Wie sinnvoll ist ein Traineeship? Das sagt eine Absolventin

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Ist ein Trainee nichts anderes als ein überbezahlter Praktikant? Kann das Traineeship wirklich ein sinnvoller Einstieg in den Job sein oder ist es verschenkte Zeit und Mühe?
Jenny Schmitz, Projektmanagerin Digital Business beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V., hat nach dem Studium selbst ein Traineeship absolviert und schildert ihre Eindrücke und Erfahrungen im Interview mit BWL24.net.

Liebe Frau Schmitz, vielen Dank, dass Sie uns für ein paar Fragen zur Verfügung stehen. Sie haben Medienwirtschaft an der Rheinischen Fachhochschule in Köln studiert und nach dem Studium ein Traineeship bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber absolviert. Warum haben Sie sich gegen den direkten Berufseinstieg und für ein Trainee-Programm entschieden?

Für mich war mein Trainee-Programm ein direkter Berufseinstieg. Ich habe mein Trainee nicht als einen weiteren Teil meiner Ausbildung angesehen, sondern als Einstieg mit dem ich in meinen Job starte, meine Projekte jedoch noch unter „Welpenschutz“ stehen und Fehler noch (in begrenztem Umfang) erlaubt sind. Unter dieser Voraussetzung habe ich mein Trainee ausgewählt. Mir war wichtig, nicht planlos durch alle möglichen Abteilungen geschickt zu werden, sondern gezielt in einen bestimmten Bereich reinzuwachsen und klare Zielvorstellungen für den Zeitraum der 15 Monate zu haben.

Was waren die Hauptkriterien bei der Auswahl des passenden Traineeships? Wonach haben Sie geeignete Unternehmen für Ihre Bewerbungen ausgewählt? Was war Ihnen vorab schon besonders wichtig?

Für mich war wichtig, dass es ein Unternehmen im digitalen Bereich, aber keine Agentur ist. Außerdem wollte ich eine gewisse Sicherheit zur Übernahme haben und keinen engen begrenzten Aufgabenbereich. In meinem Trainee war Projektmanagement in den verschiedensten Bereichen der Schwerpunkt. Ich wollte auf keinen Fall in einen großen Konzern, sondern in ein eher kleines Team, in dem man selbst gewisse Spielräume aber auch Verantwortung hat.
Wichtig war mir immer, einen festen Ansprechpartner zu haben und vorher zu wissen, was innerhalb der Traineezeit in den einzelnen Bereichen erreicht werden soll.

Ich wollte zusätzlich unbedingt im Rahmen des Trainees noch eine berufsbegleitende Weiterbildung machen. In diesem Fall ist es der Diplomfachwirt Online Marketing geworden.

Geben Sie uns einen kurzen Einblick in Ihr Traineeship: Wie war der Ablauf/Aufbau? Was haben Sie gelernt?

Ich habe Projektmanagement aus den verschiedensten Blickwinkeln gelernt. Aus der operativen und Abwicklungsperspektive, aus dem Eventmanagement, in der Presseabteilung, in der Finanzbuchhaltung aber auch im Teammanagement. Letztliches Ziel war das inhaltliche Projektmanagement, was ich auch heute noch mache.

Ich habe gelernt, wie es ist, wenn man wirklich im Team arbeiten und sich zu 100 % aufeinander verlassen muss, um einzelne Projekte fertig zu stellen, Stressresistenz und Kritikfähigkeit, habe das Gefühl kennengelernt, wenn eigene Projekte erfolgreich stattgefunden haben (man ist wahnsinnig stolz und fühlt sich als hätte man Berge versetzt). Ich habe verschiedenste inhaltliche Themen aus dem digitalen Bereich vertieft sowie Zusammenhänge der einzelnen Teambereiche im Verband. Zusätzlich natürlich noch wie ein Verband funktioniert und wie Dienstleister arbeiten.

Es kursiert vielfach das Gerücht, Trainees seien auch nur bessere Praktikanten und werden von Ihren Arbeitgebern als billige Arbeitskräfte eingestellt. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Natürlich macht man auch Aufgaben, die man selbst am liebsten delegieren möchte. Ich hatte jedoch nie das Gefühl ausgenutzt zu werden oder wurde nie als billige Arbeitskraft benutzt.

Meine Erfahrung war definitiv: Nur wenn man ein Projekt von Anfang bis Ende betreut hat, inklusive aller Kleinigkeiten und miesen Aufgaben, weiß man wie viel Arbeit darin steckt und schätzt es wert, wenn andere diese Aufgaben irgendwann übernehmen. Danach können auch Aufgaben delegiert werden, ohne dass Probleme entstehen.

Ich würde jedem empfehlen so zu arbeiten und einzusteigen, einfach um den Überblick über das gesamte Spektrum seiner Aufgabenbereiche zu bekommen.

Sie wurden nach Ihrem Traineeship von Ihrem Arbeitgeber übernommen und arbeiten jetzt als Projektmanagerin im Bereich Digital Business. Würden Sie sagen, dass das Traineeship eine gute Wahl für den Berufseinstieg war? Oder hätten Sie Ihren jetzigen oder einen ähnlichen Job auch ohne Trainee-Programm bekommen?

Ich kann absolut nichts Negatives sagen. Mein Trainee-Programm hat mir die Chance gegeben zu gucken, welchen Bereich des Projektmanagements ich machen möchte und mich dort einzufinden. Einen besseren Einstieg gibt es kaum. Bevor ich Verantwortung für eigene große Projekte bekommen habe, konnte ich an kleinen Projekten üben.

Natürlich gibt es immer auch Quereinstiegswege, aber für mich war war es definitiv hilfreich.
Arbeitnehmer die ein Trainee absolviert haben, signalisieren oft Motivation und Bereitschaft, sich für den speziellen Job einzusetzen.

Meinen Job bekommt man (zumindest bei uns im Verband) nur mit Vorerfahrung im Projektmanagement (besonders auf Agenturseite), oder aber durch solche Trainee-Programme, die ebenfalls als Berufserfahrung gewertet werden. Es muss einfach sichergestellt werden, dass Praktiken des Projektmanagements bekannt und erlernt sind, dass vernünftig mit Kunden/Partner kommuniziert werden kann und man ein gewisses Gefühl für Teamarbeit, Timing und Budgetierung hat.

Welchen Tipp würden Sie Hochschulabsolventen für ein Traineeship mit auf den Weg geben? Was sollte man vorab beachten/wissen?

Ich würde mir das Unternehmen immer genauer angucken und möglichst kleine Unternehmen/Arbeitgeber wählen. Dort ist die Chance höher, selbst viel leisten zu können/dürfen und kein billiger Praktikant zu sein. Man sollte immer auf einen groben Ablaufplan bestehen und nach konkreten Ansprechpartnern fragen.

Wichtig ist auf jeden Fall die Definition des Ziels im Traineeship. Was ist der Mehrwert für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Erst wenn beide damit zufrieden sind, kann die Zusammenarbeit erfolgreich sein.

Liebe Frau Schmitz, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg auf Ihrem Weg!

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