Nicht alles, was glänzt: Probleme mit PowerPoint in Prüfungen und Präsentationen

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Am Ende vieler Aus- und Fortbildungen muß eine mündliche Prüfung erfolgreich überstanden werden. Dabei muß oft auch eine zuvor angefertigte schriftliche Arbeit präsentiert und mündlich verteidigt werden. Die meisten Prüfungsteilnehmer verwenden hierbei elektronische Mittel, insbesondere Präsentationsprogramme wie Microsoft® PowerPoint®. Damit stellen sie sich aber unter Umständen selbst ein Bein.

 

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Dabei sind Präsentationsprogramme so wunderbar komfortabel: man kann Bilder und Ton einbauen, alles schön bunt gestalten, und die Software übernimmt die Präsentation. Was wie eine Arbeitserleichterung aussieht, kann aber auch eine böse Fall sein – jedenfalls in kaufmännischen Prüfungsveranstaltungen.

Während Präsentationen vor Publikum nämlich Situationen der Einwegkommunikation sind, also die Zuschauer still konsumieren, stellen Prüfer gerne unangekündigte Zwischenfragen. Sie wollen damit herausfinden, ob ein Prüfungsteilnehmer ein Fachgebiet wirklich in die Tiefe hinein verstanden oder nur oberflächlich auswendig gelernt hat. Die Kommunikation während der Prüfung geht also in beide Richtungen. Das bringt viele PowerPoint-Nutzer in Bedrängnis, denn die vorgefertigte Präsentation beantwortet keine unerwarteten Zwischenfragen. Das muß man selbst machen. Wer aber meint, eine ordentliche Präsentation reiche aus, erlebt spätestens jetzt eine böse Überraschung.

Ein weiterer beliebter Fehler ist es, nicht in freier Rede vorzutragen. Aber genau das soll ja geübt werden: hat ein Prüfungsteilnehmer sich zuvor Wochen oder Monate mit einem Thema befaßt, dann muß er die wichtigsten Grundlagen, Argumentationen und Ergebnisse seiner Arbeit in wenigen Minuten überzeugend darstellen können. Das zu üben ist eine sinnvolle Vorbereitung auf Geschäftsführerpräsentationen und Kundengespräche. PowerPoint ist hier aber eher hinderlich, denn es verleitet dazu, Punkte während der laufenden Präsentation vom Blatt abzulesen. Das wirkt aber langweilig und unprofessionell. Elektronische Mittel entheben nicht von zwischenmenschlicher Kommunikation. Auch eine PowerPoint-Präsentation ist ein persönlicher Vortrag, jedenfalls in einer Prüfung. Die Vorbereitung einer Kundenpräsentation in Endlosschleife muß sich wesentlich von der Vorbereitung der Präsentation einer Prüfungsarbeit unterscheiden. Leider übersehen viele Prüfungsteilnehmer diesen wesentlichen Unterschied.

Ein anderer beliebter Fehler ist der übermäßige Gebrauch der vielen visuellen und akustischen Mittel, die Computer nun mal bieten. In der Werbung mögen krachende Knalleffekte und bunte, zappelnde Animationen angemessen sein; für die Darstellung unternehmerischer Analysen und Konzepte sind sie es jedenfalls nicht. Hier sollte zwar ein einheitliches Farbschema zum Beispiel des betrachteten Unternehmens verwendet werden, d.h. die Arbeit soll ein individuelles Gesicht haben (und nicht erkennbar aus vorgefertigten Standardschablonen bestehen), aber bei der graphischen Gestaltung ist weniger oft mehr.

Schließlich muß die Fähigkeit trainiert werden, auch andere Medien zu nutzen. Tafel, Flipchart und Overheadprojektor wirken auf viele Menschen antiquiert, aber genau das sind sie nicht: nur mit diesen altmodischen Hilfsmitteln kann man einen Gedanken nämlich in Echtzeit häppchenweise entwickeln, oder etwas deutlicher gesagt, auf eine unerwartete Frage präzise und fachlich fundiert antworten. Genau das aber wollen die Prüfer sehen – die nicht umsonst ihre Schützlinge gerne mit dem Stift in der Hand an die Tafel schicken, Sachverhalte spontan zu visualisieren oder einfach eine Skizze zu zeichnen und zu interpretieren: In freier Rede und ohne Vorbereitung muß das flüssig vor sich gehen. Nicht ohne guten Grund ist das im Unterricht entstehende Tafelbild ein wesentliches Bewertungskriterium in Pädagogik-Veranstaltungen.

Wir raten an dieser Stelle wohlgemerkt nicht grundsätzlich von Präsentationssoftware ab, aber ihr Gebrauch sollte gut geplant werden und darf andere verbale und kommunikative Fähigkeiten nicht ersetzen oder verdrängen. Der Computer soll die Fähigkeiten und Möglichkeiten erweitern, nicht einschränken. Das gilt auch für Prüfungsteilnehmer. Leider verlieren viele Leute an der Maus grundlegende verbale Fertigkeiten. Das wirkt sich dann in den Prüfungsergebnissen recht unvorteilhaft aus.

Links zum Thema: Allgemeine Hinweise zu mündlichen Prüfungen | Wichtige Darstellungs- und Argumentationsmethoden in Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten | Studien- und Projektarbeiten: häufige Fehler bei der Präsentation der Arbeit | Hinweise für Einsprüche gegen mündliche Prüfungsergebnisse | Hinweise für Einsprüche gegen die Benotung von Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten (interne Links)

 

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