Wie Factoring das Kreditrating verbessert

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Nachdem wir uns gestern über ABS-Transaktionen und ihre bonitätsverbessernde Wirkung Gedanken gemacht haben, denken wir heute über Factoring und seine bilanziellen Auswirkungen nach. Insbesondere zeigen wir, wie durch Forderungsverkauf nicht nur die Bonität sondern auch relevante Bilanzkennziffern und damit das Kreditrating nach Basel II verbessert werden können.

Das Unternehmen hat erhebliche Verbindlichkeiten, kann diese jedoch aus Mangel an liquiden Mitteln nicht begleichen. Den Verbindlichkeiten stehen jedoch beträchtliche Forderungen gegenüber. Die erste Liquidität ist damit schlecht (7,69%), die zweite jedoch gut (138,46%), ein bei vielen produzierenden oder gewerblichen Unternehmen leider sehr alltägliches Bild:

Bilanz vor Factoring
Aktiva
Passiva
 
Anlagevermögen 1.500 EUR       Eigenkapital 1.000 EUR
Waren/Vorratsvermögen 200 EUR       Rücklagen 200 EUR
Forderungen aus L&L 1.700 EUR       Darlehensverbindlichkeiten 1.000 EUR
Bankguthaben/Geldmittel 100 EUR       Verbindlichkeiten aus L&L 1.300 EUR
             
  3.500 EUR     3.500 EUR

Durch Forderungsverkauf (Factoring) werden liquide Geldmittel frei, die das Bankkonto auffüllen. Factoring ist eine spezielle Finanzierungsmaßnahme zur Erlangung liquider Mittel aus Forderungen bereits vor deren Fälligkeit, indem die Forderungen an einen Factor verkauft werden, der für einen verkauften Forderungsbestand einen bestimmten Prozentsatz des Gesamtbetrages zahlt, dann aber Mahnwesen und Inkasso übernimmt. Aus Vereinfachungsgründen haben wir hier die Abzüge des Factors nicht berücksichtigt:

Bilanz direkt nach dem Factoring
Aktiva
Passiva
 
Anlagevermögen 1.500 EUR       Eigenkapital 1.000 EUR
Waren/Vorratsvermögen 200 EUR       Rücklagen 200 EUR
Forderungen aus L&L 300 EUR       Darlehensverbindlichkeiten 1.000 EUR
Bankguthaben/Geldmittel 1.500 EUR       Verbindlichkeiten aus L&L 1.300 EUR
             
  3.500 EUR     3.500 EUR

Die nunmehr bereitstehenden Geldmittel können zum Ausgleich kurzfristiger Verbindlichkeiten benutzt werden. Die erste Liquidität steigt im Beispiel auf 300% und die zweite Liquidität auf satte 600%, ein ausgezeichneter Wert mit einer Menge Platz für neue Projekte. Da diese Buchung außerdem eine Bilanzverkürzung ist, verringert sich das Fremd- aber nicht das Eigenkapital, was zudem zu einer Erhöhung der Eigenkapitalquote von 34,289% (obere beide Beispiele) auf 52,17% (unten) führt. Diese vertikale Kennziffer ist zwar für sich genommen weitgehend aussagelos, aber im Zusammenhang mit horizontalen Daten wie Liquidität oder Anlagedeckung bedeutsam:

Bilanz nach Verwendung durch Factoring freigesetzter Mittel
Aktiva
Passiva
 
Anlagevermögen 1.500 EUR       Eigenkapital 1.000 EUR
Waren/Vorratsvermögen 200 EUR       Rücklagen 200 EUR
Forderungen aus L&L 300 EUR       Darlehensverbindlichkeiten 1.000 EUR
Bankguthaben/Geldmittel 300 EUR       Verbindlichkeiten aus L&L 100 EUR
             
  2.300 EUR     2.300 EUR

Factoring kann damit auch bei Kreditverhandlungen mit der Bank nützlich sein, d.h., die Bonität verbessern. Ferner kann das Unternehmen in eine geringe Größenklasse geraten und damit bilanzielle Offenlegungspflichten reduzieren.

Viel mehr Inhalte zum Thema "Factoring" findet der Leser im entsprechenden Stichwort im Lexikon für Rechnungswesen und Controlling und im Finanzierungs-Skript, beide nur auf der BWL CD zu haben.

Ach ja: Fallgestaltungen wie diese hier nebst zugehöriger Kennzahlenrechnung und grundierenden Verständnisfragen sind beliebte Prüfungsaufgaben in der Prüfung "Investition, Finanzierung, Steuern" im Lehrgang "Technischer Betriebswirt" oder in der Controlling-Prüfung beim Betriebswirt/IHK. Wer sich das also vorgenommen hat, sollte obiges Beispiel gut verdauen!

Links zum Thema: Was sind eigentlich ABS-Transaktionen? | Das Geheimnis des Annuitätendarlehens, oder was Ihre Bank Ihnen nicht verrät | Basel II: Das Ende der Kreditversorgung? (interne Links)

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