»Geprüfter Technischer Betriebswirt«: massive Probleme mit der Herbstprüfung 2008

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Schon immer haben wir an dieser Stelle über Probleme mit IHK-Prüfungen berichtet. Neben den zum Teil gravierenden fachlichen Fehlern in den Aufgaben werden auch die immer schwerer werdenden Prüfungen als Problem empfunden. Die Kammern wollen damit offenbar ihre Abschlüsse höher plazieren, aber viele Teilnehmer empfinden dies als unfair. Jetzt hat man anscheinend den Bogen überspannt.

So scheinen an einigen Standorten in der Fortbildung "Geprüfter Technischer Betriebswirt" in der Herbstprüfung 2008 mindestens im Bereich "Rechnungswesen" alle Teilnehmer durchgefallen zu sein. Von Nachkorrekturen ist die Rede, und von außerordentlichen Sitzungen, in denen beraten wird, wie man das offenbar auch in der öffentlichen Wahrnehmung immer katastrophalere Ergebnis noch etwas aufhübschen kann. Mehr Teilbewertungen scheinen dabei herauszukommen, man hört von anderen Punkteskalen mit niedrigeren Notengrenzen, und von "Basispunkten", die jeder bekommt – um das Desaster abzuwenden oder wenigstens abzumildern. Einige Prüfungsausschüsse sollen sogar die offizielle Feststellung der Ergebnisse aus Protest verweigert haben, ein einziges Chaos. Inzwischen scheint aber öffentlich bekannt zu werden (und damit nicht mehr unter die Schweigepflicht zu fallen), daß derzeit alle Ergebnisse einer zentralen Überprüfung unterzogen und alle Noten um einen bestimmten Wert angehoben werden. Kein Wunder, daß es mit den Ergebnissen wohl noch etwas dauert. Andernorts haben Teilnehmer berichtet, daß ihnen schon Ergebnisse mitgeteilt wurden und jetzt Korrekturmitteilungen verschickt worden seien – und einige, die ursprünglich durchgefallen waren, jetzt plötzlich doch bestanden hätten.

Dabei hatte man anscheinend schon im Laufe dieses Jahres erkannt, daß man mit der sogenannten "Waschkorb-Prüfung" auf dem Holzweg wandelte: man erzielt keine besseren Ergebnisse, wenn man alle Bücher und Skripte mitschleppen darf. Man hat nur Prüfungsteilnehmer, die mit der Sackkarre auflaufen. Und man hat viel Unruhe, wenn rundherum hektisch mit Büchern geraschelt wird. Kein Wunder, daß ab 2009 die Prüfungen wieder wie früher ohne Hilfsmittel geschrieben werden sollen. Jetzt scheint man langsam einzusehen, daß nicht nur dieses Experiment gescheitert ist. Wurden katastrophale Ergebnisse wie bei dieser Herbstprüfung billigend in Kauf genommen?

Hier steht auch im Weg, daß die Kammern weitgehend autonom handeln. Nichtmal der DIHK ist eine Aufsichtsbehörde im eigentlichen Sinn. Kundenbeschwerden werden bisher arrogant abgebügelt, denn man hat es anscheinend nicht nötig, sich mit den Problemen vor Ort zu befassen. Die Prüfungen werden von zentralen Aufgabenausschüssen erarbeitet, aber die Probleme entstehen dezentral an den einzelnen Kammerstandorten. Die scheinen keine Instruktionen zu haben, wie sie mit der gegenwärtigen Situation umgehen sollen. Das gestaltet die Lage etwas unübersichtlich, denn aus jeder Kammer hört man andere Gerüchte. Nur keine guten Nachrichten. So stellt sich der deutsche Bildungsprovinzialismus selbst ein Bein.

Unterdessen dringen ständig neue Fakten an die Öffentlichkeit. Wir werden die Einzelheiten, die uns recht zahlreich hinterbracht werden, aufmerksam beobachten und laden alle Leser ein, ihre Erlebnisse im Forum für Betriebswirtschaft ausführlich zu schildern. Je mehr Sachverhaltsdarstellungen gesammelt werden, desto weniger können sich die Verantwortlichen einer Auseinandersetzung mit ihren Kunden am Ende entziehen. Nur eines ist derzeit sicher: die Prüfungskampagne "Technischer Betriebswirt" ist noch lange nicht so abgeschlossen, wie manche es anscheinend gerne hätten…

Nur eines ist schon jetzt gewiß: Es ist ein Trauerspiel, wie die Industrie- und Handelskammern mit ihren selbstzahlenden Kundenumgehen!

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