Das Ziel der Unternehmenskultur

Teilen

Aus dem Buch von Stefan Merath: "Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer"

Fortsetzung zum Artikel: Unternehmenskultur Enten und Adler

Das Ziel einer Firma ist  durch 2 ganz einfache Dinge bestimmt: Warum machen wir etwas und für wen machen wir etwas? Beide Fragen haben etwas mit Grundmotiv, Vision und Strategie zu tun. Das heißt, so lange Sie diese Fragen für Ihr Unternehmen nicht beantwortet haben, können Sie überhaupt nicht heraus finden, wer der richtige Adler für Sie ist.

Angenommen, Ihre Firma stellt Motoren her, einmal für die Autoindustrie und einmal für alternative Energiegewinnung. Fast dieselben Produkte, aber unterschiedliches Grundmotiv und unterschiedliche Zielgruppen. In beiden Fällen brauchen Sie höchst unterschiedliche Adler.

Die Grundvoraussetzung, dass sich ein Adler bei Ihnen wohlfühlt, ist, dass er sich mit Ihrem Motiv (ihrer Vision, ihrem Sinn) und Ihrer Zielgruppe identifizieren kann. Ein Hardseller, der am liebsten beinharte Einkäufer unter den Tisch verhandelt, wird sich kaum wohlfühlen, wenn Ihre Kunden aus der Esoterik-Szene kommen.

Der Weg

Neben dem Ziel löst auch der Weg Emotionen aus. Dabei lassen sich die eher inneren Aspekte und die eher äußeren Aspekte unterscheiden. Beginnen wir mit den inneren Aspekten und kommen noch mal zu dem Computer-Freak und dem Callcenter-Job zurück. Allgemein wird das als ein Problem der Fähigkeiten angesehen. Das halte ich für falsch!

Es ist ein Problem der Identität und des Selbstbilds. Ein Computer-Freak fühlt sich im Callcenter nicht unwohl, weil er es nicht kann (oft ist es ja sehr aufregend, etwas Neues zu lernen), sondern, weil er es nicht will. Im typischen Weltbild eines Programmierers schafft nämlich nur der produktive Mensch Werte und den Callcenter-Fuzzi braucht man halt notgedrungen; aber eigentlich ist die Arbeit minderwertig – und wer will schon minderwertige Arbeit machen?

Natürlich können Sie versuchen, dem etwas durch die Wertschätzung aller Arbeiten entgegen zu setzen, indem Sie eine entsprechende Kultur schaffen, aber nach meiner Erfahrung haben unterstützende Mechanismen (wie z.B. Rotation durch unterschiedliche Jobs) ihre klaren Grenzen. Sie müssten das Selbstbild der Menschen verändern und wenn ein Mensch sein Selbstbild nicht ändern will, können Sie machen, was Sie wollen…

Kommen wir jetzt zu den äußeren Faktoren, die die Emotionen in Ihrem Unternehmen bestimmen. Das sind die gelebten Werte und die Storys, die im Unternehmen erzählt werden – kurz die Kultur. Wenn’s Ihnen so geht wie mir, dann sind Sie beim Begriff "gelebte Werte" innerlich zusammen gezuckt, weil Sie das ganze Geschwafel darüber nicht mehr hören können.

Das liegt an zwei Dingen. Einmal an den Inhalten. Meist werden Werte mit lieb, sozial etc. assoziiert. Das hat etwas mit unserem christlich-abendländischen Background zu tun. Aber es gibt andere Wertekonzepte, wie im NLP oder in den neueren Neurowissenschaften, die keinerlei inhaltliche Vorgaben machen, welche Werte es denn nun sein sollen. Im NLP sind (im Gegensatz zu christlichen oder neueren neurowissenschaftlichen Wertekonzepten) die eigenen Werte frei wählbar und ich halte das für absolut praktikabel und stichhaltig. So kann eine Person oder eine Firma durchaus auch die Werte Wettbewerb, Leistungsorientierung und Begeisterung als Werte für sich festlegen und authentisch und werteorientiert sein, wenn sie sich danach verhält.

Zum anderen geht es nicht darum, dass irgendwo an der Wand hängt, dass wir innovativ, kundenorientiert etc. sind. Es geht um die Antwort auf die Frage, wie man (möglichst automatisch und dauerhaft) dafür sorgen kann, dass sich alle wohl fühlen, wenn man kundenorientiert ist und wie man dafür sorgen kann, dass es sich schmerzhaft anfühlt, wenn man es nicht ist.

Das kann extrinsisch durch Systeme und Prozesse geschehen, z.B. indem der Kunde mit seiner Zufriedenheit auch die Höhe der Bezahlung an die Firma oder gar das individuelle Gehalt bestimmt. Oder das kann intrinsisch geschehen, indem man durch Storys im Unternehmen verankert, wie sich ein Adler verhält und indem diese Storys von den Mitarbeitern angenommen und reproduziert werden.

Das Problem ist also oft nicht, dass keine Wertedeklaration herum hängen würde. Das Problem ist, dass das nur ein Viertel der Arbeit ist. Die Fragen sind:

  • Was sind für unser Grundmotiv, unsere Vision und unsere Zielgruppe die richtigen Werte?
  • Welche Reihenfolge sollten diese Werte haben?
  • Was genau meinen wir damit eigentlich?Oder anders: Welche Regeln oder Kriterien haben wir für das Leben der Werte? Z.B. Kundenorientierung ist, wenn wir … den Kunden von uns aus auf Probleme (und deren Lösung) hinweisen oder wenn wir auf Anfragen in der Zeit X reagieren oder wenn wir der Beziehungspflege einen höheren Wert beimessen als einem kurzfristigen Verkauf oder indem jeder Mitarbeiter mindestens X Stunden Kundenkontakt pro Monat hat etc. Erst wenn Sie solche Regeln oder Kriterien haben, können Sie überhaupt entscheiden, ob eine bestimmte Handlung jetzt an Ihren Werten ausgerichtet war oder nicht. Die Kriterien und Regeln holen die Werte aus dem Reich der Wolken ins Reich der Wirklichkeit.
  • Welche Mechanismen, Storys etc. werden installiert, um jede Handlung gemäß diesen Kriterien mit positiven und jedes Handeln entgegen diesen Kriterien mit negativen Emotionen zu verbinden. Dabei ist Ideelles oft viel effizienter als Materielles. Also Lob, Anerkennung, Feiern oder einfach das Weitererzählen dieser neuen Geschichte, wenn jemand die Kriterien für die Einhaltung dieses Werts erfüllt oder gar übererfüllt hat.

Nur durch die Schaffung solcher Mechanismen, die Emotionen erzeugen, sorgen Sie dafür, dass dauerhaft gemäß diesen Werten gelebt wird. Emotionen bestimmen schließlich – je nach Wissenschaftler zu 70-100 Prozent unser Handeln.

Wenn sich die Adler dann oft wohl fühlen können, ist das gut. Auch wenn das Ziel dieser ganzen Maßnahmen nicht ist, dass sich die Adler wohl fühlen. Das Ziel ist, dass die Mitarbeiter die Bedürfnisse der Kunden erfüllen. Und das hängt nun einmal von den Emotionen der Mitarbeiter ab, ob und inwieweit sie diese Kundenbedürfnisse erfüllen. Und das, was diese Emotionen wesentlich bestimmt und von Ihnen als Unternehmer gestaltbar ist, ist die Unternehmenskultur!

Anfragen zum Autor: www.onlinemarketingcoach.de

Ähnliche Themen, die Ihnen gefallen könnten