber darauf einigen, an einem Tag der Woche telefonisch für Kunden und Mitarbeiter erreichbar zu sein oder in regelmäßigen Abständen auf Emails oder schriftliche Anfragen zu reagieren. Es kann sich übrigens auch lohnen, während der Auszeit mit den Kollegen in Kontakt zu bleiben. So bleibt man über die Abläufe, Pläne und mögliche personelle Veränderungen auf dem Laufenden – woraus sich ggf. auch neue berufliche Chancen ergeben können, die man sonst verpasst hätte.

Mögliche Vorteile für den Betrieb hervorheben
Auslandsaufenthalte, Freiwilligenarbeit oder Bildungsreisen sehen die meisten Unternehmer gerne im Lebenslauf ihrer Mitarbeiter; schließlich geben sie diesen die Möglichkeit, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln, Verantwortungsbewusstsein zu lernen, selbstständiger zu werden und sich persönlich weiterzuentwickeln – wovon letztendlich auch der Betrieb profitiert. Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich kaum zu verstehen, dass die Elternzeit einen so schlechten Ruf hat und bei vielen nach wie vor zu einem Karriere-Knick führt. Schließlich gibt es kaum eine andere Lebenssituation, in der Menschen so viel Verantwortung tragen und in der die eigenen Wünsche und Bedürfnisse so weit hinten angestellt werden müssen. Effiziente Teamarbeit zwischen den Partner, Entscheidungs- und Organisationsfähigkeit, eine gute Zeitplanung, Multi-Tasking und soziale Soft-Skills spielen in dieser Zeit eine entscheidende Rolle, um einen funktionierenden Alltag zu ermöglichen.

Liest man sich diese Punkte einmal ganz bewusst durch, wird die Ähnlichkeit mit dem optimalen Persönlichkeits- und Qualifikationsprofil einer Führungskraft schnell deutlich. In dem sich Eltern um ihren Nachwuchs kümmern, erlernen sie im Prinzip nämlich die gleichen Sozialkompetenzen und Fähigkeiten, die auch einen guten Chef ausmachen. Bevor man seinen Arbeitgeber also über eine geplante Elternzeit informiert, sollte man sich vorher einmal Gedanken darüber machen, inwieweit auch der eigene Betrieb von dieser profitieren kann. Machen Sie sich am besten eine Liste der positiven Eigenschaften und Fähigkeiten, welche ihrer Meinung nach durch eine Elternzeit
verstärkt oder verbessert werden können, und geben Sie zu verstehen, dass Sie diese nach ihrer Rückkehr in den Job gerne zum Wohle des Unternehmens einsetzen würden. Wenn es ihnen gelingt, die Elternzeit letztendlich als eine Art persönliche Weiterbildung zu verkaufen, verringert dies das Risiko eines anschließenden Karriere-Knicks ganz ungemein.

Die Elternzeit aktiv nutzen
karriereNatürlich geht es in der Elternzeit vor allem um eins: das eigene Kind. Das kann sich zwar manchmal als Vollzeitjob erweisen; dennoch bleibt in der Regel aber auch immer noch ein bisschen Zeit übrig, die man aktiv für das berufliche Fortkommen nutzen kann. So kann es sich zum Beispiel lohnen, eine passende Weiterbildung in die Auszeit zu integrieren. Heutzutage gibt es unzählige seriöse Angebote, die fast komplett online oder in den Abendstunden bzw. an den Wochenenden absolviert werden können. Diese bieten ein hohes Maß an räumlicher und zeitlicher Flexibilität und eignen sich deswegen optimal für junge Eltern. Darüber hinaus sollte man übrigens auch nicht vernachlässigen, sich schon frühzeitig um eine passende Betreuung zu kümmern. Der Einstieg in den Beruf ist schließlich nur dann möglich, wenn das Kind während der Arbeitszeiten angemessen versorgt ist. Da Plätze in Kitas und Kindergärten oft gar nicht so einfach zu bekommen sind, sollte man gegebenenfalls auch alternative Optionen wie Tagesmütter oder eine Kinderfrau in Betracht ziehen.

Übrigens: Nicht wenige Arbeitnehmer nutzen die Auszeit auch, um sich beruflich neu zu orientieren. Schließlich bietet diese eine optimale Gelegenheit, um Bilanz zu ziehen, den Markt auszuloten und sich Gedanken über mögliche Alternativen zu machen. Oft rührt der Wunsch nach Veränderung auch daher, dass nach der Geburt eines Kindes auf einmal ganz andere Prioritäten gesetzt werden als vorher und die Eltern sich wünschen, dass sich das auch in ihrer beruflichen Tätigkeit oder ihrem jeweiligen Arbeitgeber widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund sollte man die Elternzeit deswegen nicht nur als Risiko, sondern vor allem auch Chance wahrnehmen und ihr mögliches Potential erkennen und ausschöpfen.

Quelle:
sueddeutsche.de
e-fellows.net
netmoms.de

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