Studienfachwahl: Was man im Leben tun sollte, und warum

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Die Entscheidung über das richtige Studium und die richtige Stelle ist wegweisend für das ganze Leben. Fehler, die hier gemacht werden, haben oft jahrzehntelange Auswirkungen. Auf der anderen Seite finden starke Charaktere oft unfehlbar das, was sie wirklich suchen, und oft auch gegen alle Widerstände: so geht die vermutlich zutreffende Mär, Albert Einstein sei ein schlechter Schüler gewesen. Das hinderte ihn später nicht an einigen bekanntlich bedeutsamen Entdeckungen. Kann man diese Erkenntnis aber auf angehende Betriebswirte übertragen – und kann man sie verallgemeinern?

Erkenne Dich selbst

Vielen Auszubildenden werden Entwicklungslinien von ihren Eltern vorgelebt oder vorgeschrieben, zum Beispiel weil sie Vaters Geschäft übernehmen sollen. Während es natürlich einen guten Start ins Berufsleben verspricht, sich in ein gemachtes Nest setzen zu können, sollte man dennoch sorgfältig überprüfen, ob das auch wirklich das Richtige ist, denn wer das Produkt haßt, ist ein schlechter Geschäftsführer, auch bei einem ererbten Unternehmen. Hier kann es bedeutsam sein, in Primär- und Sekundärinteressen zu unterscheiden.

Primäre und sekundäre Interessen, oder was wirklich zählt

Man sollte unterscheiden, ob das, was man gerne tut, auch als Lebensaufgabe taugt. So haben viele Hobbygärtner zwar Spaß an der Pflege ihres Vorgartens, würden aber nicht so gerne vollzeitmäßig als Landschaftsgärtner arbeiten. Mancher führt gerne Auto, wäre aber nur ungerne Berufskraftfahrer. Tätigkeiten, die man ein Leben lang ausüben möchte, beruhen in der Regel auf sogenannten Primärinteressen, während Hobbytätigkeiten, mit denen man jederzeit auch aufhören könnte, eher auf Sekundärinteressen beruhen. Wie aber kann man beides zuverlässig unterscheiden?

Papa Einstein als Vorbild

Ich kann selbst auf eine ganz ähnliche Karriere zurückblicken, denn ich bin als Schüler erfolgreich durch alle Mathematikklausuren geknallt, habe dann aber zu Hause meine Programme geschrieben (Commodore 8032, ältere Computerfreaks kennen das Gerät vielleicht noch). Die damals übliche 8-Bit-Assemblersprache für den 6502er-Prozessor in diesem Gerät habe ich ohne Bücher und damals natürlich ohne Internet durch Ausprobieren und Nachmachen halbverstandener Beispiele erlernt – und mir damit mehr Abstürze eingehandelt, als ein Windows-User heute je zu sehen bekommt, aber am Schluß Systemerweiterungen programmiert. Ich behaupte daher, daß die Arbeit mit Computern für mich keine Hobbytätigkeit war.

Die Rolle der Lehrer

Leider sind viele Lehrkräte eher ideologisch geprägt, was sich sehr zum Nachteil der Schüler auswirken kann. Ich erinnere mich gut an den selbst erlebten Fall eines Hauptschülers (!), der aus drei Transistoren, einer Batterie und ein paar anderen Teilen einen Verstärker baute. Die ganze Klasse sollte sich an den Händen fassen, und als hinten die letzten zwei sich die Hände gaben, ging vorne eine Klingel los: der Verstärker konnte den Strom durch alle Schüler hindurch messen. Die Lehrer hingegen verboten dem Schüler solche Experimente (vorgeblich aus Sicherheitserwägungen, obwohl nur mit ungefährlichen 6 Volt gearbeitet worden war) und empfahlen den Eltern, ihm den "Elektronikkram" wegzunehmen.

Was Eliteförderung leisten müßte

Ich behaupte aber, daß fast jeder solche Fähigkeiten und Begabungen hat, und Aufgabe einer Schule wäre es, diese zu erkennen und zu fördern. Dies aber wäre eine konsequente Talentsuche und Begabtenförderung, und davor haben Schulpolitiker Angst wie der Teufel vorm Weihwasser, denn das gleichmacherische Schulbild der sozialistischen Bildungsexperimente der Ära Willy Brandt ist noch heute in den Köpfen der Kultuspolitiker. überflüssige Institutionen wie die Kultusmunisterkonferenz sind aber kaum reformfähig.

Wie man Primärinteressen identifiziert

Dabei gibt es ein einfaches Mittel, Primärinteressen von Sekundärinteressen zu unterscheiden, nämlich die Krise. In der Medizin ist die Krise die Phase in der sich entscheidet, ob ein Patient lebt oder stirbt; in der Wirtschaft fällt in der Krise die Entscheidung über Leben oder Sterben einer Volkswirtschaft – ein eher aktueller Gedanke bei fast neun Millionen Arbeitslosen. Für Krisen ist es aber typisch, daß Sekundärinteressen aufgegeben und Primärinteressen weiter verfolgt werden. Das macht den Unterschied. Was das heißt, zeigen wir an einem Beispiel.

Der Kaiser und die Meeresbiologie

Dem (ehemaligen) japanischen Kaiser Hirohito (1901-1989), Kaiser von Japan (1926-1989), soll ein begeisterter Meeresbiologe gewesen sein (und eine Autorität auf diesem Gebiet). Er mußte aber seinen Lebensunterhalt davon nicht bestreiten. Die Aristokraten vergangener Jahrhunderte investierten eine Menge Zeit in die Jagd, brauchten aber das Fleisch nicht. Römische Kaiser hatten ihre Vorlieben für Literatur (oder für Feuer), waren aber auch darauf nicht angewiesen. All dies sind Sekundärinteressen, Surrrogataktivitäten. Das ist eine fundamentale Erkenntnis: man muß die Ersatzbefriedigungen von den wirklichen Interessen trennen. Man muß finden, was man im Leben wirklich tun will. Die Krise ist ein guter Katalysator dafür.

Links zum Thema

Studiengebühren und Elitebildung: über die heiligen Kühe des Sozialismus | Zerfällt jetzt die Kultusministerkonferenz? | Schavan warnt vor "Kleinstaaterei" in der Bildungspolitik | 8,6 Millionen Arbeitslose – schon vor Beginn der Energierationierung | Wie aus Lernen Erfolg gemacht wird (interne Links)

 
 

Literatur

Zingel, Harry: "Lehrbuch für Prüfungsteilnehmer. Schriftliche und mündliche Prüfungen erfolgreich überstehen", 14,8 x 20,9 cm, 136 S., 14,80 EUR, ISBN: 3-937473-06-8, Amazon.de

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