Zum Vergleich: die bisherige Zinspolitik der EZB

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Gestern haben wir uns darüber Gedanken gemacht, was die Zinspolitik der EZB mit dem Arbeitsmarkt zu tun hat. Um ein abgerundeteres Bild zu vermitteln dokumentieren wir an dieser Stelle die komplette bisherige Zinspolitik der EZB seit Einführung des Euro im Jahre 1999. Zeigt sich hier die Ruhe vor dem Zinssturm?

 

Datum Deposit
Facility
Main
Refinance
Marginal
Lending
Die Zinspolitik der EZB seit 1999
Die Zinspolitik der EZB seit 1999
Sehen wir hier die Ruhe vor dem Zinssturm?
01.01.1999 2,00% 3,00% 4,50%
04.01.1999 2,75% 3,00% 3,25%
22.01.1999 2,00% 3,00% 4,50%
09.04.1999 1,50% 2,50% 3,50%
05.11.1999 2,00% 3,00% 4,00%
04.02.2000 2,25% 3,25% 4,25%
17.03.2000 2,50% 3,50% 4,50%
28.04.2000 2,75% 3,75% 4,75%
09.06.2000 3,25% 4,25% 5,25%
01.09.2000 3,50% 4,50% 5,50%
06.10.2000 3,75% 4,75% 5,75%
11.05.2001 3,50% 4,50% 5,50%
31.08.2001 3,25% 4,25% 5,25%
18.09.2001 2,75% 3,75% 4,75%
09.11.2001 2,25% 3,25% 4,25%
06.12.2002 1,75% 2,75% 3,75%
07.03.2003 1,50% 2,50% 3,50%
06.06.2003 1,00% 2,00% 3,00%

Nach einer Zinshausse um die Jahrtausendwende sind die Zinsen kontinuierlich in zahlreichen kleinen Schritten gesenkt worden und liegen seit dem 6. Juni 2003 unverändert auf niedrigem Niveau. Das aber dürfte nicht mehr von langer Dauer sein, denn die steigenden Energiepreise haben erst die Preise und dann die Europäische Zentralbank zunehmend unter Druck gebracht. Das wurde durch die Zinserhöhung der Federal Reserve Bank in den USA letzte Woche verschärft. Die rot-grüne Verknappungs- und Verteuerungspolitik schlägt damit auf den Kapitalmarkt und dadurch indirekt auch wieder auf den Arbeitsmarkt durch – mit möglicherweise katastrophalen Folgen.

Man mag einwenden, daß eine bevorstehende Zinserhöhung "nicht so schlimm" sei, denn vor fünf Jahren sei das Zinsniveau viel höher als jetzt gewesen. Doch die Situation um die Jahrtausendwende ist nicht mit der Gegenwart vergleichbar, denn die e-Commerce-Hype jener Tage schuf Arbeitsplätze, wenngleich auch nur für kurze Zeit. Nunmehr aber kommen neue Produktionsbremsen wie der Emissionshandel und vermutlich demnächst eine Umsatzsteuererhöhung hinzu – die die Krise ebenfalls vertiefen. Wir haben also, um es in ein Wort zu fassen, eine energiepreis- und bürokratiegetriebene Stagflation, also die volkswirtschaftliche Variante der Hühnergrippe, auch bekannt als Eurosklerose.

Links zum Thema: EZB vor Zinserhöhung, und was das für uns wirklich bedeutet | Aluminiumindustrie: an der Grenze zum Öko-Tod | 8,6 Millionen Arbeitslose – schon vor Beginn der Energierationierung | New Orleans, oder das dünne Eis des Friedens (interne Links)

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