NS-Zwangsarbeiterentschädigungen: von der fortwirkenden Bußsucht und ihrem Nutzen

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In einem Festakt feierte das offizielle Berlin diese Woche den Abschluß der Entschädigungszahlungen an die ehemaligen NS-Zwangsarbeiter. Über sechs Jahre sind seit 2001 über 4,4 Mrd. Euro an verschiedene Empfänger meist in Osteuropa ausbezahlt worden. Man mag sich darüber wundern, daß die Entschädigungen erst so spät ausgezahlt werden, aber das aus zweierlei Grund.

So ist die Nazizeit bekanntlich seit 62 Jahren vorüber, seit 62 Friedensjahren, für die wir dankbar sein sollten, denn der Frieden ist bekanntlich keine Selbstverständlichkeit – auch nicht in Europa, wo künstliche Staatsgebilde wie Jugoslawien in Kriegen zerbrachen. Daß aber erst jetzt Entschädigungen für vor so langer Zeit erlittenes Unrecht an Nazi-Opfer geleistet werden, ist ein Skandal – aber nicht nur für die Empfänger, die ein Menschenleben darauf warten mußten. Viel mehr noch für die Lebenden, die Milliardenbeträge für die Fehler ihrer Väter und Großväter zahlen mußten ohne selbst schuld zu sein. Man kann nicht eine nachfolgende Generation für geschichtliche Ereignisse zahlen lassen, die sie nicht verursacht haben, denn das schafft neues Unrecht.

Die Absurdität des Gedankens kann man wie immer am besten durch eine Übertreibung illustrieren: machte ich mir die Denkweise der Holocaust-Industrie zu eigen, müßte ich sofort Ansprüche an den italienischen Staat stellen, denn meine Vorfahren sind nahezu sicher vom römischen Kaiser Diokletian übel geknechtet worden. Ich bin ein Diokletian-Überlebender, jedenfalls in so ca. der 60. Generation. Verzinst man meinen Anspruch über fast 1700 Jahre (Diokletian starb im Jahre 313 oder 316 in Salona), so wäre ich Milliardär. Absurd, gewiß. Aber die Zahlungen an die NS-Zwangsarbeiter sind es ebenso, denn die, die sie tragen mußten, haben sich nichts zuschulden kommen lassen. Ich lehne es aber ab für etwas zu büßen (und zu zahlen), was ich nicht getan habe, und dafür schäme ich mich ausdrücklich nicht. Dazu schweige ich auch nicht, denn ich fordere Gerechtigkeit – auch für die lebende Generation, und deshalb endlich ein Ende der deutschen Bußsucht, der Erpressung durch die Holocaust-Industrie. Einen Schlußstrich, endlich.

Doch die Sache hat auch noch eine andere Seite, die wie immer den Mainstream-Medien nicht entnommen werden konnte: wenn nämlich pro Nazi-Opfer nur zwischen 2.500 und 7.500 Euro ausbezahlt wurden, dann müssen es Tausende und Abertausende von Empfängern sein. Man fragt sich aber, wie so viele noch 62 Jahre später leben können. Entweder, so der unvermeidliche Schluß, wurde massiv betrogen, was bedeuten würde, daß viele Zahlungen an Nichtberechtigte geleistet wurden, oder es kann doch damals gar nicht so schlimm gewesen sein wenn man das bis heute noch so zahlreich überleben kann. So besudelt die späte Buße auch noch das Ansehen der NS-Opfer (oder fördert bestehende Vorurteile gegen angeblich unehrliche Osteuropäer), hat man das gewollt?

Es könnte also lohnend sein, nach wirklichen Beweggründen der Milliardentransfers zu forschen, denn hätte man die KZ-Überlebenden und Zwangsarbeiter wirklich entschädigen wollen, dann hätte man sogleich nach dem Krieg die damals ganz sicher noch recht zahlreich ihre eigenen Verbrechen überlebenden Nazi-Größen enteignen können, das hätten sie verdient. Mehr als ihre Hinrichtung, denn die war ein billiger Ausweg. Geschehen ist das aber nicht, auch nicht in Nürnberg.

Dafür wird jetzt Europa auf der Bußsucht der Deutschen gebaut, denn wir sind bekanntlich die größten Nettozahler der Union. Wären wir das aber auch, wenn man uns ohne den Schuldkomplex leben ließe? Ist es ein Zufall, daß in der Schuman-Declaration vom 9. Mai 1950 die EGKS als Verteilungsinstitution für deutsche Reparationszahlungen (und nicht etwa behufs der europäischen Einigung) vorgeschlagen wurde? Ist es ein Zufall, daß gerade dieser Tag, der 9. Mai, bis heute als Europatag begangen wird, wir also unsere eigenen Reparationszahlungen auch noch feiern sollen? Was wird aus Europa, wenn Merkel die dahinsiechende Pseudo-Verfassung nicht gegen den Willen der Nationen durchsetzen kann und die Kraft der deutschen Bußfertigkeit doch irgendwann mal nachläßt? Die neue Sowjetunion, die EUdSSR, ist nicht auf Sand gebaut, sondern auf ein noch viel unsichereren Grund. Sie ist also in ihrer Existenz bedroht, wenn die Deutschen einmal aufwachen. Und das tun sie, irgendwann bestimmt.

Auch die Existenz Israels beruht nur und ausschließlich auf Hitlers Verbrechen, und damit automatisch auf der deutschen Unterstützung – zum Beispiel mit kernwaffentauglichen U-Booten, die der deutsche Steuerzahler der israelischen Armee zu schenken die Großzügigkeit besaß. Was aber wäre wenn jemand mal auf die Idee kommt, daß nicht der Iran ein Schurkenstaat ist sondern Israel, das schließlich seit der Staatsgründung am 14.05.1948 seine Nachbarn terrorisiert? Die Existenz eines ganzen Staates auf der Selbstzerknirschung der Deutschen aufzubauen ist immerhin nicht unbedingt ein sicheres Fundament, denn sogar in Deutschland ändern sich die Dinge. Langsam, aber sie ändern sich.

Es wird höchste Zeit, daß wir endlich in die Zukunft schauen, und nicht in die Vergangenheit. Hitlers Schatten sind zweifellos lang, aber trotzdem endlich – hoffentlich. Wir sollten aufhören, Reparationsleistungen zu zahlen, für die Zweiten wie für den Ersten Weltkrieg. Wir sollten auch aufhören, jene in die rechte Ecke zu stellen, die endlich wieder ihre eigenen Interessen über die anderer Völker stellen, denn in jedem anderen Land der Welt ist das selbstverständlich. Nur nicht in Deutschland. Wir sollten, in einem Wort, endlich wieder zu uns kommen. Unsere Großväter waren schuldig, gewiß, aber uns macht das nicht zu Mittätern. Wir brauchen, so haben wir bei den Festakten diese Woche gelernt, den Schlußstrich. Endlich!

Links zum Thema: EU-Osterweiterung: nichts zu feiern | Zwischenruf: ich kann gar nicht so viel Fressen… | Reparationen: Deutschland zahlt bis 2020 | (interne Links)

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