Ohne Moos nix los: warum das Bankkonto nicht immer ein Aktivkonto ist

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In vielen Lehrbüchern der Buchhaltung wird das Bankkonto in Übungen und Beispielen stets als Aktivkonto dargestellt. Während dies in der Wirklichkeit nur als euphemistische Vereinfachung bezeichnet werden kann, ist eine solche Vereinfachung auch aus didaktischen Gründen nicht sinnvoll, denn das Erlernen der grundlegenden Buchungsregeln ist die wichtigste kognitive Leistung, die dem Lernenden am Beginn der buchhalterischen Ausbildung abverlangt wird. Wer diesen Schritt nicht geht, wer also nach einier gewissen Zeit keine Buchungssätze zaubern kann, wird immer Schwierigkeiten haben.

 
Soll Bank Haben
 
AB 1.000 €       Zahlung 200 €
Gutschrift 500 €       SB 1.300 €
         
  1.500 €     1.500 €

Grundsätzlich enthält das bei einer Geschäftsbank geführte Girokonto liquide Geldmittel, also Vermögensgegenstände. Insofern ist es natürlich schon ein Aktivkonto – jedenfalls meistens. Schauen wir uns das mal in einem grundlegenden Kontierungsbeispiel an, das die Kenntnis der grundlegenden Buchungsregeln voraussetzt:

Ein Kontoinhaber eröffne ein Geschäftsjahr mit einem Anfangsbestand (AB) i.H.v. 1.000 Euro. Im fraglichen Jahr gibt es nur eine Gutschrift über 500 Euro und eine Abbuchung von 200 Euro. Der Schlußbestand (SB) beträgt also 1.300 Euro und das Bankkonto ist die ganze Zeit über ein Aktivkonto, denn es enthält die ganze Zeit über liquite Zahlungsmittel, also Vermögenswerte.

 
Soll Bank Haben
 
AB 1.000 €       Zahlung 200 €
Gutschrift 500 €       Zahlung 900 €
SB 400 €       Zahlung 800 €
         
  1.900 €     1.900 €

Wir wissen aber alle, daß das Portemonnaie aus Zwiebelleder ist: wenn man es anguckt, kriegt man das Heulen. So sei es auch hier bei unserem Beispielunternehmer, der im Berichtsjahr nicht nur die eine Zahlung i.H.v. 200 Euro leisten muß, sondern auch noch weitere 900 unr 800 Euro. Das ergibt das nebenstehende Bild:

Jetzt aber ist es wichtig, die Buchungsregeln zu kennen: man summiert zunächst auf der Soll- und der Haben-Seite die Buchungen, und schreibt die größere Summe unter beide Seiten des Kontos. Auf der anderen Seite bildet sich ein Saldo, der den Schlubestand darstellt. Im Beispiel ist der Saldo i.H.v. 400 Euro aber im Soll des Kontos zu finden. Die Abschlußbuchung muß also das Schlußbilanzkonto im Haben berühren:

 

Bank AN Schlußbilanz 400

Hieraus aber folgt, daß in der Schlußbilanz das Bankkonto im Haben steht – und damit zu einem Passivkonto geworden ist, denn es enthält jetzt kein Vermögenswert mehr, sondern eine Verbindlichkeit der Bank gegenüber.

Dies ist auch didaktisch eine wertvolle Erkenntnis, denn am Anfang der Buchhalterausbildung stehen oft Fragen nach dem Typ einer bestimmten Buchung. Diese Fragen sind – gewollt! – mehrdeutig, wenn sie das Bankkonto betreffen. Die Buchung

 

Kasse AN Bank

beispielsweise, die die Abhebung eines Barbetrages vom Bankkonto darstellt, kann ein Aktivtausch sein, wenn das Bankkonto ein Aktivkonto ist, denn dann nehmen die Kasse zu und die Bank ab. Die gleiche Buchung aber kann auch eine Bilanzverlängerung sein, wenn der Zunahme der Kasse eine Zunahme der Verbindlichkeiten auf dem Bankkonto entgegensteht. Dies ist gleichsam pädagogisch wertvoll, denn es trainiert das Umgehen mit grundlegenden Definitionen und Buchungsregeln.

Nicht nur das Bankkonto kann abwechselnd ein Aktiv- oder ein Passivkonto sein, auch das Postgirokonto und Personenkonten können es sein. So wäre die Überweisung vom Bank- auf das Postgirokonto mit der Buchung

 

Postgiro AN Bank

je nach Saldo der beiden beteiligten Konten ein Aktivtausch (beide im Guthaben), ein Passivtausch (beide im "Minus"), eine Bilanzverlängerung (nur die Bank im "Minus" oder eine Bilanzverkürzung (Postgiro im "Minus"). Dies zu erkennen ist eine nicht unwesentliche Übungsaufgabe.

Links zum ThemaGrundlagen der Buchhaltung | Die wichtigsten Geschäftsbuchungen | Die wichtigsten Abschlußbuchungen |Internationale Rechnungslegung (interne Links)

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