Zwischenruf: ich kann gar nicht so viel Fressen…

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Mit einer Gedenkveranstaltung hat der Bundestag heute der Befreiung von Auschwitz gedacht und alle Welt ermahnt, sich gegen alle Formen von Antisemitismus zur Wehr zu setzen. Der BWL-Bote begrüßt das ausdrücklich. Wie immer ist das aber nur die halbe Wahrheit – und offenbart die ganze Verlogenheit der Politik. Der BWL-Bote kann wie immer die Klappe nicht halten und bricht einige Tabus.

So hätte man nicht nur der ermordeten Juden gedenken müssen, sondern auch den Opfern des Ökologismus, denn glaubt man einschlägigen Statistiken, sind seit dem Verbot des Insektenvernichtungsmittels DDT Anfang der 70er Jahre mehr Menschen an Malaria und anderen von Insekten übertragenen Krankheiten zu Tode gekommen als insgesamt durch den ganzen Zweiten Weltkrieg. Auschwitz als ein Rundungsfehler der Mordlust – aber nur den Opfern punktueller Gewalt wird gedacht, nicht denen struktureller Gewalt.

Doch selbst insofern war das heutige Gedenken höchst unvollkommen, gewiß notwendig und wünschenswert, aber eben doch nur die halbe Wahrheit. So gehen die Israelis seit Jahrzehnten unter billigender Inkaufnahme der "Weltgemeinschaft" mit erschreckender Brutalität gegen die Araber vor, denen sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Bibel als Grundbuch das Land geraubt haben, aber dieser Verbrechen gedachte heute niemand. Deutschland hingegen beteiligt sich indirekt daran – zum Beispiel, indem es Israel Waffen schenkt, so wie unlängst nagelneue U-Boote, die auch mit Kernwaffen bestückt werden können.

Es läge uns an dieser Stelle fern, Leichenberge gegeneinander aufrechnen zu wollen, aber wir fühlen uns genötigt darauf hinzuweisen, daß das Gedenken an einen Leichenberg im Angesicht zahlreicher verdrängter Opfer anderweitiger staatlicher Gewalt von höchst selektiver Wahrnehmung zeugt und wenig glaubwürdig ist – um es höflich auszudrücken. Wir nehmen auch an dieser Stelle nicht dazu Stellung, ob die Deutschen sich nicht doch indirekt und verdeckt am Irakkrieg beteiligt haben und den USA ihre Gefangenentransporte in Folterländer erlaubt haben – sollte davon aber nur ein Bruchteil wahr sein müßte sich schämen, wer der Opfer von Auschwitz gedenkt, die Opfer der gegenwärtigen Kriege und nichtkriegerischen Gewalthandlungen aber verschweigt.

Letztlich gedenken wir heute Adolf Hitlers, denn ohne den angeblich größten Feldherren aller Zeiten hätte es nicht nur den Ostblock mit seinen sozialistischen Gefangenenlagern nicht gegeben, sondern auch die gegenwärtige Gewalt Israels gegen so ziemlich alle seine Nachbarn nicht, denn ohne den Holocaust wäre der Staat Israel nie entstanden. Das aber unterscheidet uns von den Franzosen, die den Geburtstag ihres größten Feldherren seiner Zeit schon längst wieder ungestört feiern dürfen.

"Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte" soll der Maler Max Liebermann angesichts eines Nazi-Aufzuges gesagt haben. Mir fällt dieses Zitat zur gegenwärtigen Verlogenheit ein. Wenn selbst der Mann im Rollstuhl Folgergeständnisse verwerten will, dann aber an die Gaskammern denkt, wenn wir uns, wie auch immer, am Morden in der Welt beteiligen, dann aber bescheiden das Haupt neigen über die Taten unserer Groß- und Urgroßväter, dann sollten alle, die mit solchen Scheuklappen gesegnet sind, mal einige Tage in einem palästinensischen Flüchtlingslager verbringen, oder vielleicht in Afghanistan, wo ja angeblich der Drogenanbau unter deutschem Schutz steht. Den hohen Herren Volksvertreter würde das scheinheilige Getue vergehen, und einige würden dann vielleicht wirklich Friedenspolitik veranstalten, denn eine Schocktherapie hat schon manchen geheilt. Einstweilen würde es vielleicht auch genügen, die finanzielle und materielle Unterstützung der israelischen Kriegsmaschinerie wie aller anderen Armeen sofort einzustellen. Aber das darf noch keiner offen aussprechen. Noch nicht. Bis wir in vielleicht hundert Jahren den Hitler so feiern dürfen wie die Franzosen heute den Napoleon – wobei doch beide keiner Feier würdig sind. Einstweilen wird ernsthaft über deutsche Kernwaffen nachgedacht, zur Verteidigung gegen "terroristische Angriffe". Pfui Teufel, Scheiße soll es regnen!

Update 29.01.2006: Wie nicht anders zu erwarten, hat dieser Artikel ziemlich eingeschlagen. Wir wurden von einem Leser darauf aufmerksam gemacht, daß die den Israelis geschenkten U-Boote 533 mm Abschußschächte hatten, die eigens zur Aufnahme von Kernwaffen auf 650 mm erweitert wurden. Man mag es schon als Skandal empfinden, daß Deutschland angesichts der bekannten Haushaltsprobleme und hohen Arbeitslosigkeit millionenteure Geschenke macht, aber ganz offensichtlich wird wissentlich der Atomkrieg durch Lieferung kernwaffentauglicher Systeme unterstützt – übrigens auch bei der Tagesschau nachzulesen.

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