Schwarze Schafe: Hinweise zur Wahl der richtigen Bildungsfirma

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Die Wahl der richtigen Bildungsfirma ist ein zentrales Entscheidungsproblem jedes Aus- und Fortbildungsteilnehmers. Während bei jungen Auszubildenden diese Entscheidung oft von den Eltern getroffen wird, muß im Bereich der Erwachsenenbildung diese wichtige Entscheidung jeder Fortbildungsteilnehmer selbst fällen. Wir geben einige elementare Ratschläge, in die meine zwanzigjährige Markterfahrung einfließt.

Zunächst ist die Werbung in öffentlichen Werbeträgern wie Zeitschriften und Zeitungen das erste Aushängeschild einer jeden Firma, nicht nur im Bildungsgewerbe. Formen, Farben und Schriftarten müssen hier die wesentliche Botschaft kommunizieren. Dieses einfache Beispiel zeigt die Wichtigkeit der Wahl der Schriftart:

Die Wichtigkeit von Schriftarten als CI-Schema
Auch wenn ein Bildungsbetrieb kein Gefängnis ist so zeigt dies doch, daß Präsentation und präsentierter Inhalt harmonieren müssen. Gutorganisierte Unternehmen wissen das, nicht nur im Bildungsgewerbe. Schaut man sich aber beispielsweise die typographisch uneinheitlichen und gestalterisch unruhigen ganzseitigen Inserate von Unternehmen wie ILS oder SGD an so erkennt man sofort, daß es an graphischer Kompetenz mangelt. Diesem Mangel aber folgen häufig qualitative Mängel, die wir an dieser Stelle mehrfach dargestellt haben – auch wenn jemand namens Peter Gabelt, den ich am Telefon zuvor ausgiebig zur Wahl der richtigen Bildungsfirma beraten habe, mich nunmehr (zum Dank?) unter Androhung "rechtlicher Schritte" (!) beschuldigt, mich nur selbst verherrlichen zu wollen.

Auch Tradition ist wichtig, denn unseriöse Firmen verschwinden auch im Bildungsbereich schnell vom Markt. Während die deutsche Bildungspolitik einst Elitebildung verhindern und alle Universitäten gleich bewerten wollte, kursieren doch inoffizielle Uni-Rankings im Internet, derer man dringend habhaft werden sollte, denn die Personaler entscheiden oft nach solchen Listen, da sie die Unis ja nicht selber alle kennen und vergleichen können. Ähnlich ist es bei Bildungsträgern, deren Tradition für sie spricht: so ist die Deutsche Angestellten-Akademie in der Deutschen Angestelltengewerkschaft begründet, und die IHK hat, trotz der zahlreichen Kritiken an ihren Prüfungen und Lehrgängen, schon wegen ihrer nichtkommerziellen Ausrichtung und generellen Neutralität einen guten Namen, der sich auch auf einem Zeugnis gut macht – viel mehr als der einer völlig unbekannten, nur lokal tätigen Kleinfirma.

Manche Unternehmen haben Qualitätsmanagementsysteme, die oft auch ISO-zertifiziert sind. Insbesondere im Zusammenhang mit öffentlichen Mittelgebern wie der Arbeitsverwaltung oder dem Europäischen Sozialfonds (ESF) werden solche Zertifikate inzwischen regelmäßig verlangt – und genau deshalb sind sie eben gerade kein Garant für Qualität, sondern nur einer für quasi-staatliche Überwachung. Ohnehin gelten im Bildungsbetrieb ganz andere Qualitätsmaßstäbe als in anderen Branchen: auf eine ISO-Zertifikat sollte man also nur wenig geben.

"Free Things Always Hurt" weiß das (englische) Sprichwort, oder was nichts kostet, ist auch nichts wert. Ob Universitäten mit Gebühren und Bildungsgfirmen mit hohen Preisen auch besser sind, kann man mE nach nicht allgemein entscheiden. Dozenten mit geringen Honoraren sind aber meist schlechter, denn wer für 8 Euro (!) die Stunde unterrichtet zeigt damit, keinen besseren Auftraggeber finden zu können. Kann man zwar die Dozentenhonorare meist nicht erfahren, so sollte man doch überlegen, inwieweit die Teilnahme an öffentlich geförderten Maßnahmen noch sinnvoll ist, denn dort sind die Honorare seit Jahren massiv verfallen. Kompetente Kollegen meiden daher solche Auftraggeber ebenfalls seit Jahren, wenn sie können. Hier ist der Staat der Spielverderber, leider.

Auch die Lehrpläne und Prüfungsordnungen sollte man vor einer Entscheidung einer Prüfung unterziehen. Hierbei kann nicht nur der Inhalt des Stoffplanes mit den Bedürfnissen möglicher Arbeitgeber abgeglichen werden: auch unrealistische Vorstellungen der Bildungsfirma lassen sich oft schon im Vorfeld auffinden. Die Industrie- und Handelskammern beispielsweise legen im Durchschnitt eine Lehrgangsdauer von zwei Jahren bis zur Prüfung "Betriebswirt/IHK" oder "Technischer Betriebswirt" zugrunde. Einige Anbieter im Markt behaupten aber, dieses Ziel in einem Kurzlehrgang von nur wenigen Tagen (!) erreichen zu können. Ich halte dies für ausgemachten Unsinn, denn zum Erfolg gibt es bekanntlich keinen Lift. Man muß immer die Treppe benutzen.

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's doppelt ungeniert" weiß der Volksmund, der bekanntlich häufig Wahrheit kund tut. Jedem angehenden Aus- und Fortbildungsteilnehmer ist daher dringend anzuraten, Dritte über Erfahrungen mit der ins Auge gefaßten Firma zu befragen, also deren Ruf zu erforschen. Virtuelle Orte wie das Forum für Betriebswirtschaft sind dafür besonders geeignet, weil in virtuellen Debatten die Hemmungen gesellschaftlicher Höflichkeitskonventionen oft wegfallen, und leichter Klartext geredet wird. Bei der Beurteilung des Rufes einer Firma ist aber stets zu beachten, daß Unzufriedene ihre Unzufriedenheit mitteilen ("negative Mundpropaganda"), Zufriedene Absolventen sich aber nur selten äußern. In diesem Zusammenhang ist besonders sinnvoll, betriebliche Entscheidungsträger zu befragen, so man derer habhaft werden kann: diese entscheiden nämlich nachher über Einstellung oder Nichteinstellung, so daß deren Urteil, auch wenn es falsch ist, wichtiger als jede objektive Tatsache sein kann.

Insgesamt, so die harte Wahrheit, gibt es keine objektiven und keine zuverlässigen Entscheidungskriterien. Der Markt entscheidet, und mangels Transparenz oft subjektiv. Und schließlich: man muß auch Glück haben im Leben. Das gilt, leider, auch für die Wahl der richtigen Betreuung beim Lernen.

Links zum Thema: Unfaire Prüfungsfragen: Ein neues Beispiel von der SGD | Der Bilanzgewinn und die SGD, oder wie man Können und Erkennen sachgerecht vermittelt | FIFO, LIFO und die SGD: veraltete Aufgaben, falsche Lösungen | »Donald Dick«: Porno-Sprache in Übungsaufgaben! | In eigener Sache: Dies ist ein unabhängiges Projekt – wir betreuen keine Bildungsfirma! | Studiengebühren und Elitebildung: über die heiligen Kühe des Sozialismus | Kundenzufriedenheit und Qualitätsmanagement im Bildungsbetrieb | Forum für Betriebswirtschaft (interne Links)

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