»Intelligente Banknoten« mit RFID noch in 2005?

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Dem Vernehmen nach sollen noch in diesem Jahr Euro-Banknoten mit RFID-Chip in Umlauf gebracht werden. Die Technik der RFID-Chips erlaubt die drahtlose Fernidentifikation der mit ihnen markierten Gegenstände, worüber wir bereits berichtet haben. Was nützlich für Inventuren und ein Datenschutzproblem im Einzelhandel ist, eröffnet aber bei Geldscheinen gänzlich neue, beunruhigende Perspektiven.

Im Einzelhandel stellt die inzwischen zur Marktreife gelangte RFID-Technik ein erhebliches Datenschutzproblem dar, weil der Kunde die Funketiketten nicht finden und entfernen kann. Vorteilen wie der Identifikation gekaufter Waren ohne Fließband und manuellen Eingriff an der Kasse steht also die Gefahr gegenüber, daß neugierige Marketing-Firmen auch später noch alle gekauften Produkte identifizieren – ohne Wissen des Käufers. Würde man Bücher mit RFID-Kennzeichen versehen, könnte man sogar erkennen, was die Leute lesen. Bei Banknoten besteht ein solches Risiko nicht, weil die Scheine ja ständig von Hand zu Hand gehen. Dafür gibt es aber andere Probleme.

So sollen die Banknoten per Funk nicht nur ihre Seriennummer sondern auch ihren Nominalwert mitteilen, was die verdeckte Kontrolle mitgeführter Geldbeträge erlauben würde. Wird das also bald am Eingang zu Sozial- und Arbeitsämtern obligatorisch?

Lesegeräte für RFID-Etiketten sind zudem frei am Markt erhältlich. Ob und inwieweit die Daten der Geldscheine verschlüsselt werden, war auf Nachfragen von der EZB nicht zu erfahren (wie überhaupt keine Daten über solche Details von offizieller Stelle erhältlich sind). Könnte also bald jeder Straßenräuber mit einem kleinen versteckten Lesegerät sein Opfer vor der Tat ausspionieren?

Wir haben auch prognostiziert, daß durch die ab April beginnende Totalüberwachung aller Bankkonten eine virtuelle Steuerprüfung per Suchmaschine eingeführt werden soll. Dies fördert ganz offensichtlich Schwarzarbeit und Bargeldwirtschaft. Soll nunmehr auch Bargeld leichter überwachbar werden?

Der Trend zu mehr Gängelung und Kontrolle ist jedenfalls unübersehbar: so werden schon jetzt sämtliche eMails kontrolliert, und vermutlich auch alle Telefongespräche. Maut-Technik erlaubt die Erstellung von Bewegungsprofilen einzelner Personen. Jetzt will der Staat uns auch direkt ins Portemonnaie gucken. Eines ist sicher: Die DDR-Stasi hätte feuchte Träume bekommen bei dem, was jetzt so ganz ohne Widerstand der Bevölkerung möglich ist.

Links zum Thema: RFID, oder der Spion in der Hose | Virtuelle Steuerprüfung per Suchmaschine ab 1. April 2005 | Vom baldigen Ableben des Briefgeheimnisses | Mit Maut-Technik: Polizei scannt alle Kfz-Kennzeichen (interne Links)

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