IHK-Fortbildungen: Große Unterschiede bei den Prüfungsgebühren

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Vor einiger Zeit haben wir spekuliert, daß die Industrie- und Handelskammern eigentlich gar keine Fortbildungen mehr anbieten wollen oder können, sondern nur noch Prüfungen. Dafür spricht nicht nur das Fehlen jedweden Marketings, sondern auch die bisweilen nachgerade unverschämte Preispolitik der Kammern bei den Prüfungsgebühren. Eine Umfrage im Forum für Betriebswirtschaft förderte Erstaunliches zutage.

Prüfungsgebühren der IHKen
Zusammenfassung nach den Angaben von Prüfungsteilnehmern, alle Angaben ohne Gewähr.
Geprüfter Betriebswirt
Hannover (2008) 750 Euro
Osnabrück 700 Euro
Ulm 680 Euro
Hannover (2007) 590 Euro
Frankfurt/M. 540 Euro
München 540 Euro
Dortmund 500 Euro
Passau 500 Euro
Aschaffenburg 480 Euro
Würzburg 465 Euro
Stuttgart 320 Euro
Technischer Betriebswirt
Hannover 770 Euro
Hamburg 600 Euro
Karlsruhe 590 Euro
Darmstadt 520 Euro
Köln 500 Euro
Passau 500 Euro
Düsseldorf 500 Euro
Halle/Dessau 485 Euro
Würzburg 480 Euro
Heidenheim 470 Euro
Stuttgart 460 Euro
Gebühren für den Erstversuch. Kosten für Wiederholungsprüfungen weichen davon ab; hierbei hat wiederum jede Kammer ihre eigene Preispolitik.

So haben wir Prüfungsteilnehmer der Fortbildungen "Geprüfter Betriebswirt" und "Geprüfter Technischer Betriebswirt" gefragt, wie hoch denn ihre Prüfungsgebühren waren (Originalumfragen Geprüfter Betriebswirt und Geprüfter Technischer Betriebswirt). Während die meisten Kammern im Bereich so zwischen 465 und 500 Euro für eine komplette Abschlußprüfung liegen, kann man das nach einer der Redaktion vorliegenden Rechnung auch für 320 Euro kriegen ("Geprüfter Betriebswirt" an der IHK Stuttgart) für 700 Euro (IHK Osnabrück) oder gar für satte 750 Euro (IHK Hannover), immerhin deutlich mehr als das Doppelte. Und hohe Gebühren garantieren noch keine guten Rahmenbedingungen: von Hitze, Enge und allen möglichen störenden Umweltfaktoren war immer wieder die Rede. Und das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht: von Preisanhebungen um 25% von einer Prüfung auf die Folgende wurde mehrfach berichtet. Nur ein Monopolist kann sich so etwas leisten…

Was rechtfertigt solche Preisunterschiede, wo die Prüfungsaufgaben doch zentral erarbeitet werden, also die Lizenz an den Aufgaben überall dasselbe kosten dürfte? Da stoßen die vielen Fehler in Aufgaben und bisweilen sogar aus der Wikipedia geklaute Lösungsvorschlägebesonders bitter auf.

Es wäre Zeit mal zu fragen, wo das viele Geld eigentlich bleibt, denn bei sagen wir mal 20 Teilnehmern je durchschnittlich 500 Euro kommen schon 10.000 Euro pro Prüfung und Lehrgang zusammen. Die Kammern argumentieren, dies sei noch nichtmal eine Vollkostenrechnung. Die Prüfungsgebühren, so heißt es aus Hamburg, würden die Kosten des Prüfungsverfahrens nicht decken, so daß Beitragsgelder zusätzlich herangezogen würden. Was diese Kosten verursacht, wurde indes auch nicht offengelegt, denn typische Prüferentgelte liegen bei ganzen vier Euro pro Stunde. Ja, richtig gelesen, vier Euro. Gewiß, ein Prüfer ist ehrenamtlich tätig. Ein großer Kostenposten ist er aber auch nicht.

Auch die Aufteilung der Gebühren bei teilweiser Wiederholung einer Prüfung ist regional sehr unterschiedlich. Einige Kammern dritteln, andere machen anscheinend völlig willkürliche Preise. Einige Gebührenordnungen, die uns ins Haus flatterten, sind mehrere Seiten lang und unübersichtlich wie ein Gebührenverzeichnis einer Telefongesellschaft.

Für den Kammerteilnehmer ergibt sich hier eine offensichtliche Konsequenz: nicht nur die Qualität der Lehrgänge sollte vorher sorgfältig abgewogen werden, sondern auch die Prüfungsgebühren müssen in den Preis- und Leistungsvergleich einbezogen werden. Es wird empfohlen zu versuchen, eine verbindliche Aussage über die Höhe der Prüfungsgebühren schon bei Beginn des Lehrganges zu verlangen. Es sollte ggfs. auch möglich sein, den Lehrgang an einem Ort zu machen und die Prüfung möglicherweise nur aus Kostengründen ganz woanders. Es wäre interessant zu erfahren, ob die Kammern dies zulassen, oder versuchen, ihre doch bisweilen schwer nachvollziehbare Preispolitik durch Verbote und Einschränkungen aufrecht zu erhalten.

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Links zum ThemaBildungspolitik: warum die Kammer-Kurse so drastisch verfallen | Industrie- und Handelskammer: Marketing ist nicht alles… | Prüfungsgebühren-Umfrage »Geprüfter Betriebswirt« | Prüfungsgebühren-Umfrage »Geprüfter Technischer Betriebswirt«Die Kämmerlinge und die Wikipedia: unbelegte Quellen in IHK-Prüfungen! | Prüfungsausschüsse: kostenlos oder umsonst? (interne Links)

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