Geprüfter Technischer Betriebswirt: die häufigsten Fehler bei der Projektarbeit

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Immer wieder finden Projektarbeiten den Weg auf meinen großen Korrekturschreibtisch, die dieselben vermeidbaren Fehler aufweisen. Es wäre vergleichsweise einfach, bessere Bewertungen zu erzielen, wenn man nur einige grundlegende Dinge beachtet. Die Pareto-Analyse der Studien- und Projektarbeiten zeigt zwei grundsätzliche und häufige Schwächen, und damit zwei beträchtliche und leicht erreichbare Verbesserungspotentiale:

Der Fehler des Technikers

Der wahrscheinlich häufigste Fehler ist, daß Techniker keine Betriebswirte werden. Das bewirkt, daß sie am Thema vorbeischreiben – und mit unter durchfallen. So haben wir immer wieder Arbeiten gesehen, in denen technische Details in geradezu epischer Breite dargestellt werden, aber nicht ersichtlich ist, welche betriebswirtschaftliche Bedeutung diese Einzelheiten haben. Wenn im Titel der Arbeit, und der ganzen Fortbildung, aber was vom geprüften technischen Betriebswirt steht, dann sollten die betriebswirtschaftlichen Bezüge solcher technischer Details offensichtlich sein. Der Autor einer solchen Arbeit muß knapp gesagt schon ein Techniker sein, aber zeigen, jetzt auch ein Betriebswirt zu werden. Der Schwerpunkt sollte also auf betriebswirtschaftlichen Aspekten liegen, und technische Details sollten nur insofern dargestellt werden als sie zur Erreichung betriebswirtschaftlicher Ziele erforderlich sind. Die diesbezügliche Abwägung ist Teil der Prüfung und bewertungsrelevant.

Fehlender innerer Zusammenhang

Ein anderes Problem ist, daß die Teile der Arbeit schlecht oder gar nicht zusammenpassen. Das läßt auf lückenhafte Kenntnisse und fehlende Orientierung im Thema schließen. So muß jede betriebswirtschaftliche Praxisarbeit theoretische Grundlagen darstellen. Anders als ein Lexikon oder ein Lehrbuch sollte die Projektarbeit aber nur die theoretischen Grundlagen vorführen, die später auch im Rahmen des Themas tatsächlich angewandt werden: wer beispielsweise eine Nutzwertanalyse machen will, muß die entscheidungstheoretischen Grundlagen darstellen, und wer einen Kostenvergleich veranstalten will die entsprechenden kostentheoretischen Grundlagen. Das fehlt leider sehr oft, und es wird munter mit Begriffen und Methoden hantiert, die nirgendwo definiert sind. Und die oft auch falsch angewandt werden: viele Kostenvergleiche, die ich schon gesehen habe, waren in Wirklichkeit Aufwandsvergleiche, oder die Anschaffungskosten wurden mit großer Naivität gegeneinandergestellt, obwohl sie eben gerade keine Kosten sind. Kein Wunder, daß so was in die Hose geht.

Umgekehrt dürfen aber auch nur die Grundlagen dargestellt werden, die dann auch tatsächlich eingesetzt werden. In einer mir derzeit vorliegenden Arbeit werden beispielsweise viele Begrifflichkeiten aufgeführt, die später aber nirgendwo mehr vorkommen. Sie hängen also gleichsam in der Luft – ein sicheres Zeichen, daß die Bearbeiterin nicht wirklich wußte, was sie tut.

Die Projektarbeiten der Kämmerlinge

Leider bieten die Industrie- und Handelskammern bei der Anfertigung solcher Studien- und Projektarbeiten wenig Betreuung. Das ist schade, denn die hier dargestellten Fehler lassen sich oft schon im Ansatz an der Gliederung erkennen, die als Teil des Themenvorschlages meistens mit eingereicht werden muß. Es wäre also auch für einen Betreuer leicht, dem Teilnehmer rechtzeitig entsprechende Hinweise zu geben. Auch den Kammern wird also geraten, die Art und Weise der Prüfungsdurchführung in dieser Hinsicht zu überdenken.

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Links zum ThemaIndustrie- und Handelskammern: wenig Betreuung bei Studien- und Projektarbeiten | Studien- und Diplomarbeiten: Hinweise für die Aufstellung der Grobgliederung | Wer mit der Maus tanzt: Häufige Fehler in Studien- und Diplomarbeiten (interne Links)

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