Berufsakademie Eisenach: Feste feiern…

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In Eisenach hier in Thüringen zeigt sich der Staat ausnahmsweise von seiner besten Seite: als Träger der Berufsakademie. Der Diplomball mit feierlicher Übergabe der Zeugnisse nahm dieses Wochenende eine ganze Sporthalle in Anspruch, eine Veranstaltung mit über tausend Leuten. Ein Anlaß, über die Zeichen der Zeit in der Bildung nachzudenken, denn diese sind auch hier in Thüringen gut zu sehen. Besonders in Eisenach.

 

 
Die Festrede
Die Festrede von Prof. Dr. Rometsch
Die Diplomurkunden
Festliche Übergabe der Diplomurkunden
Das Festessen
Alles Käse?
Feste feiern...
Feste feiern…

So ist Eisenach bekanntlich Standort einer Vielzahl von Automobilzulieferern, die derzeit alle mit der Wirtschaftskrise kämpfen. Werden normalerweise fast alle erfolgreichen Absolventen des dualen BA-Studiums nach dem Diplom übernommen, so haben dieses Mal auffällig viele nur einen befristeten Vertrag bekommen, oder gar keinen: zu schlecht ist die Auftragslage in Zeiten der Finanzkrise.

Dabei ist das duale BA-Studium eigentlich ein Erfolgsmodell: anders als an einer Universität, nach deren erfolgreichem Abschluß der frischgebackene Akademiker oft recht unsanft in der bösen Wirklichkeit landet, haben die BA-Absolventen alle zugleich ein "normales" Arbeitsverhältnis. Sie müssen sich also in den Unternehmen bewähren. Und die Unternehmen wissen zum Zeitpunkt des Diploms schon genau, was für Stärken und Schwächen die Leute haben, was den Anfang des Karriereweges ganz offensichtlich erleichtert, sind Fehlbesetzungen doch fast ausgeschlossen. Kein Wunder, daß viele BA-Absolventen schon kurz nach Abschluß ihres Studiums in Führungspositionen aufsteigen. Und ich kenne einen, der nach seinem Diplom zusammen mit seinem ehemaligen Werkleiter eine eigene Firma gründete, sehr zum Mißfallen des bisherigen Arbeitgebers. Der hatte nicht mit einer solchen Konkurrenz gerechnet.

Dieses Jahr war alles anders: selbst Absolventen mit ausgezeichnetem Diplom stehen jetzt plötzlich auf der Straße. Die sogenannte Finanzkrise, die eigentlich längst eine ausgewachsene Weltwirtschaftskrise ist, ist damit auch in der Bildung angekommen. Dort entwertet sie die Abschlüsse derer, die sich ehrlich bemüht und eine gute Arbeit geleistet haben. Sie werden mit einem Knick gleich am Anfang ihres Lebenslaufes belohnt, denn später sieht nicht übernommen worden zu sein nicht nach externen Anlässen aus, sondern nach einem verborgenen Problem in der Vita des Bewerbers. Kein guter Start also.

Wir haben an dieser Stelle immer wieder auf die Schädlichkeit der Spekulationsmärkte hingewiesen. Nirgendwo kann dies deutlicher werden als an dem Schaden, den die Kasino-Wirtschaft im Leben junger Menschen anrichtet. Und genau da zeigt der Staat sich von seiner übelsten Seite, denn während in Eisenach letzte Woche gefeiert wurde, bereitet man in Berlin neue Verschärfungen des Emissionshandels vor, also neue Spekulationsmärkte. An denen bald auch Privatpersonen teilnehmen sollen. So also versenkt man eine einstmals erfolgreiche Wirtschaft.

Das ist genau das Problem mit dem Liberalismus, der uns in Deutschland abhanden gekommen ist: die Gutmenschen haben den Kampfbegriff vom "Turbo-Kapitalismus" geprägt, aber in Wirklichkeit sind die Märkte korrumpiert. Staatliche Kontrollen allüberall, Festpreise, Zwangsleistungen, Pflichtmitgliedschaften. Euphemisten sprechen von einem "regulierten Umfeld" und meinen die Planwirtschaft. Wir alle wissen aber was passiert, wenn man einen Sozialisten in die Wüste schickt: drei Jahre nichts, und dann wird der Sand knapp.

Auf kaum eine Zeit trifft der bittere DDR-Witz besser als auf unsere Epoche. Die drei Jahre sind fast vorbei. Wenn wir so weitermachen, wird es nicht mehr viele Diplombälle geben, in Eisenach oder anderswo. Die Zeichen der Zeit waren in der diesmal sehr stimmungsvoll ausgestalteten Sporthalle kaum zu erkennen, gleichwohl aber präsent. Wir stehen am Scheideweg, und erfolgreiche Diplomanden müssen eine Entscheidung fürs Leben fällen. Wenn sie hierbleiben sollen, dann muß ihnen der Staat eine Perspektive bieten. Das tut er derzeit nicht, jedenfalls nicht in Deutschland. "Brain drain" heißt die Alternative, die Abwanderung von Fachkräften in erfolgreichere Regionen. Die liegen meist weg von hier, in Arabien, Indien und China zum Beispiel.

Wer heute hier beim Diplomball seinen erfolgreich erreichten Abschluß feste feiert, der wird auch bald feste arbeiten. Es fragt sich nur, wo und als was. Das ist, was die Politik in Deutschland noch nicht einsieht, aber die Märkte sind wie immer näher an der Realität. Wenn der Staat nicht attraktivere Rahmenbedingungen gestaltet, werden bald nur noch die bildungsfernen Schichten übrigbleiben. Aber immerhin gibt es für die ja auch schon spezialisierte Kurzlern-Angebote…

Links zum Thema: Deutschland am 9. November: vom Untergang des Liberalismus (interner Link) Berufsakademie Eisenach (externer Link)

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