Technische Betriebswirtschaft: Statische und dynamische Maschinenersatzrechnung (Teil 1 von 3)

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Besonders die Technischen Betriebswirte der Industrie- und Handelskammern plagen sich in ihrer Projektarbeit oft mit Problemen der Maschinenrechnung. Leider kursieren hierbei eine Menge undurchdachte Praktikerlösungen, die es den Leuten schwer machen. Ein besonderes Thema in diesem Zusammenhang ist die Amortisationsrechnung, die mit den diversen dynamischen Methoden der Investitionsrechnung eng verwandt ist. Das sind beliebte Verfahren, aber hier werden auch die gröbsten Fehler gemacht. In dieser kleinen Reihe aus drei Artikel demonstrieren wir, wie man eine Amortisationsrechnung bei einer eingebetteten Maschine richtig macht.

Amortisation

Amortisation ist der Rückfluß von investierten Mitteln. Leider gibt es hierüber eine Menge Irrtümer, die meist auf eine falsche oder fehlende Gewinndefinition zurückzuführen sind. Wie wir an dieser Stelle schon früher gezeigt haben, kann sich eine Anlage aber nicht in wie auch immer definierten (oder eben auch undefinierten) Gewinnen amortisieren, sondern nur in Geld. Wird am Anfang Geld gebraucht, um zu investieren, dann muß auch Geld zurückfließen, um die Investition zu amortisieren – so einfach ist das.

Eingebettete Anlagen

Normalerweise erwirtschaften Maschinen Geld. Der Betreiber eines Reisebusses kann Geld erwirtschaften, indem er mit dem Fahrzeug Touren anbietet. Der Betreiber eine Produktionsmaschine kann damit hergestellte Exemplare verkaufen. Wie man dann eine Amortisationsrechnung macht, haben wir hier schon ausführlich demonstriert. Leider sind viele Anlagen aber "eingebettet", also Teil eines Produktionsprozesses. Ihnen können keine Einzahlungen aus Umsatzerlösen zugerechnet werden, weil viele Maschinen hintereinander oder gleichzeitig arbeiten müssen, um ein Produkt zu erzeugen. Die mit dem Verkauf erzielten Umsatzerlöse sind dann nur allen Anlagen zurechenbar, nicht aber einem einzelnen Maschinenplatz. Doch auch dann kann man eine Amortisationsrechnung machen – und dynamische Verfahren anschließen.

Große Schnittmenge zwischen Kosten- und Investitionsrechnung

Das beweist nicht nur unser grundlegendes Postulat der Nähe zwischen Kostenrechnung und Investitionsrechnung, die eine große Schnittmenge aufweisen, sondern zeigt auch, wie man in einer Projektarbeit ein Problem von verschiedenen Seiten betrachtet. Das aber ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor: mehrere Verfahren aufgrund derselben Ausgangsdaten anwenden und auf diese Weise ein Problem vertieft behandeln.

Die Ausgangszahlen

Die folgenden Ausgangszahlen betreffen auch die folgenden beiden Artikel. Ein produzierendes Unternehmen muß im Bereich der Verpackung investieren, weil die bisherige Anlage am Ende ihrer Lebensdauer angekommen ist. Es wird überlegt, eine manuelle Bandstrecke, an der mehrere Arbeitnehmer stehen, gegen ein automatisches System zu ersetzen, das nur einen einzelnen Bediener erfordert. Alternativ kann eine neue manuelle Bandstraße angebschafft werden. Hierüber liegen zur Zeit die folgenden Daten vor:

 

  Posten Manuelle Lösung Automatische Anlage
01 Anschaffungskosten i.S.d. §255 Abs. 1 HGB 10.000,00 € 138.000,00 €
02 Wiederbeschaffungswert (Schätzung) 12.000,00 € 162.000,00 €
03 Technische Nutzungsdauer 8 Jahre 10 Jahre
04 Schrottwert 2.000,00 € 8.000,00 €
05 Anteilige Hallenmiete (zahlungsgleich) 300,00 €/Jahr 600,00 €/Jahr
06 Materialkosten 25,00 €/Stunde 24,00 €/Stunde
07 Lohnkosten 26,00 €/Stunde 11,00 €/Stunde

 

Um die Sache übersichtlich zu halten, haben wir hier auf überflüssige Einzelheiten verzichtet. Es sind aber die folgenden beiden generellen Informationen zu beachten, die für beide Lösungen gleichermaßen gelten:

 

11 Mindestrentabilität (=Kalkulationszinsfuß) 12% p.a.
12 Geplante Laufzeit 1.600 Betriebsstunden/Jahr

 

In diesem Beitrag betrachten wir die kostenrechnerische Auswertung. In den folgenden beiden Artikeln, die diesem Beitrag folgen, zeigen wir erst die statische und dann die dynamische Amortisationsrechnung.

Die Kostenauswertung des Problems

Die Kostenvergleichsrechnung gehört zu den grundlegendsten Verfahren. Aufgrund der vorstehenden Ausgangszahlen kann ein Kostenvergleich zwischen einer erneuten Investition in eine manuelle Lösung und einer erweiterten Investition in die automatische Anlage durchgeführt werden. Wie beachten also die richtige Rechenmethode bei der kalkulatorischen Verzinsung und machen auch keinen der so häufigen Fehler bei der kalkulatorischen Abschreibung und kommen also zum folgenden Ergebnis:

 

  Posten Manuelle Lösung Automatische Anlage
21 Kalkulatorische Zinsen 720,00 €/Jahr 8.760,00 €/Jahr
22 Kalkulatorische Abschreibungen 1.250,00 €/Jahr 15.400,00 €/Jahr
22 Zahlungsgleiche (pagatorische) Fixkosten 300,00 €/Jahr 600,00 €/Jahr
23 = Fixkosten insgesamt 2.270,00 €/Jahr 24.760,00 €/Jahr
24 + Variable Kosten 51,00 €/Stunde 35,00 €/Stunde
25 = Gesamtkosten 83.870,00 €/Jahr 80.760,00 €/Jahr

 

Es wird also offenbar, daß die automatische Anlage unter Kostengesichtspunkten vorzuziehen ist. Das ist das erste Ergebnis der Berechnung.

Die kritische Leistung

Auf diesen Kuchen paßt noch ein Sahnehäubchen. Bei der manuellen Anlage sind nämlich die Fixkosten mit 2.270,00 €/Jahr weitaus geringer, während bei der automatischen Anlage die variablen Kosten mit 35,00 €/Stunde niedriger sind. Es besteht also eine kritische Leistung. Diese beträgt:

 

Die kritische Leistung

Das besagt, daß ab einer Leistung i.H.v. 1.406 Stunden pro Jahr die automatische Anlage die kostengünstigere Lösung ist. Bis einschließlich 1.405 Betriebsstunden pro Jahr wäre die manuelle Anlage vorzuziehen.

Das aber ist erst die halbe Wahrheit. Im folgenden Beitrag kommen wir zur Frage, wie man bei diesen beiden Anlagen eine Amortisation berechnen kann – ohne, daß Verkaufserlöse oder sonst irgendwelche Zahlungseingänge der Anlage zurechenbar wären.

Links zum Thema: Unausrottbare Fehler: Wie fehlerhafte Gewinndefinitionen zu undurchdachten Praktikerlösungen werden | Amortisationsrechnung: wenn die Kröten springen… | Mindestrentabilität und die Grundlagen der Zinstheorie | Kostenrechnung: Die häufigsten Fehler bei der Berechnung der kalkulatorischen Zinskosten | Kostenrechnung: Rechenmethoden und Rechenfehler bei der kalkulatorischen Abschreibung (interne Links)

Literatur:
Zingel, Harry, "Investitionsrechnung", Weinheim 2009, ISBN 978-3-527-50468-8, Amazon.de | BOL | Buch.de.
Zingel, Harry, "Kosten- und Leistungsrechnung", Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-50388-9, Amazon.de | BOL.

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