Kleiner Ratgeber für Dozenten: wie man an Lehraufträge kommt

Teilen

Immer wieder werde ich von Kollegen, und solchen, die es werden wollen zu den Klippen des Lehrgewerbes befragt. Das wundert nicht, denn ich bin in diesem Jahr genau zwanzig Jahre dabei, kenne also schon einige der wichtigsten Fallen. Anlaß genug, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Weitere Artikel werden dem geneigten Leser in loser Folge an gleicher Stelle von Zeit zu Zeit begegnen.

Angestellt oder Freiberuflich?

Diese Frage stellt sich eigentlich nicht mehr, bedenkt man die Steuer- und Abgabenlast des Arbeitnehmers. Arbeitnehmer benötigen zudem die Erlaubnis ihres Arbeitgebers für nebenberufliche Tätigkeiten. Dazu gehören auch Lehrtätigkeiten. Wer aber als Dozent angestellt ist, braucht sich ohnehin nicht um Aufträge zu kümmern. Er bekommt sie auf dem Silberteller von seinem Brötchengeber serviert. Oder auch nicht, denn wer, etwa wegen der auch unter Merkel andauernden Krise der Bildungsfirmen, betriebsbedingt entlassen wird, steht erstmal vor dem Nichts.

Haupt- oder nebenamtlich?

Diese Frage ist schon viel bedeutsamer, bedenkt man, was das Sozialfallbeil anrichten kann. Wer also freiberuflich und mehr als nur geringfügig als Dozent tätig ist, begibt sich entweder in die Zwangsrentenversicherung, oder in eine große Gefahr. Wer krankenversichert ist, und die Dozententätigkeit seiner Kasse meldet, stellt übrigens einen Antrag: die Krankenkassen schreiben nämlich Kontrollmeldungen an die Zwangsrentenversicherung.

Der Dozent und die Seilschaften

Das bringt uns zu der eigentlich spannenden Frage, wie man nämlich an Aufträge kommt. Eines gleich vorweg: nicht durch Bewerbungen. Es ist äußerst selten, daß ein Freiberufler per Bewerbung einen Lehrauftrag bekommt – mit ist das in zwanzig Jahren nicht ein einziges Mal (!) gelungen, aber ich habe es auch seit zehn Jahren nicht mehr versucht. Die Lehraufträge sind nämlich, wie fast alle Aufträge in Krisenbranchen, ziemlich verfilzt. Bauauftragnehmer wissen, was ich meine. Es gibt aber bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur die falschen Klamotten. So ist das auch in der Wirtschaft: man muß sich an Märkte anpassen (statt die Änderung der Märkte zu fordern). Wie aber geht das hier?

Empfehlungsmarketing

Viel wirksamer ist eine Empfehlung. Der Bewerber kann nämlich alles in eine Bewerbung schreiben; viel glaubwürdiger ist für den Auftraggeber aber eine Empfehlung eines unbeteiligten Dritten. Dies ist aber auch viel schwerer zu erlangen, denn die Leute meckern eher als daß sie loben. Eine rote Ampel ist entnervend, eine grüne hingegen eine Selbstverständlichkeit. Man wird also für jede Kleinigkeit ausgiebig verrissen, aber selbst bei exzellenter Leistung selten gelobt. Hinzu kommt, daß Leute hart anzufassen zur Aufgabe des Dozenten gehören kann – etwa Lernresistente Auszubildende oder frustrierte Studis, die gleichwohl bei einem Durchfaller mit harten Konsequenzen für ihr weiteres Leben rechnen müssen. Diese Leute merken oft erst viel später, daß ihnen ein wenig Druck gutgetan hat. Sie sind also keine Empfehlungsträger. Das Qualitätsmanagement im Bildungsbetrieb kennt ganz eigene Regeln, die es nicht eben leichter machen, empfohlen zu werden.

Von langfristigen Kooperationen

Die meisten Bildungsfirmen neigen dazu, lieber bekannte Dozenten erneut zu beauftragen als mit neuen Mitarbeitern Risiken einzugehen. Sie sind risikoscheu. Das aber bedeutet, daß es schwer ist, neue Auftraggeber zu finden, aber auch (relativ) schwer, sie wieder zu verlieren. Aller Anfang sei schwer, behauptet der Volksmund, wie wahr: wer in den Job einsteigt, schafft das meist nur über "Vitamin B". Ein "Kaltstart" ohne vorher schon bestehende Beziehungen ist nahezu unmöglich – oder ein großer Glücksfall. Zugleich heißt das aber auch, daß Beziehungspflege für das Selbstmarketing wichtig ist: ich habe Dauerauftraggeber, die mich teils schon seit 15 Jahren mit Lehraufträgen versorgen, und es sicher auch noch weitere 15 Jahre tun werden. Diese Kontakte haben also einen hohen wert.

Werde eine Autorität!

Ein offensichtlicher Rat ist also, auf einem bestimmten Gebiet zu einer Autorität zu werden. Man wird dann stets als erstes angerufen, wenn es einen neuen Auftrag zu vergeben gilt, und steht ganz oben in den Terminkalendern der Bildungsfirmen – und in den Suchmaschinen. War hier einst ein konkreter Rat schwierig, kann heute ersehen, was ich meine, wer meinen Namen oder betriebswirtschaftliche Fachbegriffe in Google eingibt. Leider ist ein solcher Bekanntheitsgrad nicht in wenigen Wochen aufzubauen, das braucht Jahre. Es ist also kein Rat an Neulinge, nur einer an alle die, die schon lange dabei sind.

Die Dozentenbörsen im Internet

Eine weitere Kontaktfläche sind einschlägige Kontaktbörsen im Internet. Die Dozentenbörse oder Trainer.de sind bekannte Anbieter, die natürlich kostenpflichtig (aber auch nicht sehr teuer) sind. Großer Vorteil solcher Dienste ist, daß man dort bereits auf die richtigen Kooperationspartner trifft, sich also zielgerichtet präsentieren kann, und Seminare und Anbieter nach eigenen Kriterien selektieren kann. Meine persönliche Einschätzung ist aber, daß dort nur die Lehraufträge gepostet werden, für die sich keiner findet – zum Beispiel wegen schlechter Konditionen. Die Sahnestücke sind längst weg, wenn ein Anbieter in einer solchen Seite seine Seminare anbietet.

Ein Fazit?

Der Markt ist derzeit in einer schlechten Verfassung, was hauptsächlich an seiner Staatsnähe liegt, denn fast der ganze Bildungssektor ist staatsfinanziert, und damit indirekt staatlich. Bindung zählt nichts in Deutschland. Kaum sonst irgendwo wird in dem radikalen Maß gekürzt und abgeschafft wie im Bildungsbereich. Als Berufsanfänger ohne ein ausgedehntes Netzwerk an Beziehungen, Freundschaften und "Vitamin B" als Dozent einzusteigen, ist derzeit meines Erachtens nach nahezu unmöglich. Ich habe nicht ohne Grund keine neuen Kollegen. Das sollte bedenken,w er es dennoch versuchen will – und keinesfalls (!) nur von der Lehrtätigkeit abhängig sein.

Links zum Thema

Steuer- und Abgabenlast in Deutschland | Der konspirative Dozent: Wie die BfA Existenzen vernichtet | Kundenzufriedenheit und Qualitätsmanagement im Bildungsbetrieb | Die größten Fehler: über die Klippen des Beratungsgewerbes (interne Links) |Dozentenbörse | Trainer.de (externe Links)

Ähnliche Themen, die Ihnen gefallen könnten