ABS-Transaktionen: »Bad Banks« haben wir längst!

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Seit einiger Zeit wird immer lebhafter diskutiert, ob der Staat nicht schlechte Kreditrisiken und faule Wertpapiere in sogenannte "Bad Banks" aufkaufen und damit die Finanzwirtschaft entlasten könne. Wie so oft wird dabei das Wichtigste übersehen: "Bad Banks" haben wir schon längst. Und sie waren die Ursache der gegenwärtigen Probleme. Wie können sie jetzt auf einmal zur Lösung werden? Wie in der Finanzwirtschaft der Schwanz mit dem Hund wedelt:

 

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Neue Wege der Absatzausweitung

So haben besonders die Auto- und die Bauindustrie nach neuen Absatzmärkten gesucht, die auch mit herkömmlichen Finanzierungsangeboten nicht zu erschließen waren. Dieses sogenannte "Subprime"-Segment wurde traditionell durch eigene Finanzierungsbanken bedient, die aber nach den Neuregelungen des Basel II Abkommens die Ausreichungen an Kreditnehmer mit geringer Bonität mit mehr Eigenkapital unterlegen mußten und daher immer knauseriger wurden. Das führte zu einem empfindlichen Absatzrückgang. Wie aber konnte man diese Kundenschichten dennoch erreichen?

Die geniale Idee mit den Zweckgesellschaften

Das brachte die Industrie auf eine geradezu geniale Idee: sie gründeten Zweckgesellschaften, die nur den Zweck hatten, Forderungen aufzukaufen und für den Kapitalmarkt zu verbriefen. Diese Zweckgesellschaften ("Special Purpose Entities") sind eigentlich nichts anderes als Defacto "Bad Banks". Durch solche ABS-Transaktionen entstanden aber nicht nur Finanzierungskanäle, die von Basel II nicht betroffen waren, sondern es entschwanden zugleich die schlechten Risiken aus der eigenen Risikoberichterstattung. So erschloß man nicht nur immer neue Kundenschichten mit immer schwächerer Bonität, sondern hübschte auch gleich die eigene Bilanz auf. Ein genialer Schachzug, doch nicht ganz frei von Risiken und Nebenwirkungen.

Die Sozialisierung schlechter Risiken

Die Zweckgesellschaften veräußerten nämlich diese Risiken auf die Kapitalmärkte, wo sie für einige Zeit willig aufgenommen wurden. Doch kein Biotop kann endlos mit Giftmüll belastet werden, nichtmal der Finanzmarkt. Als immer mehr faule Geschäfte platzten, allen voran in 2007 und 2008 die US-Hypotheken, begannen die Kapitalmärkte zu kollabieren. Das ist, was zuerst als Finanzkrise bezeichnet wurde, und inzwischen zu einer veritablen Weltwirtschaftskrise geworden ist. Die Sozialisierung fauler Kredite ist damit in der Gesellschaft angekommen. Scheinbare Sicherungsmechanismen wie die Kreditvergaberegeln von Basel II sind damit solide gescheitert. Dafür kriegen wir jetzt die Quittung.

"Bad Banks" als staatliche Zweckgesellschaften?

Es mag eine sinnvolle Notmaßnahme sein, jetzt offiziell "Bad Banks" zu gründen, oder gleich die Finanzwirtschaft zu verstaatlichen. Doch solche von der Linken bejubelte Maßnahmen sollten keine Symptomkur bleiben, sondern die Ursache des Problems beseitigen, also die Zweckgesellschaften. Die sollten zuerst verboten werden, bevor irgendwer eine staatliche "Bad Bank" gründen darf. Und mit ihnen möglichst gleich die anderen Spekulationsblasen, die derzeit noch wachsen, aber wohl in naher Zukunft platzen werden: und hier allen voran der Emissionshandel, der am Ende nur dazu dient, daß die Industrie sich an Verknappung und Verteuerung bereichert. Auch das ist nämlich ein neuer Absatzmarkt, und auch das ist nicht frei von riesigen Nebenwirkungen: Die Emissionshandelsimplosion wird nämlich die nächste Stufe der Weltwirtschaftskrise, wenn wir diesen Unsinn nicht noch vor seinem Einsturz stoppen. Leider scheint weder in Brüssel noch in Berlin die hierfür nötige Einsicht vorhanden zu sein.

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Links zum Thema: Basel II: Das Ende der Kreditversorgung? | Was sind eigentlich ABS-Transaktionen? | Risikomanagement und Rating: ein Protokoll des Scheiterns | Wo es rückwärts vorwärts geht: über Produktivität, Knappheit und Herrschaft (interne Links)

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