Hinweise für mündliche Prüfungen im Fach »Finanzierung/Investition«

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Nicht nur im Fach "Rechnungswesen" gibt es eine hohe Durchfallerquote; auch im Bereich "Finanzierung/Investition" bestehen viele Teilnehmer die schriftliche Prüfung nicht. Auch hier kann man aber mit einem guten mündlichen Prüfungsergebnis die Situation noch retten. Nachdem wir uns an dieser Stelle schon über die Prüfungsvorbereitung auf mündliche Rechnungswesen-Prüfungenausgelassen haben, kommen hier einige häufige Schwerpunkte der mündlichen Prüfung "Finanzierung/Investition".

Die grundlegende Unterscheidung

Während man unter Investition die kaufmännische Mittelverwendung versteht, ist Finanzierung die Beschaffung von Mitteln. Wir reden also über Konzepte, die die Aktiv- und die Passivseite der Bilanz gleichermaßen betreffen:

Grundschema der Bilanz
Aktiva Passiva
 
Ausweis der Mittelverwendung       Ausweis der Mittelherkunft
Vermögen, Wirtschaftsgüter       Kapital
Investition       Finanzierung

 

Während im Bereich "Rechnungswesen" dem Prüfungsteilnehmer die einzelnen Bilanzpositionen geläufig sein sollten, sind hier oft die jeweils relevanten Verfahren ein wesentlicher Prüfungsschwerpunkt.

Und los geht's…

Im Bereich der Finanzierung muß der Teilnehmer traditionell die vier Finanzierungsarten kennen, also Innen- und Außenfinanzierung voneinander abgrenzen und Eigen- und Fremdfinanzierung unterscheiden. Das ist sehr bilanznah und kann mit Fragen nach einzelnen Bilanzposten verbunden werden. Inzwischen kommen aber auch neue Arten der Finanzierung wie Venture Capital und Mezzanine-Finanzierung hinzu. Die vier Kriterien, die Mezzanine Eigenkapitalinstrumenten von mezzaniner Fremdfinanzierung unterscheiden, sollten bekannt sein. Zudem lesen Prüfer vor der Prüfung gerne die Zeitung, und das sollten auch die Prüfungsteilnehmer tun. Da ist selbst in der allgemeinen Wirtschaftspresse heutzutage oft von ABS-Transaktionen, Zweckgesellschaften und dem Rest die Rede – ganz offensichtlich ist das höchst prüfungsgefährlich.

Aktien und Anleihen

Nahezu allen Prüfungsteilnehmern sollte etwas zu den einzelnen Aktienarten einfallen, und auch die verschiedenen Arten und Gestaltungsformen der Anleihen sollten nicht unbekannt sein: Nullcoupon-Anleihen, Kommunalobligationen, Wandelschuldverschreibungen: das alles sollten keine Fremdworte sein. So wenig wie Optionsrechte, Derivate und der Rest. IHK-Betriebswirte werden übrigens auch gerne nach Aktienanleihen und anderen Finanzinnovationen gefragt, besonders in Zeiten der Finanzkrise. Auch hier schadet das vorherige Studium der Wirtschaftspresse nicht!

Wichtige Investitionsarten kennen

Im Bereich der Investition wird besonders gerne nach der grundlegenden Unterscheidung in statische und dynamische Verfahrengefragt. Das wird auch gerne mit Fragen nach einzelnen Verfahren kombiniert, die bisweilen der Kostenrechnung oder der Finanzplanung sehr nahe stehen. Solche Frageveranstaltungen arten auch gerne in Grundsatzdebatten über zugrundeliegende Definitionen aus. Doch auch die Investitionsrechnung geht über die elementaren Definitionen und die grundlegende Methodenlehre hinaus: Leasing, Factoring, Zession und ähnliche Geschäftskonzepte gehören je nach Blickwinkel sowohl in den Bereich der Investition als auch in den der Finanzierung und sollten dem Prüfungsteilnehmer geläufig sein. Wechsel indessen spielen kaum noch eine Rolle.

Eher strategische Sicht

Auch hier gilt, wie in nahezu allen mündlichen Prüfungen, das Konzept der Breite (und nicht der Tiefe): der Prüfungsteilnehmer wird vielleicht gefragt, was ein interner Zins ist, aber er muß ihn kaum jemals in einer mündlichen Prüfung berechnen. Er sollte wissen, wie ein Annuitätendarlehen funktioniert, muß es aber in der mündlichen Prüfung höchstens qualitativ demonstrieren. Dafür sollte wiederum bekannt sein, daß die Annuitätenvereinbarung stets teurer als das Abzahlungsdarlehen ist, und natürlich, warum das so ist. Auch die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden sollten bewußt sein. Ja, auch Leasingverträge haben Vorteile, doch die liegen nicht im Bereich der Verzinsung… kurz gesagt: mündliche Prüfungen in diesem Bereich sind eher strategisch als taktisch orientiert.

Wenig Steuerwissen gefragt

Das deutsche Steuerrecht ist bekanntlich recht komplex, und daher meist ein eigenes Prüfungsfach. Im Zusammenhang mit Investitions- und Finanzierungskonzepten wird höchstens nach Steuerarten z.B. im Sinne von Art. 106 GG (Ertragshoheit) oder nach direkten und indirekten Steuern und ihren Auswirkungen gefragt. Jedenfalls sollte der Prüfungsteilnehmer wissen, welche Sachverhalte steuerbar sind, und wer zu welcher Steuer steuerpflichtig ist. Die Einzelheiten pflegen sich die Prüfer hier aber meist zu schenken: so was gehört eher in eine eigene Prüfung. Im Bereich des betriebswirtschaftlichen Studiums kann das aber je nach zugrundeliegender Veranstaltung anders aussehen… ach ja: die MAPI-Methode ist das einzige Investitionsrechenverfahren, das die Ertragssteuern direkt berücksichtigt. In Kammerprüfungen wurde es aber noch nicht gesichtet…

Praxisbezug herstellen!

Schließlich sollte der Rat gegeben werden, die eigene Investitionspolitik und die Finanzierungsinstrumente des eigenen Unternehmens zu kennen, wenn die Prüfung im Rahmen einer Fortbildung erfolgt. Dann wollen die Prüfer nämlich oft wissen, was man von dem vielen theoretischen Wissen wie anwenden kann, und fragen nach dem eigenen Betrieb. Es ist also ratsam, sich vorher entsprechend zu informieren: auch wenn mezzanine- oder andere innovative Instrumente nicht eingesetzt werden kann es sinnvoll sein zu wissen, warum nicht. Eine überzeugende Begründung, etwas nicht zu tun, kann nämlich selbst schon die halbe Miete sein…

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