AOK fordert Zwangsarbeit für Ärzte!

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Daß dem deutschen Zwangsversicherungssystem totalitäre Denkmuster zugrundeliegen, ist nichts Neues und wäre keiner Nachricht wert. Der jetzt diskutierte Vorschlag des AOK-Vizepräsidenten Stackelberg, junge Ärzte auf ein "Pflichtjahr" aufs Land zu schicken, ist aber schon ein starkes Stück. Und noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Aber der Reihe nach: in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" soll Stackelberg gesagt haben, daß man junge Ärzte nicht mit Geld alleine aufs Land locken könne; man müsse sie also dazu zwingen. Das sei, so Stackelberg, eine "einfache und wirkungsvolle" Lösung für das Problem des immer gravierender werdenden Ärztemangels insbesondere in Ostdeutschland.

Übersetzen wir das mal: Zwangsdienst für Ärzte statt leistungsgerechter Bezahlung auf internationalem Niveau, Zwang statt Freiheit, Provinz statt internationalem Qualitätswettbewerb, Verteilung statt Service, Staatsmedizin statt angemessener Versorgung. Natürlich wundert es nicht, daß der Vizeboß einer Zwangskasse auf solche wahnwitzigen Ideen kommt, denn ihm werden die Zwangskunden ja auf dem Silberteller serviert. Kein Wunder also, daß der Mann marktwirtschaftlichen Denk- und Verhaltensmustern entfremdet ist. Und in den Krankenhäusern gibt es im Grunde schon einen Beinahe-Zwangsdienst – jedenfalls, wenn man die extremen Arbeitszeiten und die diesen entgegenstehenden schlechten Entlohnungen betrachtet.

Aber wie gesagt, wir haben das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: durch nahezu alle Parteien (außer der FDP) geistern nämlich immer wieder Forderungen nach einem sozialen Pflichtjahr als "Ersatz" für die immer kürzer werdende Dienstpflicht in der Bundeswehr. Schließlich werden viele Rekruten nichtmal mehr eingezogen, wie empörend! Natürlich wird auch hier gefordert, daß nur Männer diesen neuen Zwangsdienst leisten – Frauen sollen auch davon ausgenommen werden.

Das also ist des Deutschen Vorstellung von einer funktionierenden Wirtschaft: Zwangsarbeit, wo der Staat versagt und Angst vor Freiheit und Fortschritt das Wagnis des Marktes nicht zuläßt. Das zwangswirtschaftliche Modell wird noch immer nicht dem Grunde nach in Frage gestellt. Vermutlich muß die Krise noch wesentlich tiefer werden. Die uns so oder so vermutlich bald drohende Bürgerzwangsversicherung könnte zu dieser Verschärfung der Krise beitragen. Ob die Defacto-Einführung einer Staatsmedizin aber einen Nachdenkprozeß in Gang bringt? Wohl kaum…

Links zum Thema: Bürgerversicherung: Die Leitbilder der Zwangsmentalität | »Familienkasse«: Die nächste Zwangsversicherung? | Der konspirative Dozent: Wie die BfA Existenzen vernichtet | Gesundheitsexperte für Abschaffung der Pflegeversicherung. Wow! | Beitrag zur Zwangs-Krankenversicherung: 27% | Grundgedanken der Kollektivguttheorie | Ökonomischer Wahnsinn im Gesundheitswesen: ein Beispiel (interne Links)

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