TBW-Prüfung: Ungleichbehandlung durch die Industrie- und Handelskammern

Teilen

Nachdem die Herbstprüfung »Geprüfter Technischer Betriebswirt« 2008 offensichtlich völlig mißlungen ist (mehr), sind an einigen Standorten sehr schlechte Prüfungsergebnisse entstanden. Offensichtlich in der Absicht, ein völliges Desaster zu verhindern, wurden verschiedene Modelle ausgedacht, wie man das Ergebnis aufhübschen kann. Insbesondere haben viele Kammern die Ergebnisse mit einem Faktor aufgewertet, um Leute über die Latte zu heben. Und genau hier liegt das Problem: diese Korrekturmaßnahmen wurden sehr uneinheitlich angewandt.

Die Aufwertung der Prüfungsergebnisse geht offenbar auf eine Empfehlung "von oben" zurück, an die sich aber nicht alle Kammern gehalten haben. Das hat dazu geführt, daß vielfach neue Ungleichbehandlungen entstanden sind. Diese Ungleichbehandlungen werden im folgenden Beitrag zusammengefaßt.

Im Dezember 2008 haben wir dazu aufgerufen, Erfahrungen mit der Herbstprüfung »Geprüfter Technischer Betriebswirt« mitzuteilen. Nachfolgend finden Sie eine nach Kammerbezirken geordnete Zusammenfassung der recht zahlreichen Antworten, die auf diesen Aufruf eingingen.

Derzeit liegen Hinweise von Prüfungsteilnehmern aus den folgenden Kammerbezirken vor:

 

Zusammenfassung: es kristallisiert sich heraus, daß einige Kammern sich an die Empfehlung gehalten haben, andere nicht. In einigen Fällen scheinen ferner individuelle Lösungen gewählt worden zu sein. Die Entscheidung ist anscheinend vielfach den Prüfungsausschüssen überlassen worden. Es hat Stellungnahmen gegeben, man müsse nicht aufwerten weil die Prüfung keine fachlichen Fehler aufweise. Das bestreite ich in mindestens einem Punkt (im Bereich "Rechnungswesen", Aufgabe 2, die Bilanzanalyse), den ich jedoch erst nach der allgemeinen Verfügbarkeit der Aufgaben und Lösungsvorschläge öffentlich darlegen werde (derzeit besteht hier noch die Amtsverschwiegenheit).

Fazit: es bestehen drastische Ungleichbehandlungen, die in keiner Weise gerechtfertigt sind. Prüfungsergebnisse hängen vielfach nur davon ab, wo jemand an der Prüfung teilgenommen hat. Die Kammern sollten sich überlegen, ob Sie hier nicht in großem Umfang gegen geltendes Recht verstoßen. Das Qualitätsmanagement hat hier ebenso versagt wie das Krisenmanagement.

Zu den einzelnen Kammerbezirken

Braunschweig

Im Fach "Rechnungswesen" soll eine Aufwertung vorgenommen worden sein, aber der Faktor ist derzeit nicht bekannt. Wer mehr weiß, bitte hier klicken.

Zurück zur Übersicht

Dortmund

Wir haben derzeit nur eine einzige Information. Die besagt, es seit um 25% aufgewertet worden, aber nicht, in welchem Fach. Wer mehr weiß, bitte hier klicken.

Zurück zur Übersicht

Düsseldorf

Keine Aufwertung der Prüfungsergebnisse (mehrere übereinstimmende Aussagen).

Zurück zur Übersicht

Duisburg

Jemand schreibt, er habe eine "Vorabinformation" für das Fach "Rechnungswesen" mit 23,5 Punkten und eine endgültige Ergebnismitteolung mit 29 Punkten bekommen. Dies entspräche rechnerisch einer Aufwertung um den Faktor 1,25 (also der Empfehlung des DIHK). Offiziell wurde eine solche Aufwertung jedoch nicht mitgeteilt.

Zurück zur Übersicht

Erfurt

Keine Aufwertung der Prüfungsergebnisse (mehrere übereinstimmende Aussagen).

Zurück zur Übersicht

 

Esslingen-Nürtingen

Keine offizielle Bestätigung einer Aufwertung in den Mitteilungsschreiben an die Prüfungsteilnehmer, aber einer berichtet, es sei in "Rechnungswesen" auf eine 80-Punkte-Skala aufgewertet worden [entspricht Faktor 1,25]. In Finanzierung/Investition sei gar nicht aufgewertet worden.

Zurück zur Übersicht

Frankfurt am Main

Es wird berichtet, daß die Ergebnisse nur im Fach "Rechnungswesen", nicht aber in "Finanzierung und Investition" um den Faktor 1,25 aufgewertet worden seien. Dies, so heißt es, sei aber nicht bekanntgegeben worden, sondern wurde nur bei der Einsichtnahme entdeckt. Es ist daher ungewiß, ob wirklich alle Teilnehmer, die in Frankfurt am Main geschrieben haben, gleichermaßen aufgewertet worden sind, oder ob dies eine selektive Maßnahmen sein könnte, d.h. selbst zwischen den Teilnehmern dieses einen Standortes noch Ungleichbehandlungen bestehen.

Zurück zur Übersicht

Hamburg

Mehrere Prüfungsteilnehmer berichten übereinstimmend, es habe keinerlei Aufwertung gegeben. Es heißt, der Prüfungsausschuß habe abgestimmt und sich gegen eine solche Maßnahme entschieden. Diese Auskunft wurde anscheinend mehreren Prüfungsteilnehmern gegeben. Es wurde offenbar auch betont, daß das fehlerhafte Gantt-Diagramm in der Prüfung "Material-, Produktions- und Absatzwirtschaft" als Problem erkannt und zugunsten der Teilnehmer bewertet wurde. Ein Teilnehmer berichtet außerdem, daß Namen (statt Nummern) auf die Prüfungsexemplare zu schreiben gewesen wären.

Zurück zur Übersicht

Hannover

Keine Aufwertung der Prüfungsergebnisse (übereinstimmend von einer ganzen Anzahl von Teilnehmern berichtet).

Zurück zur Übersicht

Heidenheim

Ein Prüfungsteilnehmer berichtet von einer Aufwertung im Fach "Rechnungswesen" mit dem Faktor 1,25.

Zurück zur Übersicht

Karlsruhe

Keine Aufwertung der Prüfungsergebnisse (mehrere übereinstimmende Aussagen). Auch auf Rückfrage am Telefon bzw. während einer persönlichen Einsichtnahme vor Ort so bestätigt.

Zurück zur Übersicht

Kiel

Keine Aufwertung der Prüfungsergebnisse im Fach "Finanzierung/Investition", aber jemand berichtet von 6 Punkten Aufwertung im Fach "Rechnungswesen". Dies könnte einer Aufwertung um den Faktor 1,25 entsprechen, muß aber nicht. Ein anderer Teilnehmer berichtet ebenfalls von einer 80-Punkte-Skala, was wiederum einer Aufwertung mit dem Faktor 1,25 entsprechen würde, spekuliert aber auch, ob einfach die Bewertung einer Aufgabe gestgrichen worden sei. Wir halten dies für unwahrscheinlich; es wäre der einzige Fall und würde nicht der Empfehlung des DIHK entsprechen.

Zurück zur Übersicht

Köln

Keine Hinweise auf eine Aufwertung in den Mitteilungsschreiben. Leute, die darüber angerufen haben berichten, ihnen sei gesagt worden, es habe keine Aufwertung gegeben.

Zurück zur Übersicht

Lüneburg

Nur das Fach "Rechnungswesen" um den Faktor 1,25 aufgewertet, nicht aber Finanzierung/Investition.

Zurück zur Übersicht

München

Aufwertung im Fach "Rechnungswesen" mit Faktor 1,25 und in "Finanzierung/Investition" soll es keine Aufwertung gegeben haben. Einem Teilnehmer wurde dies nur als telefonische Auskunft bekanntgegeben; eine schriftliche Bestätigung dieser Verfahrensweise soll nicht aus den Ergebnismitteilungen ersichtlich sein.

Zurück zur Übersicht

Nürnberg

Aufwertung im Fach "Rechnungswesen" mit Faktor 1,25.

Zurück zur Übersicht

Offenburg (Lahr)

Uns liegt derzeit nur ein Bericht vor. Es heißt, in den Mitteilungen der Prüfungsergebnisse habe nichts von einer Aufwertung gestanden. Manche Teilnehmer hätten angerufen, und ihnen sei gesagt worden, daß in Rechnungswesen um 10% aufgewertet worden sei. Von 19 Teilnehmern sollen dennoch nur fünf bestanden haben.

Zurück zur Übersicht

Pforzheim

Angeblich wurde in Rechnungswesen das Prüfungsergebnis um 20% aufgewertet, aber es scheint keine offizielle schriftliche bestätigung dazu gegeben zu haben. Es liegen lediglich Hinweise von Lehrkräften und Teilnehmern vor.

Zurück zur Übersicht

Rostock

Aufwertungsfaktoren: Rechnungswesen x 1,25 aber keine Informationen über eine Aufwertung im Bereich Finanzierung/Investition.

Zurück zur Übersicht

Schweinfurt

Aufwertungsfaktoren: Rechnungswesen x 1,25 und Finanzierung/Investition x 1,1
(von mehreren Teilnehmern übereinstimmend berichtet).

Zurück zur Übersicht

Stuttgart

Keine Aufwertung der Prüfungsergebnisse (bisher nur eine Rückmeldung).

Zurück zur Übersicht

Waiblingen

Nur das Fach "Rechnungswesen" um den Faktor 1,25 aufgewertet, nicht aber Finanzierung/Investition.

Zurück zur Übersicht

Würzburg

Aufwertung: Rechnungswesen x 1,25 und Finanzierung/Investition x 1,1.

Zurück zur Übersicht

Ähnliche Themen, die Ihnen gefallen könnten