BWL studieren. Aber wo?

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WHU oder St. Gallen? Beide Antworten sind richtig, aber nur wenn Sie nach Ihrem BWL-Studium Unternehmensberater werden wollen. Dann gelten diese beiden Hochschulen, neben den Unis Mannheim und Köln selbstverständlich als erste Adressen. Doch nicht jeder, der BWL studiert, will auch Unternehmensberater werden. Dafür setzt dieser als elitär geltende Wirtschaftszweig viel zu hohe Maßstäbe – und beschäftigt eine eher begrenzte Zahl von Mitarbeitern. Zurzeit sind etwas mehr als 150.000 Mitarbeiter in der Unternehmensberatung beschäftigt (Quelle: Statista 2015), darunter zahlreiche Juristen, Volkswirte, Soziologen, Natur- und Geisteswissenschaftler. Überhaupt ist nach Angaben von McKinsey eher das Studium der Rechtswissenschaften für die Unternehmensberatung relevant, wie man auf dessen Webseite erfährt. Das Consulting-Unternehmen aus Düsseldorf schätzt an Juristen vor allem das analytische und strukturierte Erfassen komplexer Themen.

Auf Betriebswirte warten verschiedene Aufgabenbereiche

Geschftsleute sitzend im Bro analysieren die KostensituationDoch auch Betriebswirte verfügen über spezifische Kenntnisse, die auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt werden. Aufgrund ihres Zahlenverständnisses und der erlernten Präsentationskenntnisse können Betriebswirte oft wirtschaftliche Analysen klar und verständlich aufbereiten und unternehmerische Entscheidungen daraus ableiten. Doch viele BWL-Absolventen wollen weder Unternehmensberater, noch Unternehmer werden. Sie zieht es vor allem in die praktischen Anwendungsgebiete der BWL, wie Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Controlling, Human Ressources oder Steuerrecht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erwarben im Prüfungsjahr 2014 mehr als 450.000 Studenten einen Hochschulabschluss. Die Absolventen teilen sich dabei auf folgende Fachbereiche auf:

  • 30% Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
  • 20% Ingenieurwissenschaften
  • 19% Sprach- und Kulturwissenschaften
  • 18% Mathematik und Naturwissenschaften
  • 6% Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften
  • 7% Sonstige Fächer

Rechnet man die übrigen Fächer ab, kann man also mit etwa 100.000 Wirtschaftswissenschaftlern rechnen, die jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt drängen – oder ihn durch Neugründungen bereichern. Gerade die eingangs erwähnten Kaderschmieden sind für ihr Entrepreneurship und Startup-Gründungen bekannt. Die WHU führt auf ihrer Webseite zwei eigenständige Lehrstühle für Entrepreneurship auf, hinzu kommen zahlreiche studentische Gründungsinitiativen, Gründerstipendien und der WHU Incubator, der jungen Absolventen bei der Gründung ihres eigenen Unternehmens helfen soll.

Auf die Spezialisierung kommt es an

WO kann man BWL studierenDoch nicht jeder schafft den Sprung in eine dieser Kaderschmieden und viele BWL-Studenten wollen auch gar nicht diesen Weg gehen. Stattdessen sind die Beweggründe, BWL zu studieren, so vielfältig, wie die Möglichkeiten, seinen Bachelor of Arts in den Wirtschaftswissenschaften zu erwerben. Einzigartig für die deutsche Hochschullandschaft sind beispielsweise die zahlreichen Fachhochschulen: Auf zwei Uni-Absolventen kommt ein FH-Abgänger. Ein Großteil davon sind BWL-Absolventen, denn fast jede Fachhochschule verfügt zumindest über einen Fachbereich BWL, bei kleineren Fachschulen ist BWL oft der einzige Fachbereich, nicht selten jedoch mit besonderen Schwerpunkten. So ist beispielsweise die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE), eine Fachhochschule, die aus der traditionsreichen Forstakademie der Waldstadt Eberswalde hervorgegangen ist. Dort kann man neben klassischer Wald- und Forstwirtschaft auch BWL studieren, dann mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Umweltmanagement. Auch viele andere Fachhochschulen, wie z.B. die Hochschule für internationales Management Heidelberg sind mittlerweile auf diesen Trend aufgesprungen und bieten Wirtschaftsstudiengänge mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit an. Zumindest Studenten der letztgenannten Hochschule können mit einem Augenzwinkern darauf verweisen, „in Heidelberg studiert zu haben“.

Große Unis – große Namen

Wer dies ohne Augenzwinkern tun möchte, kann sich auch an der Uni Heidelberg für BWL einschreiben und sich nach erfolgreichem Abschluss in die Ahnengalerie berühmter Absolventen der Uni Heidelberg einreihen. Dort wirkten bereits Geistesgrößen, wie Max Weber, Hannah Ahrendt und Erich Fromm. Auch viele erfolgreiche Unternehmer und Wirtschaftslenker saßen dort bereits im Hörsaal. Fast noch legendärer ist die Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Dort wohnten und stritten einst die drei berühmten Dichter und Philosophen Schelling, Hegel und Hölderlin miteinander. Wer mit dem obligatorischen Stocherkahn den Neckar hinunterfährt, kommt unweigerlich am Hölderlinturm vorbei.

Die Qual der Wahl ist also groß. In Deutschland warten insgesamt 427 Hochschulen auf Abiturienten, darunter 217 Fachhochschulen, 107 Universitäten, 52 Kunsthochschulen, 29 Verwaltungsfachhochschulen, 16 theologische und 6 pädagogische Hochschulen (Quelle: Statista 2015). Wonach sollte man eigentlich die Wahl des Studienortes abhängig machen? Die Nähe zum Wohnort? Jobmöglichkeiten? Ranking und Karriereaussichten?
Smava hat sich die einzelnen Kriterien einmal etwas genauer unter die Lupe genommen:

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Die Webseite bietet gewissermaßen einen Schnellcheck für Kurzentschlossene. Top Berufsaussichten? Dann sollte der Ruf der Hochschule im Vordergrund stehen. Die drei besten Hochschulen wären dann Uni Heidelberg, sowie die TU und die LMU München. Steht eher die Lebensqualität im Vordergrund? Dieses Feld wird von den Tübinger Stocherkähnen ausgeführt, gefolgt von den Unis Marburg und Gießen. Diese drei Hochschulen bieten außerdem die niedrigsten Lebenshaltungskosten. Zudem kann man sich über smava seine Lieblingshochschule selbst konfigurieren, indem man an Reglern die Wichtigkeit der einzelnen Kriterien selbst einstellt. Der Hochschulkonfigurator wurde anhand zahlreicher Kriterien, wie z.B. offiziellen Hochschulrankings, aber auch Lebenshaltungsindex und Kosten für WG-Zimmer erstellt und soll als erste Einstiegshilfe dienen.

Verschiedene Studienformen

Doch nicht jede Hochschule bietet auch jeden Studiengang und vor allem jede Studienform an. Neben dem bekannten Vollzeitstudium bieten gerade wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten auch duale oder berufsbegleitende Studiengänge an. Besonders die letzten beiden Studienformen sind nach Angaben von BWL24 äußerst beliebt, weil sie eine Verzahnung von Praxis und Lehre darstellen und den Absolventen in der Regel schon vor Studienabschluss einen sicheren Arbeitsplatz bieten. Der berufsintegrierte BWL-Studiengang der Hochschule Mainz verweist beispielsweise auf das geringere Studienabbruchsrisiko bei berufsintegrierten Studiengängen, wo die Studenten von einem Arbeitgeber unterstützt werden. In der Regel sind es ältere Studenten, die berufsintegriert studieren, da sie zunächst eine Ausbildung abgeschlossen haben. Auch das spricht für eine hohe Motivation und eine geringere Abbrecherquote im Vergleich zu den Vollzeitkommilitonen. Duales Studium steht für ein Studium parallel zur Ausbildung. Damit entscheidet das duale Studium die alte Gretchenfrage, was besser sei: nach dem Abi erst einmal eine bodenständige Ausbildung zu machen oder gleich mit einem Studium die Karriereleiter emporklettern? Die Antwort lautet: Natürlich beides! Der Student muss sich dazu allerdings einen dualen Partner aus der Wirtschaft suchen, denn ohne geht es nicht. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), die an neun Standorten in Baden Württemberg vertreten ist und über drei weitere Campus verfügt, rühmt sich auf Ihrer Webseite, dass 85 Prozent aller Studenten von ihren dualen Partnern übernommen werden. Auch das ist eine Besonderheit, die es an normalen Hochschulen so nicht gibt. Die Auswahl des Studienortes wird in diesen Fällen jedoch meist durch den Arbeitgeber vorgegeben.

Seien Sie übrigens froh, dass Sie BWL studieren wollen. Würden Sie beispielsweise Medizin studieren wollen, stellte sich die Frage der Studienortwahl überhaupt nicht. Mediziner müssen nach wie vor dorthin ziehen, wo sie – wenn sie Glück haben – einen Studienplatz finden.

Quellen:
– Fotolia: #93169145 | Urheber: kasto – Speaker Giving a Talk at Business Meeting.
– Fotolia: #71191779 | Urheber: Jeanette Dietl – Geschäftsleute sitzend im Büro analysieren die Kostensituation

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