TV-B-Gone, oder die schwachen Nerven des BWL-Boten

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Die mehr oder auch weniger modernen Fernkommunikationsmittel haben ihren Nutzen, gleichen bisweilen aber auch einer wahren Pest. Während der BWL-Bote im eigenen Rechnernetz vor den Unbilden der werbenden Wirtschaft ganz ausgezeichnet durch ein kleines Freewareprodukt geschützt ist, das mit schlappen 300 k Downloadgröße in FireFox integriert besser ist als der teure Werbeblocker von Norton, ist gegen entnervendes Werbeblubbern von Fernsehgeräten im öffentlichen Raum bislang kein Kraut gewachsen. Bisher, denn jetzt kommt Abhilfe: TV-B-Gone, der ultimative Friedensstifter für gequälte Werbegeschädigte.

 

  TV-B-Gone sorgt für Ruhe

So ist die wichtigste Taste am heimischen Fernsehgerät bekanntlich der Ausschalter, dicht gefolgt von der Stummschaltung, bevorzugt am Anfang eines jeden Werbeblockes mit flinken Fingern zu betätigen – von meiner Frau, denn ich übe mich in Fernsehabstinenz. Konsum pro Woche: unter einer halben Stunde. Eine so asketische Lebenseinstellung ist leider nicht immer möglich, zum Beispiel in einschlägigen Elektronikmärkten. Da ist der gequälte Werbezuschauer gleich einer ganzen Wand voller flackernder, blubbernder TV-Geräte hilflos ausgesetzt.

Wirklich ganz hilflos?

Nein, nicht mehr: die beste aller Fernbedienungen hat nur eine einzige Taste: »AUS«, aber dafür einen großen Speicherchip, auf dem die Ausschaltsequenzen aller bekannten TV-Gerätetypen gespeichert sind. Die zu senden braucht es nur wenige Sekunden, und dann ist Ruhe, einfach wundervolle Ruhe. Tena Lady zum Abendbrot, die küssenden Odolflaschen vor dem Film oder gar die Brüllwerbung der Telekom, sie alle verschwinden da, wo sie hingehören, nämlich im digitalen Nirvana. Aus die Maus, Schluß der Bus, E-Off an der Flachröhre.

Zugegeben, im einschlägigen Einzelhandel würde ich mich damit nicht sehr beliebt machen – entdeckte man meinen kleinen Schlüsselanhänger, der freilich so klammheimlich benutzt werden kann, daß ich die Verkäufer schon zur Weißglut getrieben habe. Auch in Kneipen kann man sich damit (un)beliebt machen: kein Fußballgebrüll mehr, keine Flackerspots, nur noch Kerzenlicht und Gemütlichkeit. Stille auf Knopfdruck, so einfach ist das. So also sieht er aus, der mündige Fernsehzuschauer: vor einem schwarzen Bildschirm. Eine digitale Aufforderung zum Selberleben, und vielleicht auch mal zum Selberdenken. Politisch nicht gewollt in unserer fremdgesteuerten Zeit, aber noch immer möglich, selbst in Zeiten da Tausende digitale Kanäle per Satellit täglich ihren Mist auf uns abladen rund um die Uhr.

Dabei sind die Anwendungen wahrlich grenzenlos: der plötzlich mitten in einem Verkaufsgespräch ausgehende Flachbildfernseher, plötzliche Ruhe in einem einschlägigen Baumarkt, der seine Kunden mit ganz besonders dummen Werbespots quält oder die ständig scheiternden TV-Vorführung im Klassenzimmer, einschlägigem Unfug sind keine Grenzen gesetzt. Und das nicht nur am 1. April, meint der BWL-Bote. Zappp!

Links zum Thema: Die verschluckte Krankenschwester, oder von Onanie in der Marktkommunikation | Neue Werbeformen: brauchen wird bald Bildschirmschoner für Fernseher? | Fernseh-Werbeblocker erlaubt: Am Beginn einer Revolution der Marktkommunikation (interne Links)

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