Plankostenrechnung: was zum Teufel ist ein Variator?

Teilen

 

Kostenrechnungssysteme sind Teil der internen Unternehmenssteuerung, und Sie müssen daher anschaulich sein, um kommuniziert werden zu können. Sonst funktionieren sie nämlich nicht. Es ist schon schwer genug, daß sie immer auf spitzfindigen Definitionenruhen: so ist es oft schwer zu erläutern, warum auch für eine mit Bargeld bezahlte Anlage Zinskosten entstehen, aber die Zinsen, die man z.B. an eine Bank zahlt, in der Kostenrechnung nichts zu suchen haben. Überflüssige Definitionen sollte man daher vermeiden, und überflüssige Methoden auch. Das wissen nur leider die Prüfungslyriker nicht.

Ein gutes Beispiel für solch überflüssige Methoden ist die Plankostenrechnung, die kein Mensch je in der Wirklichkeit macht, sei es in der starren oder der flexiblen Inkarnation: die Teilkostenrechnung ist vollkommen ausreichend. Dennoch – oder gerade deshalb – geistert die Plankostenrechnung durch nahezu jede IHK-Prüfung der Technischen Betriebswirte, jetzt auch in ihrer Ausgestaltung als Variatormethode. Auch die braucht keiner, aber das im Vorfeld einer Prüfung zu fragen ist natürlich die gänzlich falsche Frage. Schauen wir also etwas näher hin:

Der sogenannte Variator ist eine Kennziffer die angibt, wieviel Prozent die variablen Kosten an den geplanten Gesamtkosten ausmachen, falls die Planbeschäftigung realisiert wird. Er drückt also das Ergebnis der Kostenauflösung im Rahmen der Plankostenrechnung aus. Schauen wir uns das mal an einem Beispiel an:

Für einen Produktionsprozeß entstehen Fixkosten i.H.v. 12.000 Euro pro Periode und variable Kosten von 20 Euro pro Stück. Die Kostenfunktion beträgt also K = 12.000 + 20 x. Die Planbeschäftigung betrage 1.000 Stück, aber durch die Einführung des Emissionshandels und den dadurch bedingten Rückgang der Binnennachfrage wurde nur ein Absatz von 800 Stück erzielt. Wie hoch ist der Variator?

Die tatsächlichen Kosten betragen also Kreal = 12.000 + 20 x 800 = 28.000 Euro, aber das will keiner wissen. Die Definition des Variators bezieht sich ja nur auf die Planbeschäftigung und damit die Plankosten. Diese betragen KPlan = 12.000 + 20 x 1.000 = 32.000 Euro. Die variablen Kosten in dieser Rechnung machen Kvar = 20 x 1.000 = 20.000 Euro oder 62,5% der Gesamtkosten aus. Der Variator beträgt also 0,625 oder 62,5%. So einfach ist das!

Der Variator stellt nicht, wie gelegentlich behauptet wird, eine eigenständige Methode der Kostenauflösung dar, sondern lediglich eine besondere Schreibweise im Rahmen der Plankostenrechnung dar. Er gilt nur für einen bestimmten Beschäftigungswert, die Planbeschäftigung. Mit steigender Beschäftigung steigt er unter sonst gleichen Umständen, mit sinkender Beschäftigung sinkt er. Das aber interessiert letztlich keinen, denn der praktische Nutzen der Variatorrechnung ist beschränkt – will heißen, die Teilkostenrechnung genügt als Methode völlig. Nur vor einer Prüfung ist das die falsche Herangehensweise.

Wer also Technischer Betriebswirt werden will tut gut daran, sich die Plankostenrechnung reinzuziehen – auch wenn man sie gleich nach erfolgreicher Prüfung wieder vergessen kann. Das ist zwar eigentlich traurig, aber dennoch ein Imperativ der erfolgreichen Prüfungsvorbereitung.

Links zum ThemaHäufige Irrtümer: warum nicht alles, was veränderlich ist, auch variabel ist | Häufige Irrtümer: Warum die Bankzinsen nichts mit den Zinskosten zu tun haben | LMI und LMN: überflüssige Definitionen in der Prozeßkostenrechnung |Controlling: Das Grundmodell nach Horváth und die Folgen (interne Links)

Ähnliche Themen, die Ihnen gefallen könnten

1 Response

  1. Roger Eugster sagt:

    Die Formel für die Berechnung des Variators laute meiner Meinung nacht: Variabler Kostenanteil multipliziert mit dem Faktor 10; das Resultat dieser Multiplikation anschliessend dividiert durch die Gesamtkosten.
    In Ihrem Beispiel würde die Rechnung wie folgt aussehen: 20'000 Euro multipliziert mit dem Faktor 10 ergibt 200'000 Euro. Dividiert man diese 200'000 Euro durch die Gesamtkosten von 32'000 Euro erhält man einen Variator in der Höhe von 6.25. Ein Variator liegt immer im Bereich von O und 10. Ein Variator von 0 bedeutet vollständig fixe Kosten und ein Variator von 10 folglich vollständig variable Kosten.
    Der Variator lautet folglich nicht 0.625 sondern 6.25 (Multiplikation mit dem Faktor 10).