Assessment Center – Typische Übungen und was sie testen

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Wer sich als Bewerber einem Assessment Center stellt, muss mit einem Zeitaufwand für das Auswahlverfahren rechnen, der zwischen einem halben Tag und auch mehreren Tagen in Folge variieren kann. Getestet wird das Verhalten des Bewerbers in speziellen Situationen. Hier wird ein besonderes Augenmerk auf das Einfühlungsvermögen des Bewerbers, dessen Durchsetzungskraft sowie die Führungs- und Kommunikationsfähigkeit gelegt. Auch das Integrationspotential spielt beim Auswahlverfahren eine wichtige Rolle.

Im Rahmen des Assessment Centers werden verschiedene Übungen durchgeführt. Ein durchschnittliches Assessment Center besteht aus etwa acht bis zwölf Übungen, die es möglichst erfolgreich zu bestreiten gilt. Dabei stehen die Anforderungen an die zu besetzende Stelle bzw. die Anforderungen an den Bewerber stark im Vordergrund.

Die Postkorbübung

Die Postkorbübung gehört zu den wichtigen Übungen im Assessment Center und ist auch als In-Basket-Methode bekannt. Sie gilt im Personalbereich als das Herz des Assessment Centers und ähnelt einer realen Arbeitssituation sehr stark.

Eine Postkorbübung sieht vor, dass der Bewerber sich in die Situation eines Managers versetzt, der unter enorm großem Zeitdruck steht. Die Aufgabe besteht für den Teilnehmer jetzt darin, einen Postkorb schnellstmöglich durchzuarbeiten, der aus etwa 20 bis 30 Eingängen besteht. Diese können sowohl privater als auch geschäftlicher Natur sein und vom Brief über das Fax und die Email bis hin zum Notizzettel variieren. Gesammelt im Postkorb müssen diese Briefe nun hinsichtlich ihrer Priorität durchgearbeitet werden, wobei Kollisionen von Terminen in dieser Übung vorprogrammierte Problematiken sind, die schnell und sinnvoll gelöst werden sollen.

Eine Standardsituation bei der Postkorbübung sieht vor, dass der Teilnehmer sich an einem Arbeitstag vor dem Wochenende von einer Dienstreise zurückkehrend am Nachmittag im Büro befindet. Am Folgetag soll eine Dienstreise angetreten werden, auf der der Manager telefonisch nicht erreichbar ist. Neben der Tatsache, dass der Geschäftspartner erkrankt und derzeit nicht erreichbar ist, gilt es für den Teilnehmer nun, die Aufgaben im Postkorb sinnvoll abzuarbeiten und zudem die bevorstehende Geschäftsreise mit den üblichen Voraussetzungen vorzubereiten. Die Familie steht aus unterschiedlichen Gründen für Hilfestellungen zur Vorbereitung nicht zur Verfügung. Die sinnvolle Organisation der Postkorbaufgaben muss innerhalb einer Stunde bewältigt werden, um die Dienstreise pünktlich und gut vorbereitet antreten zu können.

Neben der Beurteilung des Entscheidungsverhaltens beim Teilnehmer ermöglicht die Postkorbübung zudem das Organisationstalent und Planungsverhalten. Auch die intellektuellen Fähigkeiten sowie die Fähigkeit, Aufgaben zu delegieren werden mit der Postkorbübung durchleuchtet.

Die Kurzpräsentation

Die Kurzpräsentation ist eine weitere klassische Übung im Assessment Center. Hier wird dem Teilnehmer die Aufgabe gestellt, sich innerhalb einer halben Stunde auf ein Thema vorzubereiten, das ihm für die Präsentation gestellt wurde. Dabei gilt es, bestimmte vorgegebene Informationen mit anzusprechen.

Hier ist neben der Ergebnisfindung unter Zeitdruck, also der Stresstoleranz, die Wortwahl im Fokus der Beobachter. Zudem werden Kreativität, Überzeugungskraft, Eigeninitiative, Organisation und Planung genau unter die Lupe der Betrachter genommen.

Während für die normale Präsentation ein Zeitrahmen von etwa einer Stunde bis hin zu drei Stunden gewährt wird, gilt es bei der Kurzpräsentation, die Aufgabenstellung innerhalb von dreißig Minuten zu bewältigen. Das systematische Denken des Bewerbers sowie dessen Argumentation und der Ausdruck gehören zu den weiteren Fähigkeiten, die Aufmerksamkeit erhalten.

Die Rollenspiele

Rollenspiele werden beim Assessment Center in Anlehnung an die zu besetzende Stelle ausgerichtet. Hier kann es Aufgabe des Teilnehmers sein, in die Rolle des Chefs zu schlüpfen, der ein Mitarbeitergespräch zu führen hat.

Die klassische Aufgabenstellung kann in diesem Falle die Durchführung eines Einstellungsgesprächs sein. Vertriebsmitarbeiter werden im Assessment Center hier entsprechend ein Rollenspiel durchführen, das auf Basis eines Verkaufsgesprächs stattfindet. Erhöht wird die Anforderung an den Teilnehmer dadurch, dass ein eigens für dieses Rollenspiel geschulter Mitarbeiter die Rolle des Gesprächspartners – also des Bewerbers oder des Kunden – übernimmt.

Beim Rollenspiel können unterschiedliche Fähigkeiten des Teilnehmers auf den Prüfstand gebracht werden. Neben der sozialen Kompetenz kann es das Führungsverhalten sein, das begutachtet wird. Beim Vertriebsmitarbeiter werden hier entsprechend das Leistungsverhalten und die Verkaufstechnik sowie die Einwandbehandlung im Gespräch mit dem Kunden genau in Beobachtung genommen.

Fallstudien

Die Fallstudien werden von den Teilnehmern in Einzelarbeit und zudem schriftlich gelöst. Hier gilt es für den Teilnehmer, eine bestimmte Fragestellung oder aber eine Problematik kreativ und sinnvoll konzipiert zu lösen – und das in einem festgelegten Zeitraum.

Die Beobachter legen bei der Aufgabenlösung besondere Aufmerksamkeit auf das Sprachvermögen des Teilnehmers sowie dessen Fähigkeiten in kreativer und konzeptioneller Hinsicht. Oftmals werden durch besondere Themenstellungen auch das Konfliktverhalten sowie das Verhalten in Problemsituationen genau geprüft.

Das Einzelgespräch

Gern wird das Einzelgespräch im Assessment Center zwischen Teilnehmer und Moderator zur Prüfung des Verhandlungs- und Argumentationsgeschicks, des Einfühlungsvermögens sowie der Überzeugungskraft als Übung eingesetzt. Auf die genaue spätere Aufgabenstellung in der ausgeschriebenen Stelle hin ausgerichtet kann das Gespräch dann auf Kritik, Motivation oder Beratung ausgerichtet stattfinden.

Das Einzelinterview

In dieser Übung muss sich der Teilnehmer einem oder mehreren Gesprächsteilnehmern stellen und Fragen völlig unterschiedlicher Themenbereiche beantworten, die aber im Regelfall persönlich – also nicht auf öffentliche Themen – ausgerichtet sind. Neben der Ausbildung, der Biografie des Teilnehmers können auch Fragen zu seiner Motivation aufgegriffen werden und im Rahmen des Einzelinterviews gestellt werden. Gern wird auch eine Problemlösungsfrage in das Interview eingebaut, die zum Beispiel in Form einer Lebensrettung ausgerichtet werden kann, wenn es in einer kritischen Situation gilt, eine Person zu retten, obwohl zwei Hilfsbedürftige auf den Teilnehmer hoffen. Die Reaktion des Teilnehmers, wie er mit Problemen umgeht, die keine Lösung bieten, ist hier im Fokus der Beobachter. Gelassenheit in der Situation ist die Erwartung, die an den Teilnehmer gestellt wird.


Gehaltsrechner

Übrigens, wir haben auch einen Gehaltsrechner ausfindig gemacht. Der rechnet sowohl vom Brutto zum Netto (Bruttorechner) als auch vom Netto zum Brutto (Nettorechner).

Weitere Infos zu Personal und Mitarbeiterführung im Gründerlexikon

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2 Antworten

  1. chris sagt:

    Also ich habe auch schon einige (drei) Assessment Center durchlaufen und in den wenigsten kamen Übungen, wie Rollenspiele und Postkorbübung vor. Man bereitet sich intensiv auf alles mögliche vor und dann kommt eh das was man nicht erwartet. Zudem habe ich mir die Assessment Center auch viel stressiger vorgestellt, als sie waren.

  2. Jan sagt:

    Assessment Center sind eigentlich der Standard bei Einstellungsverfahren von Hochschulabsolventen. Mit ein bisschen Übung kann man bereits beim ersten AC erfolgreich sein.