Studien- und Projektarbeiten: häufige Fehler bei der Präsentation der Arbeit

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Im Zusammenhang mit den Fortbildungsprüfungen vor den Industrie- und Handelskammern ist in vielen Lehrgängen eine Projektarbeit vorgesehen, die dann in einer Prüfungsveranstaltung ("Fachgespräch") präsentiert werden muß. Dabei werden leider immer wieder dieselben Fehler gemacht, die eigentlich nicht sein müßten. Schauen wir uns mal die beliebtesten Hauer an:

Verzetteln im Detail

Wer sich wochen- oder gar monatelang mit einem Thema befaßt hat, kennt dieses (hoffentlich) in- und auswendig. Dennoch stehen für eine Präsentation oft nur 15 oder 20 Minuten zur Verfügung. Man muß also die Kunst beherrschen, die wichtigsten Ergebnisse und Argumentationsstränge so darzustellen, daß ein Zuhörer die Sache versteht ohne mit vielen kleinen, meist technischen Einzelheiten überfordert zu werden. Der Fehler, in Details zu versinken, ist besonders bei Technikern häufig, die über Normen und Meßwerte manchmal gar nicht mehr zum eigentlichen Thema finden – und prompt durchfallen. Man muß auch damit rechnen, nach Ablauf der vorgesehenen Zeit unterbrochen zu werden. Die Methode der umgekehrten Pyramide hat sich daher bewährt: mit den wichtigsten Ergebnissen anfangen, und dann so weit ins Detail gehen, wie sinnvoll und zeitlich möglich.

Die Fehler der Spezialisten

Legende ist der Prüfungsteilnehmer, dem im Bereich des internationalen Rechnungswesens niemand etwas vormachen konnte, der aber nicht wußte, daß eine GmbH keine Personengesellschaft ist: eine Doktorarbeit geht typischerweise ins Detail, aber eine Projekt- oder auch eine Diplomarbeit eher in die Breite. Man muß die Grundlagen des Themas ebenso wie seine Fernwirkungen beherrschen – und auf entsprechende Fragen in die Breite eher als in die Tiefe gefaßt sein. Die Prüfer wollen meist nicht wissen, wie man eine Break Even Rechnung ohne Mengenangabe aufstellt (das geht!), sondern eher, was für eine Rolle die Stückkostendegression generell spielt (was für eine denn?). Es kommt in einem Wort auf die Grundsätzlichkeiten an. Sich darauf zu beschränken ist zugegebenermaßen schwierig, aber gleichwohl wichtig.

Die Fehler der Techniker

Techniker sind ein Sonderfall der Spezialisten, denn ihnen fällt es oft besonders schwer, sich auf betriebswirtschaftliche Grundtatsachen einzulassen. Der Gebrauch des Wortes "Investitionskosten" verrät das ganz gut (eine Investition ist eben gerade keine Kostenart), oder die nicht minder falsche Ansicht, Lagerkosten bestünden im wesentlichen aus Personal-, Raum- und Energiekosten (das Wesentliche sind die Zinskosten ,der Rest ist dagegen meist Kleinkram). Solche Spitzfindigkeiten kennen wir aus schriftlichen Prüfungen, aber sie sind nicht ohne guten Grund dort so wichtig – weil nämlich das ganze Rechnungswesen auf sowas aufbaut. Das sollte man auch in der Projektpräsentation nicht vergessen.

Formale Mängel

Etwas anders gelagert aber gleichwohl gravierend sind Fehler im Umgang mit der verwendeten Technik. Projektpräsentationen mit dem Computer (und nicht mit der Schreibmaschine oder gar handschriftlich) anzufertigen, ist heute ein selbstverständlicher Standard. Gleichwohl verhalten sich viele Leute am Computer wie vor Jahrzehnten an der Schreibmaschine. Besonders Office-Produkte wie Word laden zu solchen Fehlern ein, weil sie sich bis heute am Modell der Schreibmaschine orientieren, weshalb professionelle Satzsoftware wie QuarkXPress, PageMaker oder InDesign bevorzugt werden sollte. Den Umgang damit zu üben, ist eigentlich ein Bestandteil des Lehrganges und eine sinnvolle Qualifikation – auch dann, wenn dies nicht explizit Prüfungsstoff ist.

Die Vortragstechnik

Fortbildungslehrgänge wie "Geprüfter Betriebswirt" oder "Geprüfter Technischer Betriebswirt" zielen auf Mitarbeiter im mittleren Management. Die müssen heute nicht nur optisch ansprechende Entscheidungsvorlagen ausarbeiten können, also mit ihrer Software umgehen können, sondern auch überzeugend Dritten gegenüber präsentieren. Die richtige Vortragstechnik ist daher bedeutsam: wer seine Arbeit dem Prüfungsausschuß vorliest, hat schlechte Karten. Freie Rede zu beherrschen (oder im Vorfeld zu üben) ist eine Selbstverständlichkeit. Natürlich spielt hier oft Prüfungsangst eine Rolle. Diese zu überwinden ist Teil der Sache und sollte bewußt als Ziel der Veranstaltung wahrgenommen werden. Über Hinweise zum inhaltlichen Aufbau der Präsentation haben wir uns schon an anderer Stelle ausgelassen.

Und schließlich: der Baurülps

Letztlich muß man noch ein elementares Thema ansprechen, das im Zeitalter kopfnotenfreier Schulzeugnisse leider nicht mehr in der vierten Schulklasse abgehakt ist: Benimm und Anstand in der Prüfung. Legende ist in diesem Zusammenhang der Baukalkulator, der mit halbleerer Colaflasche im Blaumann ans Prüfungspult trat: er vergaß zudem, daß Prüfer auch heute noch den Gebrauch von Wörtern bewerten, die auf einer Baustelle akzeptabel sein mögen, aber schlecht in eine Prüfung passen.

Links zum Thema

Prüfungsfragen, in die Breite und in die Tiefe | Knallharte Prüfungsfragen zur Break Even Rechnung, Teil 3 von 3 | Economy of Scale und der Ökologismus | Gravierende Schwächen in Studien- und Diplomarbeiten: wie man es nicht machen sollte | Strategien gegen die Prüfungsangst | Hinweise zur Verteidigung von Studien- und Diplomarbeiten | Hinweise zur Anfertigung von Studienarbeiten | Tips zur Themenwahl bei Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten (interne Links)

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