Luftschutz für Mädchen, oder wenn die Geschichte den gleichen Fehler zwei Mal macht

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In einer Buchhandlung, wo ich aus gegenwärtigem Mangel an gesetzlichen Zahlungsmitteln nach Kauf eines neuen Autos derzeit eigentlich nichts zu suchen habe, fielen mir kürzlich alle Ausgaben der "Mitteldeutschen Zeitung" aus dem Dezember 1935 in die Hand. Natürlich befindet sich das schon damals solide gebundene Sammelwerk jetzt in einem meiner zahlreichen Bücherregale. Das lustvolle Stöbern in den alten, raschelnden Zeitungsblättern birgt jedoch manchen Schrecken.

So wird zwischen kleinen Berichten über Diebstähle oder einen Betrüger, der auf Thüringer Dörfern Glühbirnen über Preis verkauft hat von einem Juden berichtet, der eine deutsche Freundin und mit ihr in "wilder Ehe" ein Kind hatte. Daß er wegen "Rassenschande" zu Zuchthaus verknackt wurde, wird wie selbstverständlich kommentarlos berichtet. Der eigentliche Hammer findet sich aber auf der letzten Seite der Ausgabe vom 8. Dezember 1935:

Luftschutzübung für Mädchen, Dezember 1935

Mädchen aus einer Berufsschule erhalten hier Luftschutztraining und üben sich im Bild des Berichterstattung voller Stolz im Löschen brennender Dachböden – wohlgemerkt im Jahre 1935, also knapp vier Jahre vor Kriegsausbruch. Jemand wußte also offensichtlich etwas, was die Bevölkerung erst Jahre später erfahren sollte.

Wer aus der Geschichte nichts lernt, so heißt es, sei dazu verurteilt, sie zu wiederholen. Immer wieder haben wir an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß unter der Oberfläche wenig sichtbare aber um so wirksamere Parallelen bestehen. Von der Öffentlichkeit kaum beachtet wurden schon im Sommer 2004 drastische Notstandsgesetze erlassen, mitten im Frieden sozusagen. Weiß auch hier jemand etwas, was der Rest der Bevölkerung erst später erfährt? Der damalige Aufruf des Landwirtschaftsministeriums zur Notbevorratung wurde belächelt. Wurden 1935 auch solche Luftschutzübungen belächelt?

Wir werden an dieser Stelle keine Verschwörungstheorien verbreiten aber darauf hinweisen, daß die Geschichte sich zwar wiederholt, aber selten auf dieselbe Art. Die heutigen Neonazis sollte man gewiß nicht ignorieren; will man sie aber loswerden, sollte man ihnen nicht die Behörden auf den Hals schicken, sondern ihnen Zukunft und Arbeitsplätze geben. Die Parallelen sind unserer Auffassung nach nur oberflächlich und provokativ, denn die damaligen "echten" Nazis waren eben gerade keine bierflaschenschwingenden gröhlenden Dummglatzen, sondern hochgebildete, entschlossene Männer von Format, und gerade deshalb so gefährliche Leute. Die Gefahren unserer Zeit liegen woanders, aber sie könnten dieselben schrecklichen Folgen haben – die direkte deutsche Unterstützung der israelischen Atomrüstung ist so ein Beispiel. Oder die neue, von uns an dieser Stelle als strukturelle Gewalt definierte Form des Faschismus, die als solchen wahrzunehmen sich die viele Menschen noch weigern. Luftschutzübungen werden da freilich kaum mehr weiterhelfen, auch nicht für Mädchen. Vielleicht aber wird mit Notstandsgesetzen schon vorbereitet, was die parasitäre Kaste weiß, daß kommen wird.

Links zum Thema: Wirtschaftssicherstellungsverordnung: Rot-Grün bereitet die Kommandowirtschaft vor | Landwirtschaftsministerium ruft zu Notbevorratung auf – aber weshalb? | Zwischenruf: ich kann gar nicht so viel Fressen… | Tractatus Oeco-Politicus (interne Links) | Offizielle Empfehlung des Ministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft zum Führen von Notvorräten | Verordnung über die Sicherstellung von Leistungen auf dem Gebiet der gewerblichen Wirtschaft (Wirtschaftssicherstellungsverordnung – WiSiV) | Gesetz zur Sicherung von Verkehrsleistungen (Verkehrsleistungsgesetz – VerkLG)

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